Der ehemalige Chefredaktor einer gegenüber China kritischen Hongkonger Tageszeitung ist am Mittwoch mit einem Hackmesser angegriffen worden. Nach Spitalangaben erlitt er schwere Verletzungen, war aber ausser Lebensgefahr.
Kevin Lau war im Januar seines Postens bei der liberalen Zeitung "Ming Pao" enthoben und durch einen prochinesischen Journalisten ersetzt worden. Das hatte zu Protesten innerhalb der Redaktion wegen befürchteter Einschränkungen bei der Pressefreiheit geführt. Nach Polizeiangaben hackten zwei Männer auf Lau ein und flüchteten dann auf einem Motorrad.
Zu "Ming Paos" Berichten unter Laus Chefredaktion gehörte zuletzt unter anderem ein Beitrag über den chinesischen Dissidenten Li Wangyang.
Journalistenvereinigungen im halbautonomen Hongkong riefen die Behörden auf, die Angreifer festzunehmen und zu bestrafen. Bereits im vergangenen Jahr hatte es mehrere Angriffe auf kritische Journalisten gegeben. Vor drei Tagen gab es in Hongkong eine Kundgebung für Pressefreiheit.
Die britische Kronkolonie Hongkong war 1997 nach dem Prinzip "Ein Land, zwei Systeme" an die Volksrepublik China übergeben worden. Dabei wurden Hongkong Freiheiten und Rechte garantiert, die es in Festlandchina nicht gibt. Doch Peking übt in Hongkong eine weitgehende politische Kontrolle aus.
Viele China gegenüber kritische Hongkonger bezweifeln, ob Peking sein Versprechen einhält, dass in Hongkong 2017 erstmals der Regierungschef direkt gewählt wird und 2020 dann auch das Parlament. Derzeit wird der Regierungschef von einem Gremium aus 1200 Mitgliedern gewählt, die mehrheitlich prochinesisch eingestellt sind. (sda)
Kommentar wird gesendet...
KOMMENTARE
Kommentarfunktion wurde geschlossen

