Riccarda Mecklenburg, VR-Delegierte, m & m media holding AG
Keine Ahnung, wie Machtpolitikerinnen ticken, aber in der freien Wirtschaft sage ich: Ja, Managerinnen führen definitiv anders. Sie hören mehr zu, sammeln Statements und Informationen von allen Beteiligten, bevor sie entscheiden. Sie entscheiden grundsätzlich weniger autokratisch, dafür risikoscheuer und zögerlicher, im Gegenzug kämpfen sie aber auch länger für die Durchsetzung einer einmal gefällten Entscheidung und versuchen diese zum Erfolg zu führen. Der Wille zur Macht wird häufig dem Primat des Leistungsanspruchs untergeordnet. Das Gieren nach Geld und Prestige ist weniger ausgeprägt, dafür suchen sie Anerkennung ihrer Leistungen und schätzen Atmosphären mit weniger kompetitivem Gegockel. Habe ich gerade was über mich verraten...? Na vielleicht.
Regula Fecker, Partnerin Rod Kommunikation
Leider lässt sich diese Frage nicht so einfach und vor allem nicht repräsentativ beantworten: Schliesslich sind die Fälle führender Frauen hierzulande noch etwas gar spärlich. Meine Aussagen stützen sich demnach ausschliesslich auf mein persönliches Erleben. Frauen, die führen, gibt es in aller Couleur. Charakter und Persönlichkeit dominieren den Führungsstil mehr als das Geschlecht. Dennoch gibt es etwas, das ich als Gemeinsamkeit beobachte: Ich habe noch nie eine Frau in Führungsposition kennengelernt, die wenig arbeitet - den Luxus der Laxheit scheint frau sich nicht zu gönnen. Ganz im Gegenteil: Die meisten Frauen arbeiten sehr hart und scheinen regelmässig beweisen zu wollen, dass sie "diese Position verdienen". Es wird interessant zu sehen, ob und wie sich das in Zukunft mit der zunehmenden Selbstverständlichkeit und Durchdringung von weiblichem Management verändern wird.
Hildegard Schwaninger, Journalistin und Autorin
Ich weiss es nicht. Ich bin noch nie von einer Frau geführt worden. Ausser von meiner Mutter. Und die hatte alles im Griff: ihr Unternehmen, ihr Personal, ihre Familie, ihr gesellschaftspolitisches Engagement. Sie führte mit Liebe, Intelligenz und Entschlossenheit.
Marion Starck, Präsidentin Schweizerisches Public Relations Institut (SPRI)
Bei dieser Frage besteht das Risiko einer stereotypen Antwort mit gewohnten Klischees über die Unterschiede zwischen Männern und Frauen: "Frauen sind empathischer, intuitiver und interaktiver, Männer mehr auf rationale Handlungen und Resultate fixiert usw. " Die Realität ist aber, dass es gemäss verschiedenen Theorien mehr als zehn Führungsstile gibt, in welchen man Exponenten unter Frauen wie Männern findet. Aus diesen meistgenannten Stilen - ob autokratisch, bürokratisch, charismatisch oder laissez-faire übertrifft der transformationale Führungsstil laut Managementexperten sämtliche anderen. So können transformationale Führer strategische Visionen verwirklichen, Menschen und Partner motivieren und integrieren, sie sind gute Rollenmodelle, "enablers", sie kümmern sich um ihre Mitarbeiter und motivieren sie zu mutigen, kreativen Entscheidungen und Handlungen - ein Ensemble von Fähigkeiten, das angeblich bei Frauen öfter vorhanden ist als bei Männern. Nur bedeutet dies sicher nicht, dass Frauen besser führen als Männer aber anders. In der PR-Branche sind Frauen in der Mehrzahl, sie sind aber vorwiegend Männern unterstellt, wie es die kürzlich veröffentlichte Umfrage des Swiss Public Relations Observatory bestätigt. Es ist zu hoffen, dass die hohe Frauenquote im Bundesrat dazu führen wird, dass künftig auch zunehmend Verwaltungsräte und Geschäftsleitungen mit mehr als nur "token women" bestückt werden. Und dass die Zusammenarbeit zwischen Männern und Frauen mit starken, wenn auch unterschiedlichen Führungsfähigkeiten vermehrt als Idealzustand in Führungsgremien erkannt wird.
