Daniel Puntas, Sie waren unter anderem Devisenhändler, Pizzaiolo und Sprachlehrer, bevor Sie Reporter bei der NZZ am Sonntag und später Chefredaktor und Herausgeber des Magazins Reportagen wurden. Warum haben Sie sich für die Medien entschieden?
Weil ich den Journalismus lange nicht auf dem Radar hatte, entdeckte ich erst spät, dass ein paar Kerntugenden dieses Berufes – das Interesse am Verstehen von Zusammenhängen, die Lust am Recherchieren, das Gespräch mit wildfremden Menschen und das Erzählen von Geschichten – genau mein Ding sind.
Was war der Auslöser für diesen vorerst letzten Branchenwechsel?
Die Lektüre von Reportagen im Rahmen meines Literaturstudiums auf dem zweiten Bildungsweg an der Universität Freiburg. Ich war augenblicklich hin und weg: Was für eine wunderbare Gattung! Journalismus und Literatur vereint. Die perfekte Symbiose von sachlichem Inhalt und subjektiver Erzählweise.
Gab es Momente des Zweifels während des Einstieg in die Medienbranche oder danach?
Als meine allererste lange Reportage – in die ich mehrere Monate Zeit investiert hatte und mit der ich herausfinden wollte, ob ich das überhaupt kann – von rund zehn verschiedenen Schweizer Zeitungen oder Zeitschriften nicht genommen wurde, dachte ich ans Zurückkrebsen. Dann schickte ich sie in einem letzten Versuch und ohne grosse Hoffnung noch der NZZ – und hatte Glück.
Wie reagierte Ihr persönliches Umfeld auf den Berufswechsel?
Ausschliesslich positiv. Wahrscheinlich dachten sich einige: Endlich weiss er, was er will.
«Ich bin dankbar, dass in der Schweiz solche Quereinstiege gut möglich sind»
Haben Sie sich schnell im neuen Berufsfeld zurechtgefunden?
Sehr. Die Gesetze des Medienmarktes und die journalistischen Grundtugenden sind ja keine Rocket Science. Ich bin auch dankbar, dass in der Schweiz solche Quereinstiege ohne grosse Formalitäten und obligatorische Zusatzausbildungen überhaupt möglich sind.
Ist Ihre ungewöhnliche Berufsbiografie heute ein Thema im professionellen Umfeld?
Überhaupt nicht. Die wenigsten wissen davon. Höchstens noch, wenn jemand meinen Namen googelt, um mich bei einer Veranstaltung mit etwas Anekdotischem wie meinen Berufsstationen als Weinbauer oder Taxi-Tango-Tänzer vorzustellen.
Gibt es Parallelen zwischen Ihren früheren Tätigkeiten und dem heutigen Beruf?
Was den Devisenhandel anbelangt: kaum. Unter uns Händlern galt damals, «once a dealer, always a dealer». Wir trugen sogar voller Stolz einen entsprechenden Pin am Jacken-Revers. Meine heutige Arbeit hat mit dem Händlerleben von damals nichts gemeinsam.
«Wenn man miteinander ins Gespräch kommt, kann etwas entstehen»
Welches Know-how aus früheren Berufen hilft Ihnen bis heute?
Die persönliche Begegnung – und das gilt in digitalen Zeiten noch mehr – schlägt alles. Erst, wenn man miteinander ins Gespräch kommt und sich Zeit nimmt, kann etwas entstehen. Auf die journalistische Tätigkeit übertragen: Erst unter dieser Voraussetzung treten die wirklich guten Geschichten zu Tage. Für die Verlegertätigkeit wiederum greife ich öfter auf meine Erfahrung als Sportsponsoring-Manager zurück: Ein «Nein» bedeutet noch lange nicht «Nein».
Was würden Sie anderen Quereinsteigern raten?
Wenn der Bauch Ja sagt, nicht lange zu zögern. Der Rest ergibt sich von selbst.
Könnten Sie sich einen erneuten Branchenwechsel vorstellen?
Nein, ausser die wirtschaftlichen Umstände würden mich dazu zwingen. Aber sonst: Journalismus bleibt meine grosse Leidenschaft.
In der Sommerserie «Quereinsteiger / Quereinsteigerin» stellt persoenlich.com zehn Fragen an Menschen aus der Medien- und Kommunikationsbranche, die nicht den klassischen Weg genommen haben. Eine Übersicht aller bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.

