Energy Zürich wieder in den Top drei

Mediapulse - Radio 24 erobert sich den ersten Platz zurück. Der Zentralschweizer Sender Radio Pilatus rutscht nach einem Jahr an der Spitze auf den zweiten Platz. Energy Zürich legt im ersten Halbjahr 2023 kräftig an Hörerinnen und Hörern zu. Ein Blick auf die neusten Radiozahlen.

von Christian Beck

Ein ganzes Jahr lang hat Radio Pilatus Höhenluft geschnuppert. Im ersten Semester 2022 schob sich der Zentralschweizer Sender an Radio 24 vorbei an die Spitze (persoenlich.com berichtete). Diesen Platz konnte Pilatus auch im zweiten Semester 2022 halten. Doch nun ist Schluss: Radio 24 ist im ersten Halbjahr 2023 zurück auf den ersten Platz geklettert. Dies zeigen die neusten Zahlen der Forschungsstelle Mediapulse.

Zu den absoluten Zahlen: Radio 24 erreichte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres täglich 224'660 Hörerinnen und Hörer – das sind 14'470 mehr als noch im ersten Halbjahr 2022 (alle Zahlen von Montag bis Sonntag, Deutschschweiz, ab 15 Jahren). «Das ganze Radio-24-Team rund um Programmleiterin Giulia Cresta setzte in den letzten Monaten einen starken Fokus darauf, seine Hörerinnen und Hörer wie eine gute Freundin oder einen guten Freund in ihrem Alltag zu begleiten», so Nicola Bomio, Leiter Radio CH Media, auf Anfrage von persoenlich.com. «Dazu haben wir nochmals viel in die Zusammenstellung des Musikprogramms investiert, welches möglichst vielen Menschen zwischen 25 und 60 als Begleitung durch den Tag gefallen soll. Dass das Team nun mit einem tollen Hörerzuwachs für seine grossen Anstrengungen belohnt wurde, freut mich ganz besonders.»

Radio Pilatus, ebenfalls aus dem Haus CH Media, verlor leicht. Den Sender aus Luzern schalteten täglich 210'040 Personen ein (minus rund 3000 Personen).

Im Vorjahr noch auf dem undankbaren vierten Platz kämpfte sich Energy Zürich wieder zurück auf das Podest, dies mit einem signifikanten Plus von 21'110 Hörerinnen und Hörern – neu erreichte der Stadtzürcher Sender 208'770 Zuhörende. Die Radiosender selbst kommunizieren jeweils die Hörerzahlen von Montag bis Freitag, ohne das nutzungsschwächere Wochenende. So betrachtet landete Energy Zürich gar auf dem zweiten Platz – hinter Radio 24 und vor Pilatus. «Wir freuen uns sehr über diese Rekordhörerzahlen», so Pascal Frei, CEO Energy-Gruppe, zu persoenlich.com. Bezogen auf alle Sender der Gruppe sagt er: «Noch nie haben wir täglich so viele Hörerinnen und Hörer erreicht wie im ersten Halbjahr 2023.»

Musiksender sind weiterhin beliebt

Signifikante Veränderungen gab es im ersten Halbjahr 2023 nur wenige. Nebst Energy Zürich erlebte auch Radio Melody einen Höhenflug. Der Musiksender von CH Media legte um 15'620 Hörerinnen und Hörer zu und erreichte neu täglich 95'340 Personen. «Radio Melody bietet der Hörerschaft einen ausgeklügelten Musikmix, der so austariert ist, dass er in jeder Stunde sowohl ältere wie auch jüngere Schlagerfans begeistert», so Nicola Bomio. «Wir haben das Potenzial eines solchen Schlagersenders bereits 2020 als hoch eingeschätzt und damals die DAB-Verbreitung von der Ostschweiz auf die ganze Deutschschweiz ausgeweitet. Das stetige deutschschweizweite Wachstum gibt uns nun recht, was das ganze Radio-Melody-Team sehr freut und anspornt, auch in Zukunft jeden Tag ein grossartiges Programm zu bieten.»

Reine Musiksender scheinen immer noch sehr gefragt sein. Seit der Coronapandemie legen diese stetig zu. Die Kurve zeigt nicht nur bei Radio Melody weiter nach oben, sondern auch bei Vintage Radio aus der Energy-Gruppe. 161'950 Hörerinnen und Hörer erreichte der Sender. Dies war zwar laut Mediapulse keine signifikante Steigerung, entsprach aber immerhin einem Plus von 15'690 Personen. «Die Entwicklung von Vintage Radio ist absolut beeindruckend. Der Radiosender mit den grössten Musikhits aller Zeiten befindet sich weiterhin auf einem absoluten Höhenflug und kann wiederum einen neuen Rekordwert verzeichnen», so Pascal Frei.

