25.02.2021

CH Media

Eine Geschichte in 750 Varianten erzählt

Der Fussballroboter ruht. Doch die Macher der automatisch generierten Texterstellung gönnen sich keine Pause: Sie nutzen das Wissen aus dem «Footomat» für neue Projekte. Dieses Mal auf Gemeindeebene. Den Lokaljournalisten ersetze es aber nicht, sagt Experte Stefan Trachsel.
CH Media: Eine Geschichte in 750 Varianten erzählt
Für 750 Gemeinden im Einzugsgebiet von CH Media liefert ein Textroboter massgeschneiderte Texte. Im Bild: der Klosterplatz in Einsiedeln. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)
von Marion Loher

Als im letzten August die Amateur-Fussballsaison startete, begann bei CH Media auch die Arbeit des Textroboters. Er berichtete über jedes Spiel der regionalen 2. und 3. Liga im Einzugsgebiet des Medienunternehmens (persoenlich.com berichtete). Zurzeit befindet sich der Amateurfussball im Winterschlaf, auch der Textroboter ruht. Er steht in der Werkstatt und bekommt ein Upgrade, wie Stefan Trachsel auf Anfrage von persoenlich.com sagt.

Trachsel ist seit Dezember 2019 Data & Automation Specialist bei CH Media und hat das Textroboter-Projekt «Footomat» entwickelt. Er und sein Team nutzen die Winterpause und das Wissen aus dem Fussballprojekt für Neues: Seit Ende Januar veröffentlichen sie automatisch generierte Texte auf Gemeindeebene, wie persoenlich.com weiss.

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Das Einzugsgebiet von CH Media umfasst über 750 Gemeinden. Für jede dieser Gemeinden werden zu ausgewählten Themen spezifische Berichte erstellt. Hierfür arbeiten Trachsel und sein Team mit den Statistiken, die auf Gemeindeebene existieren. «Wir haben zum Beispiel auf Basis der Resultate aller eidgenössischen Abstimmungen der vergangenen 30 Jahre das Abstimmungsverhalten der Gemeinden der Nordwest-, Ost- und Zentralschweiz ausgewertet», sagt Trachsel. «Dafür suchten wir in den Daten nach interessanten Geschichten wie: Welche Gemeinde stimmt eher wie das Schweizer Stimmvolk oder welche widersetzt sich dem Bundesrat am häufigsten?» Im Anschluss werteten sie die Statistik für jede Gemeinde aus und schrieben mithilfe eines Textroboters die massgeschneiderten Texte. Als Beispiele nennt er Einsiedeln, Uttwil und Aarburg.

Veröffentlicht werden diese Texte auf den Newsportalen von CH Media unter der auf jede Gemeinde individuell zugeschnittenen Rubrik «Meine Gemeinde». Den Lokaljournalisten oder die Lokaljournalistin werde der Roboter aber nicht ersetzen, ist Trachsel überzeugt. «Lokaljournalismus lebt von den Protagonisten und Ereignissen vor Ort, die unsere Journalistinnen und Journalisten mit viel Leidenschaft und Lokalwissen begleiten. Das kann kein Roboter ersetzen.»

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Der Roboteransatz sei vielmehr ein Werkzeug, das einem Journalisten erlaube, eine Story in 750 verschiedenen Varianten zu publizieren. Die automatisierten Gemeindetexte sind vorerst als Versuch gedacht. Es müsse sich zeigen, ob das Interesse der Leserschaft den Aufwand rechtfertige. Die ersten Erfahrungen seien jedoch positiv. «Ziel ist es, alle paar Wochen eine Serie Gemeindetexte zu publizieren, sei es zu einem zeitlosen Thema oder zu etwas Aktuellem.»

Automatisierung laufend verbessern

Im Unterschied zum «Footomat» beginnen die Arbeiten bei den Gemeindetexten immer wieder bei null, was gemäss Trachsel mit viel Aufwand verbunden ist. «Der Fussballroboter ist auf eine dauerhafte Nutzung ausgelegt, die im besten Fall ohne menschliches Zutun läuft.» Wenn im Amateurfussball wieder gespielt wird, wird auch der Fussballroboter wieder zum Einsatz kommen. Aufgrund der Corona-Situation dürfte dies noch etwas dauern.

«Mit dem Upgrade, das er derzeit erhält, wollen wir seine Automatisierung weiter verbessern, sodass die Leserinnen und Leser die Berichte früher lesen können», sagt Trachsel. Auch in den eigentlichen Texten ist die eine oder andere Neuerung geplant. «Da viele der Fussballvereine stark in ihren Gemeinden verankert sind, werden die Spielberichte zudem Bestandteil der spezifischen Gemeindeseiten sein.»



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