11.02.2019

Türkei

Ehefrau von Journalist Can Dündar fordert Gerechtigkeit

Sie werde im wahrsten Sinne des Wortes gegen ihren Mann als Geisel gehalten. «Beendet diese Gesetzeswidrigkeit», forderte sie.

Die Ehefrau des im deutschen Exil lebenden Journalisten Can Dündar wirft der türkischen Regierung Menschenrechtsverletzungen vor. Vor mehr als zwei Jahren wurde ihr Reisepass annulliert.

Dass ihr die Ausreise verweigert werde, sei eine «vollkommen rechtswidrige, willkürliche und politische Entscheidung», sagte Dilek Dündar am Montag in einem über Social Media verbreiteten Video.

Es verstosse zudem gegen Grundrechte wie die Reisefreiheit. Sie werde im wahrsten Sinne des Wortes gegen ihren Mann als Geisel gehalten. «Beendet diese Gesetzeswidrigkeit», forderte sie.

Dilek Dündar war im September 2016 der Reisepass entzogen worden, als sie nach Berlin ausreisen wollte. Ihr Mann, der sich zu dem Zeitpunkt schon ausserhalb der Türkei aufhielt, war kurz zuvor von seinem Posten als Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung «Cumhuriyet» zurückgetreten. Gegen Can Dündar laufen in der Türkei zahlreiche Verfahren, unter anderem wegen Terrorunterstützung.

Dündar, die Wirtschaftswissenschaftlerin und Dokumentarfilmerin ist, betont in dem Video, dass gegen sie selbst keinerlei Anschuldigungen vorlägen. Sie habe lange geschwiegen, weil sie auf die Gerechtigkeit der Justiz gehofft habe. Es belaste sie jedoch sehr, dass sie ihren Mann und ihren Sohn, der in London studiert hat, nicht sehen könne.

Beispielsweise habe sie an der Abschlussfeier ihres Sohnes, von der sie ihr ganzes Leben geträumt habe, nicht teilnehmen können. Ihr Schicksal stehe beispielhaft für Tausende von Ehepartnern, die wegen ihrer Familienbindungen grundlos bestraft würden.

Dilek Dündar erzählt zudem von finanziellen Schwierigkeiten. Sie könne den Kredit ihres Hauses in Istanbul alleine nicht zahlen. Die Behörden hätten ihr nicht erlaubt, eine Ferienwohnung zu verkaufen, um den Kredit zu tilgen. Nun werde das Haus in Istanbul gepfändet. «Ich darf mein Land nicht verlassen, muss aber aus dem Haus raus, in dem ich gezwungen wurde, alleine zu leben», sagte sie dazu. (sda/dpa/eh)

 



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