Pietro Supino, warum wollen Sie in Zukunft auf Radio und Fernsehen verzichten?
Der Hauptgrund für unseren Entscheid, einen Verkauf unserer Radio- und Fernsehsender zu prüfen, ist das unberechenbare regulatorische Umfeld. (Siehe dazu auch: "persoenlich.com").
Sie sprechen die Vergabe der Konzessionsgelder an, bei der TeleZüri leer ausging?
Genau. Im Rahmen der letzten Konzessionsvergabe mussten wir die unschöne und vollkommen unverständliche Erfahrung machen, dass TeleZüri keine Konzession erhielt. Wir befürchten, dass bei der nächsten Konzessionsvergabe weitere Sender aus unserem Hause aus politischen Gründen benachteiligt werden.
Anfänglich war eine konvergente Strategie mit Printprodukten, Onlinezeitungen, Radio und Fernsehen Ihr Ziel. Die geben Sie nun einfach so auf?
Zu Beginn des Jahrtausends hatten wir die Möglichkeit, die Sender Radio24 und TeleZüri zu übernehmen. Zu der Zeit war Multimedia das grosse Thema und entsprechend versuchten auch wir, konvergente Strategien zu entwickeln. In der Zwischenzeit können wir feststellen, dass die Synergiemöglichkeiten relativ beschränkt sind. Unsere Erfahrungen haben uns gezeigt, dass Radio und Fernsehen Mediengattungen eigener Art sind. Ihre Berührungspunkte mit unseren Hauptaktivitäten Zeitungen, Zeitschriften und Online sind gering.
Es hiess immer, ein grosses Verlagshaus brauche auch ein eigenes Fernsehen. Salopp gefragt: Haben Sie es nicht mehr nötig?
Prestige spielt in unserem Unternehmen keine Rolle. (Lacht).
Vor zehn Jahren kaufte Tamedia Radio24 und TeleZüri. War das ein Fehler?
Das würde ich nicht sagen. Damals war es eine Chance, die wir gerne nutzten. Diese beiden Medien haben sich seither auch sehr gut entwickelt, was den hervorragenden Mitarbeitenden zu verdanken ist.
Man hat das Gefühl, Tamedia habe die elektronischen Medien nie richtig ins Herz geschlossen. Auch Ihre Auftritte beispielsweise bei TeleZüri sind äusserst rar. Warum eigentlich?
Ich habe mehrmals bei TeleZüri Interviews gegeben. In meinem ganzen Leben bin ich aber noch nie in einem Fernsehtalk aufgetreten, deshalb auch nicht im SonnTalk von TeleZüri. Das sagt überhaupt nichts aus über die Bedeutung von TeleZüri in unserem Haus. Im Gegenteil, es fällt mir ausserordentlich schwer, mich von diesen Aktivitäten zu trennen. Denn sie liegen mir am Herzen und ich bin stolz auf sie. Der Verstand sagt mir aber, dass unser Entscheid richtig ist.
Wieviel Geld hat Tamedia durch die elektronischen Medien verloren?
Das können wir erst beziffern oder beurteilen, wenn wir diese Unternehmungen verkauft haben. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass am Ende sogar ein Gewinn resultiert. Wir werden sehen
Sie wollen vier Sender verkaufen. Suchen Sie einen Käufer für alle vier zusammen oder für jeden einzelnen?
Wir gehen offen in den Verkaufsprozess hinein. Das heisst, es ist möglich, dass sich Interessenten nur fürs Radio oder nur fürs Fernsehen bewerben. Und es ist vorstellbar, dass sich jemand nur für Berner Medien oder nur für Zürcher Medien interessiert.
Und was die Interessenten selbst betrifft?
Auch in dieser Hinsicht sind wir offen. Es können Kollegen aus der Branche sein oder aber auch Unternehmer aus ganz anderen Gebieten.
Welche Kriterien müssen sie erfüllen?
Es ist uns wichtig, dass mögliche Käufer ein glaubwürdiges Konzept für die Weiterentwicklung von Capital FM, Radio 24 TeleBärn und TeleZüri präsentieren und dass sie den Mitarbeitenden bessere Perspektiven aufzeigen können als es uns mit den gegebenen Rahmenbedingungen möglich ist. Und natürlich spielt am Ende auch der Kaufpreis eine Rolle.
Müssen sie aus der Schweiz kommen oder sind auch ausländische Käufer ein Thema?
Wir sind offen für alle Interessenten, die den erwähnten Kriterien gerecht werden.
Würden Sie auch an einen Konkurrenten wie Ringier verkaufen?
Wie gesagt, wir schliessen niemanden als Käufer aus.
Und was die politische Haltung betrifft? Gibt es da Auflagen oder ist auch SVP-Politiker Christoph Blocher möglicher Kandidat?
Wir gehen davon aus, dass die Zukunft dieser Medien von Unternehmern gestaltet werden muss. Wenn diese politisch situierbar sind, dann darf das nicht im Vordergrund stehen. Und dies werden wir bei der Überprüfung der Konzepte für die Weiterentwicklung der Medien auch entsprechend berücksichtigen.
Darf Christoph Blocher vorstellig werden?
Ja.
Gibt es heute schon Interessenten?
Es gab zahlreiche Gerüchte in den letzten Wochen und Monaten. Die kennen wir alle. Wir haben aber noch keine Gespräche geführt. Wir sind selber sehr gespannt, wer sich nun wirklich für diese attraktiven Medien interessiert. (Siehe dazu auch: "persoenlich.com").
Sind die elektronischen Medien genug fit oder wird noch weiter abgespeckt?
Unsere Sender befinden sich in einer hervorragenden Verfassung, sowohl inhaltlich als auch wirtschaftlich. Von daher braucht es keinerlei Massnahmen hinsichtlich dieses Prozess.
Bis Ende Jahr wollen Sie den möglichen Käufer präsentieren. Was wenn keiner kommt?
Ich denke, wir werden vielmehr das Problem haben, unter vielen Interessenten den oder die besten auszuwählen. Und da diese Sender in unserem Portefeuille immer Perlen waren, ist auch nicht ausgeschlossen, dass sie es bleiben. Ein Verkauf kommt nur dann in Frage, wenn ein Käufer Capital FM, Radio 24 TeleBärn und TeleZüri bessere Perspektiven geben kann als wir. Und so schlecht haben wir selber es ja auch nicht gemacht.
Eine Schliessung der Sender kommt für Sie also nicht in Frage?
Eine solche Wertvernichtung könnte ich mir unter keinem Titel vorstellen. Sie würde den hervorragenden Leistungen der Mitarbeitenden bei Capital FM, Radio 24 TeleBärn und TeleZüri nicht gerecht.
Interview: Christine Schnyder

