30.05.2026

Jean-Martin Büttner

Einarmiger Bandit

Der bekannte Journalist Jean-Martin Büttner beschreibt in der Titelgeschichte des aktuellen Magazin von Tamedia seinen Weg vom Journalisten zum Amputierten.
Jean-Martin Büttner: Einarmiger Bandit
Die Handprothese von Jean-Martin Büttner. (Bild: Das Magazin)

Was als banaler Unfall nachts um zwei Uhr in der eigenen Küche begann, endete für den renommierten und preisgekrönten Publizisten Jean-Martin Büttner in einer existenziellen Zäsur. Wie der 67jährige in Das Magazin in einer mehrseitigen Reportage unter dem Titel «Der einarmige Bandit» berichtet, führte eine Verbrühung mit heissem Wasser zu schwersten Brandverletzungen, die schliesslich die Amputation seiner linken Finger und des Daumens zur Folge hatten. Nur drei Monate vor seiner Pensionierung sei aus dem beobachtenden Journalisten ein Betroffener geworden, der sich im Universitätsspital Zürich und später in der Reha-Klinik Bellikon wiederfand, so Büttners Fazit.

Verlust der Symmetrie

Büttner schildert ungeschönt seinen psychologischen und physischen Zerfallsprozess: So überstand er sechs Operationen, Komplikationen bei Hauttransplantationen und der Einsatz von Opiaten wie Fentanyl prägten die erste Zeit.

In seinem Artikel reflektiert der bekannte Journalist über das Phänomen, wonach das Gehirn die Versehrtheit gar nicht registriere. Daneben erlebe man auch die Scham über die eigene «Asymmetrie». Gerade im Alltag machten ihm die Verletzungen extrem zu schaffen, beispielsweise beim Schuhebinden, Aber auch die Erkenntnis, wonach er – als promovierter Musikexperte – niemals mehr ein Instrument in den Armen halten könne, sei für ihn sehr schmerzhaft.

Terminatormässige Protese

Im Artikel beschreibt Büttner die Auswirkungen auf sein Handwerk. So sei für ihn das mühsam erlernte Zehnfingersystem wertlos geworden; hingegen fühle sich das einhändige Tippen für ihn wie «Stammeln» an. Die Leichtigkeit der Szenik sei einer quälenden Stockung gewichen.

Nach einem zweijährigen Kampf mit der Krankenkasse trägt Büttner nun eine Prothese in mattem Anthrazit. Die Prothese, die er mit einer Prise Galgenhumor als «terminatormässig» beschreibt, hilft ihm, den «obszönen Stumpf» zu verbergen, könne aber den Tastsinn und die Wärme einer echten Hand niemals ersetzen, so Büttners Fazit.

Am Sonntag, 7. Juni, spricht er in der Sendung «Doppelpunkt» um 11 Uhr morgens auf dem Zürcher Privatsender Radio 1 mit Roger Schawinski über seine Verletzung. Der langjährige Tagesanzeiger-Journalist arbeitet heute als Freier für die verschiedensten Medien, so auch für Das Magazin. (ma)


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