Nachdem die SRG 2015 wegen rückläufiger Werbeeinnahmen 20 Millionen Franken einsparen musste, wird der Gürtel nun noch enger geschnallt. 2016 und in den Folgejahren wird das SRG-Budget durchschnittlich rund 40 Millionen Franken tiefer sein als heute.
Grund dafür seien laut Medienmitteilung der SRG die Mehrwertsteuern, die nach Bundesgerichtsbeschluss vom April 2015 nicht mehr von den Gebührenzahlern, sondern durch die SRG beglichen werden muss. Zudem sieht das revidierte Radio- und Fernsehgesetz, das im Juni mit einer hauchdünnen Mehrheit vom Stimmvolk angenommen wurde vor, dass der Gebührenanteil der Lokal- und Regionalsender von vier auf bis zu sechs Prozent steigt. Das mindert das SRG-Budget.
Wie und wo genau gespart werden soll, werde voraussichtlich im Oktober kommuniziert, sagt SRG-Unternehmenssprecher Simon Denoth auf Anfrage von persoenlich.com: "Die Geschäftsleitung SRG hat eine von SRG-Finanzchef Beat Grossenbacher geleitete Projektgruppe mit Vertretern aus allen Regionen beauftragt, einen Massnahmenkatalog vorzubereiten. Die Geschäftsleitung wird sich noch im September vertieft damit befassen".
Die SRG werde zudem gemeinsam mit der Mediengewerkschaft SSM über einen Sozialplan verhandeln. "Ein Stellenabbau wird unvermeidlich sein", sagt Denoth. Eine exakte Antwort auf die Anzahl der betroffenen Stellen sei jedoch erst möglich, wenn Geschäftsleitung und Verwaltungsrat das Massnahmenpaket erörtert haben und wenn die Konsultation mit dem SSM abgeschlossen ist.
Gewerbeverband will Halbierung des Budgets
Die SSM wehrt sich gegen drohende Entlassungen und fordert die SRG auf, den Stellenabbau ohne Entlassungen durzuführen: "Für den SSM stehen vorzeitige Pensionierungen und Modelle zum Jobsharing im Vordergrund", heisst es in einer Medienmitteilung.
Klar ist bereits heute, wie gross die Budgetschnitte in den einzelnen Regionen sind: SRF spart demnach rund 12, RTS in der Romandie 8,5 und RSI in der italienischen Schweiz 5,5 Millionen Franken. Das rätoromanische RTR und Swissinfo müssen jeweils 600'000 und 200'000 Franken einsparen. Die Generaldirektion und die Business Unit Sport sparen zusammen, 8,5 Millionen Franken, weitere 4,5 Millionen sollen national und bei überregionalen Vorhaben gekürzt werden.
Gleichzeitig verabschiedet der Gewerbeverband, der mit dem Referendum gegen das neue RTVG im Juni gescheitert war, ein neues Positionspapier: Gewerbeverbands-Direktor Hans-Ulrich Bigler fordert eine drastische Budgetreduktion. Der Bundesrat solle drei Varianten überprüfen: Die Abspeckung von heute 1,3 Milliarden Franken auf 1 Milliarde, eine Halbierung auf rund 700 Millionen oder gar auf 500 Millionen Franken.
Ausserdem fordert der Gewerbeverband Kostentransparenz: Für jede Sendung solle ausgewiesen werden, welche Ausgaben ausgefallen seien. Zudem solle die Billag ihren Jahresbericht öffentlich machen und dürfe keine Gewinne mit dem Inkasso machen. (lcv)
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