05.05.2011

"Es gibt oder gab keine Verhandlungen mit Ringier"

Dominik Kaiser hat mit 3+ das geschafft, was viele bis anhin als unmöglich betrachteten: einen rentierenden Schweizer Fernsehkanal. Seit fünf Jahren ist er nun auf Sendung und will expandieren. Trotzdem halten sich auch Übernahmegerüchte, vor allem aus dem Haus Ringier. Kaiser über das Fernsehgeschäft, seine Person und die Sendung "Jung, Wild & Sexy", welche deutlich mehr übers Internet geguckt wurde als auf dem klassischen Weg. Das Interview:
"Es gibt oder gab keine Verhandlungen mit Ringier"

Herr Kaiser, die NZZ am Sonntag zitierte Sie als Kaufinteressenten von TeleZüri. Wie realistisch sind diese Pläne?

Dazu darf ich im Moment nichts mehr sagen.

Was erhoffen Sie sich von einem solchen Engagement?

Wie gesagt darf ich im Moment nicht mehr dazu sagen.

Wie in der Branche seit Längerem gemunkelt wird, hat Ringier Interesse an 3+. Wie weit sind die Verhandlungen fortgeschritten?

Es gibt oder gab keine Verhandlungen mit Ringier, und es gibt oder gab auch kein Angebot von Ringier.

Sind Sie überhaupt verkaufswillig?

Es gab in den letzten Monaten Druck von verschiedenen Seiten, dass wir unsere Selbstständigkeit aufgeben. 3+ steht aber nicht zum Verkauf. Uns geht es gut. Wir wachsen gesund mit eigenen Mitteln und investieren jedes Jahr mehr Geld ins Programm. 3+ hat auch 2010 schwarz abgeschlossen. Auch im 1. Quartal 2011 ist unser Marktanteil gegenüber dem Vergleichsquartal im Vorjahr um weitere 10 Prozent gewachsen.

Wie beurteilen Sie die ganzen Bewegungen auf dem Schweizer TV-Markt?

Ich bin sehr gespannt, was sich schlussendlich wirklich verändern wird. Unter Umständen bleibt mehr gleich oder vergleichbar, als man es jetzt erwartet.

Ihr Sender ging vor fünf Jahren auf Sendung und ist immer noch da. Was haben Sie besser gemacht als Ihre Vorgänger?

Wir haben sehr genau auf die Kosten geachtet und uns auf Unterhaltung konzentriert. Mit zunehmendem Erfolg haben wir das Programm in kleinen Schritten ausgebaut, Zusatzeinnahmen also jeweils sofort ins Programm reinvestiert.

Hand aufs Herz: Kann man mit Fernsehen in der Schweiz überhaupt Geld verdienen?

Ich glaube, dass es möglich ist, einen gesunden, profitablen privaten sprachregionalen Sender aufzubauen, der langfristig auf eigenen Beinen stehen kann und genug Geld verdient, um in die Programmentwicklung investieren und flexibel auf zukünftige Herausforderungen reagieren zu können. Voraussetzung dafür sind aus meiner Sicht keine Gebührengelder, sondern dass die bestehenden öffentlich-rechtlichen Sender ihr Programm nicht weiter ausbauen, wie das gerade in kleinen Schritten mit SF Info geschieht.

Wer ist der typische 3+-Zuschauer?

3+ wird im Durchschnitt pro Woche von circa einem Drittel aller Deutschschweizer gesehen. Das Zuschauerprofil ist darum relativ breit. In den drei grossen Schweizer Städten Zürich, Bern und Basel schaut man uns etwas überproportional. Auch bei Frauen sind wir beliebter. Kinder schauen uns weniger intensiv, und Zuschauer über 60 Jahre haben wir deutlich weniger. Das Durchschnittsalter liegt bei circa 42 Jahren.

Welches sind Ihre nächsten Projekte?

Als nächstes startet "Adieu Heimat", eine lustige Doku-Soap über ausgewanderte Schweizer. Im Herbst werden wir diverse neue Schweizer Sendungen starten. Darüber möchte ich im Moment aber noch nichts verraten.

Wie sieht das Verhältnis zwischen Eigenproduktionen und eingekauften Programmen aus?

Wir stecken deutlich mehr Geld in Schweizer Eigenproduktionen. Bezogen auf die Programmfläche sind es dann aber deutlich mehr Lizenzprogramme.

Welches sind die aktuellsten Trends in der Fernsehunterhaltung?