Silvia Affolter, Geschäftsführerin des Hotelfernsehens CityGuideTV
Ich habe bereits etliche Frauen in Führungspositionen, aber auch als direkte Vorgesetzte erlebt. Ich kann keinen geschlechterspezifischen Unterschied in Top-Positionen erkennen. Führen ist schliesslich keine Kraftsportart, muss aber auch gelernt sein. Ich wage sogar die Theorie, dass es Frauen in Führungspositionen eher um die Sache als um Machtfaktoren geht. Noch immer geistern aber komische Vorstellungen in Männer- und wahrscheinlich auch Frauenköpfen herum. Das Top-Management verlangt Härte, und das steht im Widerspruch zum Frauenbild in unserer Gesellschaft. Frauen seien weicher, Frauen hätten nicht die Härte dazu, und wenn ja, dann seien sie nicht mehr authentisch; und somit sei der Erfolgsfaktor in einer Führungsposition nicht gegeben. Das ist eine einfache Haltung, um uns immer noch auszuschliessen oder uns als Mannsweiber abzustempeln.
Caroline Thoma, Geschäftsführerin Blick-Gruppe
Die Frage ist ja nicht ganz neu und auch nicht stereotyp zu beantworten. "Betroffene", die von einer Frau geführt werden, sind sich diesbezüglich ja ebenfalls nicht einig. Aus eigener Erfahrung weiss ich aber, dass auch Männer nicht alle nach demselben Schema führen. Ist diese Frage somit relevant oder wichtig? Ich bin der Meinung: nein! Die Führungsweise hängt von der jeweiligen Persönlichkeit ab, dem Temperament, dem Charakter - und nicht vom Geschlecht. Zugegeben, vielleicht reagiert eine Frau in gewissen Situationen anders als ein Mann, vielleicht sieht die Frau gewisse Dinge anders als ein Mann. Schlussendlich zählt doch aber das Resultat, das Feedback generell, ob man sich geführt fühlt oder eben nicht. Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass Frauen nicht anders führen als Männer.
Anne Walser, Produzentin und Mitglied der Geschäftsleitung von C-FILMS AG
Grundsätzlich finde ich es falsch, die Arbeitsfähigkeit oder das Talent von Frauen und Männern zu vergleichen. Beide Geschlechter überraschen immer wieder mit positiven wie auch negativen Seiten, und je grösser die Verantwortung, desto grösser die individuellen Eigenheiten. Kurz: Wir sprechen hier von einer Charakter- und nicht von einer Geschlechterfrage. Aus persönlichen Erfahrungen kann ich nur sagen, dass Menschen Mann oder Frau - bisweilen mit geschickt eingesetztem Charme mehr zu erreichen vermögen als durch laut hinausgebrüllte Befehle. Genaues Zuhören ist wichtiger als unnötig zur Schau gestelltes Machtgebaren. Man will sich den Respekt der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter redlich verdienen und wird schliesslich davon nur profitieren. Als Frau in einer Männerdomäne freue ich mich über jede Frau, die Vorurteile Lügen straft. Das passiert glücklicherweise täglich. Ich freue mich aber auch über Männer, die sich darüber freuen, wenn ich als Frau ein Team durchmische.
Regula Ruetz, Kommunikationsberaterin BR/SPRV Präsidentin pr suisse, Schweizerischer PR-Verband
Ja, die meisten Frauen führen anders als Männer. Frauen bringen oft mehr Verständnis für persönliche Belange ihrer Ansprechpartner auf und sind eher bereit, darauf einzugehen. Der Dialog ist für sie ein wichtiges Instrument. Denn Frauen geht es weniger um die eigene Karriere und darum, sich zu profilieren (Ausnahmen gibt es immer), als vielmehr um die Sache und das übergeordnete Ziel. Der oft mangelnden Vernetzung durch Militär, Serviceclubs oder Vereine begegnen sie durch höheren Arbeitseinsatz und durch gute Dossierkenntnisse respektive sorgfältige Vorbereitung. Frauen sind oft direkter in ihren Aussagen und kommen schnell zur Sache, dafür sind sie manchmal politisch weniger korrekt. Sicherlich zählen diese Schwarz-Weiss-Pauschaleinschätzungen nicht für alle Frauen. Vermehrt stelle ich auch fest, dass bei jüngeren Generationen die unterschiedlichen Führungsmerkmale weniger ausgeprägt sind.
Barbara E. Ludwig, Leiterin der Dienststelle für Militär, Zivilschutz und Justizvollzug des Kantons Luzern
Führen ist primär eine Persönlichkeits- und Charakterfrage und keine Frage des Geschlechts. Das Einhalten ethischer Grundwerte und der Respekt den zu Führenden und der Aufgabe gegenüber hängt von der persönlichen Haltung der Führungsperson ab. Diese Haltung kann sich aufgrund von biografischen Erfahrungen verändern. Einen Unterschied konnte ich bis anhin allerdings ausmachen. Das Bewusstsein, dass Führen gleichbedeutend ist mit Dienen, fällt den Frauen in der Regel leichter. Andererseits legen Männer einen entspannteren Umgang mit Macht an den Tag. Ideal scheint mir eine geschickte Beherrschung beider Aspekte. Unabhängig vom Geschlecht.