Ein kräftiges und signifikantes Plus um 22'480 Personen verzeichnete Virgin Radio Switzerland und kam neu auf 86'620 Hörerinnen und Hörer. Einen signifikanten Taucher einstecken musste dafür Sunshine Radio, das seit Anfang Jahr ebenfalls zu CH Media gehört. Das Stammpublikum scheint den Besitzerwechsel nicht goutiert zu haben: Der Sender aus Rotkreuz erreichte täglich 67'330 Personen, was einem Minus von 10'620 Personen entspricht.


Knapp nicht in die Top 20 kam Flashback FM von CH Media. 57'990 Personen schalteten im ersten Halbjahr 2023 täglich ein – dies entspricht einem Zuwachs um rund 13'000 Hörerinnen und Hörer. Das neue Goat Radio, das bis Februar noch als 20 Minuten Radio ausgewertet wurde, büsste Hörerinnen und Hörer ein: Nur noch 48'000 Personen hörten zu (minus 8400). Zum Vergleich: Noch im ersten Semester 2020 erreichte 20 Minuten Radio rund 81'000 tägliche Hörerinnen und Hörer.

Radio 24 auch bei Marktanteilen auf Platz 1

Ein Blick auf die Marktanteile, dies ist eine Kombination aus Hördauer und Reichweite: Radio 24 erreichte 2,82 Prozent, vor Radio Pilatus (2,66 Prozent) und Radio Central (2,56 Prozent). Hördauersieger ist Radio Central: 72 Minuten läuft das Radio im Schnitt täglich. Radio 24, in Sachen Reichweite und Marktanteil auf Platz eins, läuft nur während 56 Minuten.

In einer anderen Liga als die Privatradios spielen die Radiosender der SRG. 1,178 Millionen Personen erreichte Radio SRF 1 jeden Tag (plus 16'860). SRF 3 verlor 66'640 Hörerinnen und Hörer und kam so neu auf 904'890 tägliche Zuhörende. Auf Platz drei landete wie im ersten Halbjahr 2022 Radio Swiss Pop mit 453'460 erreichten Personen (plus 28'270).

Messung wurde angepasst

Die Messung der Radionutzung beruht auf dem technischen Prinzip des Audiomatchings. Als Messgerät dient eine Armbanduhr, rund 5700 ausgewählte Personen tragen eine solche. Auf Anfang 2023 wurden laut einer Mitteilung von Mediapulse bei der Radioforschung zwei Anpassungen umgesetzt. Zum einen sei die tägliche Stichprobengrösse um 20 Prozent reduziert worden. Mit dieser Massnahme habe dem Wunsch des Radiomarkts nach einer Senkung der Forschungskosten entsprochen werden können.

Zum anderen wurde laut Mitteilung ein optimiertes Verfahren zur Identifikation und Bereinigung von Fehlmessungen (False Positives) eingeführt. Damit habe die Validität der Nutzungsdaten verbessert werden können. Die Reduktion der Stichproben hat laut Angaben von Mediapulse keine Auswirkung auf das Messniveau.

Wie es weiter heisst, hat sich 2022 eine Arbeitsgruppe des Radiomarkts formiert, «welche die forschungsbezogenen Bedürfnisse der Radioanbieter gebündelt und in Form eines Briefings zur Weiterentwicklung der Radioforschung an Mediapulse weitergeleitet hat». Auf Basis dieses Briefings hätten sich die Vertreter der Arbeitsgruppe und die Forscher von Mediapulse darauf verständigt, zwei Weiterentwicklungsziele zu priorisieren. Einerseits soll die Integration der Radionutzung über Kopfhörer in die Planungsdaten des Werbemarkts auf der Basis von Zusatzbefragungen und mit Rückgriff auf kalkulatorische Schätzverfahren erfolgen. Ausserdem ist ein Pilotprojekt zur Quantifizierung der Streaming-Nutzung von Radioangeboten geplant. Die Umsetzung dieser Projekte startet, «falls die entsprechende Finanzierung durch den Radiomarkt gesichert ist», wie Mediapulse festhält.