Erstaunlicherweise laufen weltweit die schon lange totgesagten Castingshows nach wie vor hervorragend und liefern Topquoten. Sendungen mit Jugendlichen, die Party machen, so wie bei uns "Jung, Wild & Sexy", gibt es in immer mehr Ländern. Bei Doku-Soaps geht es immer mehr um spannende Typen und weniger um total ausgeklügelte neue Formate. Eine neue Formatidee, welche im Sturm die Welt erobert, gabs schon länger nicht mehr.

Wie entwickelt sich das interaktive Fernsehen?

Laut Helmut Thoma, dem RTL-Gründer und 3+-Verwaltungsrat, gibt es interaktives Fernsehen schon lange. Der Zuschauer kann laut und leise machen, den Kanal wechseln und auch ganz abstellen. Ich glaube, Fernsehen wird noch lange für einen Grossteil der Zuschauer so bleiben, wie es ist. Bei vielen Sendungen, gerade auch bei Castingshows, spielt Facebook natürlich eine immer grössere Rolle.

Wann wird Fernsehen durch das Internet abgelöst?

Das Internet besteht heute schon bei den Bewegtbild- Inhalten zum grössten Teil aus TVContent. Laut einer US-Studie sind 76 Prozent aller gestreamten Inhalte professionell produzierte TV-Sendungen oder -Spielfilme. Die Internetuser wollen mehrheitlich qualitativ hochwertige Inhalte sehen. Ohne die Finanzierung über einen klassischen TV-Sender lassen sich solche in den meisten Fällen nicht finanzieren. Das Internet wird aber sicher immer mehr zu einem zusätzlichen Auswertungskanal für TV-Sender. Die klassische TVNutzung war in den USA noch nie so hoch wie im Jahr 2010. Zusätzlich werden die gleichen beliebten Inhalte auch im Internet noch rege konsumiert. "Jung, Wild & Sexy" war unsere erste Sendung, welche deutlich mehr übers Internet geguckt wurde als auf dem klassischen Weg. Ich glaube, das wird bei uns aber eher eine Ausnahme bleiben.

In den letzten Monaten wurde auch über das Projekt einer Alternativ-"Arena" diskutiert. Wäre dies etwas für Ihren Sender?

Grundsätzlich sind wir ein Unterhaltungssender, und daran soll sich auch nichts ändern. Gerade im Hinblick auf die kommenden Wahlen könnte es jedoch sinnvoll sein, eine Alternative zur "Arena" zu initiieren. Ich selber bin und bleibe aber unpolitisch.

Sie sind der erfolgreichste nationale Privat-TV-Betreiber der Schweiz. Trotzdem weiss man nur wenig über Sie. Ist dies Zufall?

Ich persönlich stehe nicht gerne in der Öffentlichkeit. An die Interviews musste ich mich erst gewöhnen. Homestorys oder Geschichten über mich als Person und nicht als Unternehmer habe ich stets abgelehnt. Die Aufmerksamkeit der Medien gehört unseren Sendungen und den Kandidaten in unseren Sendungen.

Wie oft schauen Sie selber fern?

Im Schnitt mehrere Stunden täglich. Einen Teil davon beruflich, einen Teil privat. Fernsehen ist eine tolle Sache.

Welche Sendungen bevorzugen Sie?

Ich schaue mir fast alle neuen US Serien an und sehr viele neue Doku-Soaps, welche in den USA und in Europa starten. Persönlich mag ich Serien wie "The Mentalist", "Mad Men", "The Borgias" und gut gemachte Wissenschaftsdokumentationen.

Hat sich das Schweizer Fernsehen unter der neuen Führung verbessert oder gar verschlechtert?

Das SF macht im Grossen und Ganzen ein sehr gutes Programm. Wenn es anders wäre, hätten wir es und auch unsere Vorgängersender viel einfacher gehabt. Bis man die Handschrift der neuen Führung im Programm richtig sieht, wird es noch ein bisschen gehen. Die Produktion von TV-Sendungen hat einen grossen zeitlichen Vorlauf.

Wie beurteilen Sie den Schweizer TV-Markt im Vergleich mit dem Ausland?

Die Schweiz ist sicher einer der anspruchsvollsten und schwierigsten TV-Märkte. Es gibt kaum ein Land mit so vielen einstrahlenden guten Sendern in einer Sprache, die man gut versteht. Und es gibt kaum ein Land, in welchem ein Grossteil dieser Sender auch noch über Werbefenster Geld verdient. Ich kannte die Situation vor dem Start, und mir macht es grossen Spass, in der Schweiz genau in dieser Situation Fernsehen zu machen.

Das ganze Interview mit Dominik Kaiser lesen Sie im aktuellen "persoenlich".

(Interview: Matthias Ackeret)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen