Wer ist ehrgeiziger, Stefan Raab oder Steven Gätjen?
Stefan hat einen unfassbaren Ehrgeiz. Ich bin auch ehrgeizig, aber ich gebe mir für das Erreichen meiner Ziele mehr Zeit. Ich bleibe hartnäckig.
Würden Sie sich prinzipiell zutrauen, gegen ihn anzutreten?
Klar. Ich spiele in der Probe ja auch immer mit. Der Vorteil, den Stefan einfach hat: Er ist ein krasser Autodidakt. Er schaut sich irgendwas an und kann das dann technisch sofort umsetzen. Und er hat dann noch die Geduld herauszufinden, was der schnellste und beste Weg ist, um die Aufgabe zu lösen.
Woher nimmt der denn den Ehrgeiz? Für ihn gibt’s ja nichts zu gewinnen.
Das stimmt. Ich glaube, es ist wirklich der Ehrgeiz, neue Dinge auszuprobieren und als Sieger vom Platz zu gehen. Er hat einfach ein extremes Wettkampfgen.
Menschlich ist er ein total feiner Kerl, aber in der Show hat er den Tunnelblick.
Sie sind ein sehr kommunikativer, zugänglicher Mensch. Bei «Schlag den Raab» haben Sie allerdings eine sehr andere Rolle. Da sind sie eher der strenge, neutrale Schiedsrichter.
«Schlag den Raab» ist ein grosser Kindergeburtstag. Das ist eine Sendung für uns Männer, die irgendwo immer noch ein kleines Kind in sich haben. Meine Rolle ist schon eher der Spielleiter – und das bedeutet vor allem: Stefan in Zaum halten.
Das ist sicher ein Abenteuer!
Ja, die Sendung ist ein Abenteuer. Genau mein Ding: Alles ist live und nichts ist vorhersehbar.
Ich erinnere mich: Im November dauerte die Sendung bis halb drei nachts und musste per Flummi entschieden werden.
Ein verrücktes Ding. Zwischendurch verabschiedeten sich Stefan und der Kandidat auf die Toilette, und ich stand da und musste improvisieren. Und Ringing the Bull, das Spiel zuvor mit dem Haken, hatte ich in den Proben ausprobiert. Bei mir hatte es geklappt.
Sie tragen meistens Anzug. Werden Sie manchmal für spröde gehalten?
Ja, das kommt häufiger vor. Was soll’s. Menschen müssen einen immer in eine Schublade packen. Als ich «Schlag den Raab» von Matthias Opdenhövel übernommen habe, sagte mir Stefan: «Du wirst ein Jahr lang nur hören, wie scheisse du bist!» Und genauso war es auch.
Noch undankbarer als der Job bei Raab: der Job als Moderator der ADC-Gala, den Sie übernommen haben.
Wieso?
Das war nicht so ernst gemeint. Man hat da als Moderator einfach sehr begrenzten Spielraum. Es werden um die hundert Würfel verteilt.
Damit werde ich fertig. Die Anfrage von ADC-Vorstandsmitglied Remy Fabrikant hat mir sehr geschmeichelt. Ich mag die Schweiz und Zürich sehr gerne. Den Moderationsjob beim Film Festival habe ich ja schon einige Jahre.
Wie würde die Steven Gätjen Show aussehen?
Ich habe da eine ganz klare Vorstellung. Aber da muss man noch ein bisschen drauf rumkauen. Ich möchte vor allen Dingen, dass sie Spass macht, ein Wohlfühlgefühl auslöst.
Das klingt, als ob da schon was im Busch wäre ...
... vielleicht! Es gibt Ideen.
Wenn Stefan keinen Bock mehr hat, kommt Steven.
Nein, Stefan kann man nicht beerben. Ich will auch gar nicht in seine Fussstapfen treten.
Ist Stefan Raab nicht ein riesiges Klumpenrisiko für ProSieben?
Schon möglich, aber wenn man jemanden wie Stefan hat, dann muss man ihm auch den nötigen Platz geben. Wer spielt wie Arjen Robben, Franck Ribéry und Thomas Müller zusammen, darf nicht auf der Bank versauern.
Interview: Adrian Schräder, Bilder: Debora Zeyrek/diamondphoto.ch
Dies sind Auszüge aus dem Interview mit Steven Gätjen aus der Mai-Ausgabe der Zeitschrift persönlich.
Seit mehr als zwanzig Jahren macht Steven Gätjen, 42, «irgendwas mit Medien»: erst beim Radio, jetzt beim Fernsehen. Der in den USA geborene und in Deutschland aufgewachsene Moderator startete seine Karriere mit einem Praktikum bei OK Radio. Von 1996 bis 1999 war er Teil des Teams von MTV in London. Seit 1999 präsentiert er die verschiedensten Sendungen auf ProSieben – unter anderem alljährlich die Oscar-Nacht direkt vom roten Teppich in L. A. und den Quotenrenner «Schlag den Raab». In seiner eigenen Sendung «Steven liebt Kino» stellt er neue Kinofilme vor. Daneben moderiert er die verschiedensten Veranstaltungen wie etwa die Gala des Zurich Film Festivals oder die Preisverleihung des ADC Switzerland. Gätjen lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Hamburg. Sein Bruder ist der Schauspieler Andy Gätjen. (ads)

