01.12.2025

Todesfall

Ex-Blick-Redaktor Georges Wüthrich gestorben

Der langjährige Bundeshauskorrespondent ist am 5. November 2025 im Alter von 76 Jahren gestorben. Das geht aus einer Todesanzeige hervor.
Todesfall: Ex-Blick-Redaktor Georges Wüthrich gestorben
Georges Wüthrich (1949 – 2025). (Bild: zVg/Weber Verlag)

Bereits als Bub sei er vom Journalismus fasziniert gewesen. Er beschrieb sich als «ungeheuer neugierig» und erinnerte sich, wie er jeden Autounfall anschaute oder Aufsätze über Schiffsunglücke schrieb. Diese Neugier blieb der Motor seiner gesamten Karriere: «Wenn man Journalist werden will, muss man neugierig sein, sonst funktioniert das nicht. Das darf auch etwas obsessiv sein», erklärte er 2017 in einem Interview mit dem Thurgauer Lokalsender Tele D.

Der 1949 in Arbon TG geborene Wüthrich war ursprünglich Primarlehrer und unterrichtete drei Jahre in Romanshorn. 1973 begann er als Journalist für die Ostschweizer AZ zu arbeiten. 1987 gehörte er zur Gründungsredaktion der SonntagsZeitung von TA-Media. In den 1990er-Jahren war Wüthrich stellvertretender Chefredaktor der Frauenzeitschrift Annabelle. 1997 wechselte er zum Blick als Bundeshausredaktor, wo er zwölf Jahre bis zu seiner Frühpensionierung 2009 tätig war.

Anständiger Boulevard für die Massen

Seine Motivation sei es, den Leuten, die diese Zeitung kaufen, Politik so einfach wie möglich zu vermitteln, «weil sie schon kompliziert genug ist», wie er in einem Radiointerview sagte. Dabei war ihm wichtig, stets anständig zu bleiben. Er setzte sich klare Grenzen: «Man kann schon zuspitzen im Journalismus, aber wenn es dann nicht mehr stimmt, ist es nicht gut.»

Wüthrich suchte stets die Nähe zu den Akteuren. Diese Nähe hatte aber auch ihre Schattenseiten. Im «Tagesgespräch» mit Radio DRS räumte er anlässlich seiner Frühpensionierung 2009 ein: «Aber es hat auch die Gefahr, dass man befangen wird. Man sagt auch Beziehungskorruption.»

Als Beispiel nannte er sein Verhältnis zum damaligen Bundesrat Hans-Rudolf Merz: «Er ist wie ein Freund geworden. Wir haben uns auch sehr gut verstanden. Dann ist es schwierig, wenn du ihn hart angehen musst.»

Er war zu nah und die Chefs zu deutsch

Diese Befangenheit war denn auch einer der Gründe, warum er bereits mit 61 Jahren seine Arbeit als Journalist im Bundeshaus an den Nagel hängte. Wüthrich fühlte sich zunehmend befangen wegen seiner Nähe zu den Akteuren. Hinzu kam die veränderte Situation in der Blick-Redaktion «mit deutschen Chefredaktoren, die von der Politik in der Schweiz nicht so viel verstanden haben».

Doch auch nach seiner Frühpensionierung blieb Wüthrich journalistisch aktiv. So schrieb er 2012 zusammen mit André Haefliger eine Biografie des früheren Bundesrats Adolf Ogi. (nil)


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