Sie sind in der Schweiz, weil sie mit dem Regime von Muammar al- Gaddafi auf Kriegsfuss stehen. Sie mussten Libyen unter Gefahren verlassen, sonst wären sie eingekerkert worden: Von Olten SO aus beliefert rund ein Dutzend Menschenrechtsaktivisten seit Tagen westliche Medien mit Informationen aus ihrer Heimat. Ein Laptop, Skype sowie Kontakte zu Familienmitgliedern und Freunden übers Telefon oder das Internet bilden die Infrastruktur der libyschen Oppositionsgruppe in der Schweiz, die seit kurzem aus dem Club-Lokal des Sozialkulturvereins in Olten eine Art Nachrichtenpool gemacht hat.
"Wir beliefern seit dem 17. Februar Nachrichtenagenturen und andere Medien mit dem, was wir aus unserer Heimat in Erfahrung bringen können", sagt Giumma al- Omami, ursprünglich aus der ostlibyschen Stadt Benghasi, am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. Dafür bekomme die Gruppe kein Geld, sie tue es aus Sorge um Libyen, sagt der 49- jährige Ingenieur, der seit zwölf Jahren in der Schweiz lebt. Am Montagabend zum Beispiel hatte sie Gelegenheit, ihr Engagement in der Sendung "10vor10" des Schweizer Fernsehens bekannt zu machen.
Die Exil-Libyer kennen sich seit Jahren und haben sich spontan dazu entschlossen, die Welt mit Informationen aus erster Hand aus ihrem in Aufruhr befindlichen Land zu füttern. Sie wissen, dass alles, was aus dem seit Jahrzehnten weitgehend abgeschotteten Land nach aussen dringt, mit Vorsicht zu behandeln ist. Zahlen von Toten oder Verletzten können sie nur schätzen, Gerüchte kaum verifizieren. Sie versuchten, Berichte auf Facebook oder aus Telefongesprächen miteinander zu vergleichen und dann Schlüsse daraus zu ziehen, sagt Al-Omami. Er hofft, Europa und die Welt damit für die Sache der Aufständischen gegen den verhassten Alleinherrscher Gaddafi zu gewinnen. (sda)

