Das wird nun für die Verantwortlichen an der Zürcher Dufourstrasse zu einem teuren Ärgernis. Wie die "SonntagsZeitung" in ihrer aktuellen Ausgabe schreibt, hat Béchir Ringier zu einer "strategischen Kooperation" gezwungen, wie es im internen Wortlaut heisst. Fortan kassiert er bei nahezu jedem Rock- und Popkonzert mit, das der Ringier-Ableger Good News (Beteiligung: 48 Prozent) organisiert. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Parteien ist vorläufig bis Ende 2013 befristet.
Grund für den Vertrag war die Erkenntnis der Good-News-Besitzer, dass sie beim Engagement der meisten grossen Rock- und Pop-Acts nicht um Béchir herumkommen. Dieser ist seit 40 Jahren im Geschäft und pflegt exzellente Beziehungen zu internationalen Musikgrössen und deren Management. Ohne den einstigen Geschäftspartner und heutigen Konkurrenten Béchir ist das musikalische Mainstream-Business offenkundig schlicht nicht praktizierbar, so die "SonntagsZeitung".
Unterhaltungssparte ist für Ringier-Strategie zentral
Wie die SonntagsZeitung vernommen hat, hatten Verleger Michael Ringier und sein Geschäftsführer Marc Walder höchstpersönlich bei Béchir interveniert, um jede weitere Eskalation zu verhindern – mit mässigem Erfolg. Nichtsdestotrotz, Ringier scheint der Deal viel Wert zu sein, und das mit gutem Grund; die Entertainment-Sparte ist für die Firmenstrategie des Boulevardhauses von zentraler Bedeutung.
Ringier will zur im SoZ-Artikel aufgestellten Behauptung, dass man ob des Verhaltens von André Béchir sehr verärgert sei, keine Stellung beziehen. "Wir kommentieren keine Gerüchte", sagte Sprecher Edi Estermann am Sonntagabend gegenüber persoenlich.com. "Die Kooperationsvereinbarung mit ABC Production ist eine für alle Parteien zufriedenstellende Lösung", hält er fest.
Das Unternehmen im Familienbesitz, das 2012 einen Umsatz von über einer Milliarde Franken erwirtschaftete, wandelt sich gezielt vom klassischen Zeitungsverlag zum globalen Unterhaltungskonzern mit integrierter Wertschöpfungskette. Wie genau das Geschäft mit Musikern funktioniert, erklärte Ringier-Entertainment-Chef Michael Voss kürzlich in einem Interview mit persoenlich.com. Dabei ging es um Rundum-sorglos-Pakete für Krokus und Gölä und um die Zusammenarbeit mit den "Blick"- und "Glückspost" Chefredaktoren. (SoZ/eh)

