12.01.2016

Dreikönigstagung 2016

Die wichtigsten Zitate der Chefredaktoren

Rund 300 Vertreter der Medienbrache trafen sich am Dienstag zur traditionellen Dreikönigstagung in Zürich Oerlikon. Im Publizisten-Panel stellten sich die Chefredaktorinnen und Chefredaktoren der "Neue Zürcher Zeitung", "Tages-Anzeiger", "Südostschweiz" und "Watson" den Fragen von Moderator Peter Hartmeier. Es entstand eine Diskussion über die politischen Haltungen der Zeitungen, Filialleiter und den Break Even.
Dreikönigstagung 2016: Die wichtigsten Zitate der Chefredaktoren

Am Nachmittag des Neujahrstreffen der Medienbranche vom Dienstag in Zürich Oerlikon kommen die Chefredaktorinnen und Chefredaktoren der grossen Schweizer Verlage beim Publizisten-Panel zusammen. Moderator Peter Hartmeier begrüsst Martina Fehr ("Südostschweiz"), Eric Gujer (NZZ), Hansi Voigt ("Watson") und Judith Wittwer, die Arthur Rutishauser, den gemeinsamen Chefredaktor von "Tages-Anzeiger", der "SonntagsZeitung" und dem "Magazin", vertritt.

Hartmeier übergibt das Wort zuerst an die Bündnerin in der Runde. "Wir wollen eine starke Regionalzeitung herausbringen", erklärt Martina Fehr. Wenn die "Südostschweiz" auch national wahrgenommen werde, sei das umso schöner. Angesprochen auf die Digitalstrategie sagt sie: "Wir mussten feststellen, dass wir online nicht alle unsere Leser erreichen." Der Grossteil informiere sich entweder online oder über die Printausgabe, nur wenige über beides.

Keine "Filialleiterin"

Auch beim Tagi überschneiden sich die Print- und Onlineleser nur in 20 bis 25 Prozent, wie Judith Wittwer sagt. Die Umstrukturierung in der Chefredaktion von Tagi, SoZ und "Magazin" ansprechend, fragt Hartmeier bei ihr nach, ob sie denn eine Filialleiterin sei, wie das viele nennen würden. Damit habe das wenig zu tun, erwidert Wittwer. Bei Tamedia frage man sich stets, ob man in der Organisation noch zeitgemäss sei. Wenn die Antwort "Nein" laute, wolle man sich weiterentwickeln.

Bei der NZZ liege der Schwerpunkt der Aufgaben eines Chefredaktoren in der Publizistik, sagt Eric Gujer auf eine entsprechende Frage des Moderators. Als solcher vermittle er seine persönlichen Überzeugungen so oft es gehe in Leitartikeln und Kommentaren.

"Wir sind keine Parteizeitung"

Nebst dem Medienwandel interessierte sich Hartmeier auch für die politische Haltung der Zeitungen. "Wir sind eine liberale Stimme, aber keine Parteizeitung", sagt Gujer. Die NZZ biete den Lesern eine geistige und intellektuelle Heimat - dazu gehöre auch ein politischer Standpunkt. In dieses Leitbild habe sich ein Mitarbeiter einzufügen.

Nicht ganz so klar ist die Linie beim "Tages-Anzeiger". "Wir nehmen keine Parteipositionen ein", sagt Wittwer. Gerade erst hätte die Redaktion die Parolen für die bevorstehenden Abstimmungsvorlagen definiert. Alle möglichen Standpunkte seien hart aber fair diskutiert worden - und am Schluss habe man eine Meinung gefasst.

Hansi Voigt sorgt für Schmunzler

Keine "Links-rechts-Position" einnehmen will "Watson"-Chefredaktor Hansi Voigt. "Mir ist es ein Anliegen, konstruktiven Journalismus zu machen und den Leser nicht informiert aber ohnmächtig zurückzulassen", sagt er. Er positioniert "Watson" irgendwo zwischen den klassischen und den sozialen Medien. Im Saal sorgt er mit folgender Aussage für Schmunzeln: "Seiten? Ich frage mich gerade was das ist. Ich komme bloss zirka dreimal im Jahr mit einer Printzeitung in Kontakt".

Er habe den Ruf, nicht sparen zu können, sagt Hartmeier in Richtung Voigt und fügt an: "Wirst du je zum Ziel kommen und mit 'Watson' schwarze Zahlen schreiben?" Nach Plan solle der Break Even vier bis viereinhalb Jahre nach Gründung erreicht werden, antwortet er.

Text und Bild: Michèle Widmer


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