Stefan Niedermaier, seit März 2026 alleiniger Eigentümer der Gassmann-Gruppe, bezeichnete sich vor dem Publikum als Softwareunternehmer und seit drei Jahren auch als Medienunternehmer. Diese Kombination sei «kein Widerspruch, sondern eine zukunftsfähige Mischung».
Niedermaier betonte, Journalismus werde nicht verschwinden, da das Bedürfnis nach Information ebenso grundlegend sei wie Nahrung oder ein Dach über dem Kopf. Die Branche habe zahlreiche technologische Umbrüche überstanden – entscheidend sei stets der Inhalt gewesen.
Medienhäuser müssten sich von der Vorstellung lösen, besser als ihre Kundinnen und Kunden zu wissen, was diese brauchen, so Niedermaier. Es gelte, definierte Nischen zu besetzen und ein erkennbares Profil zu schaffen – ob regional, thematisch oder weltanschaulich. Der Werbemarkt folge den Kunden, nicht umgekehrt.
Künstliche Intelligenz gehöre als technische Unterstützung dazu, sagte Niedermaier. Gleichzeitig verwies er darauf, dass das Netz «geflutet von Schrott» sei und KI sich auch dort bediene. Umso wichtiger seien Journalistinnen und Journalisten, die verifizierten, einordneten und kommentierten.
TeleBielingue: Neues Programm ab Juli
Zum Stellenabbau bei TeleBielingue nach dem Verlust der Konzession sagte Niedermaier, das Schwierigste seien die betroffenen Menschen. Von rund 40 Angestellten sollen etwa 17 weiterbeschäftigt werden. Im Juli werde ein neues Programm auf Sendung gehen, das «anders, frecher und nicht mehr so stark reguliert» sein werde. Auf die zwei Tage zuvor öffentlich vorgetragenen Forderungen der TeleBielingue-Mitarbeitenden nach einem Sozialplan ging Niedermaier nicht ein.
Niedermaier verglich die aktuelle Lage der Branche mit einem Sturm. Man könne sich bei aufkommendem Wind verstecken – oder die Segel hochziehen und die Drachen steigen lassen. «Nur wer etwas wagt und etwas versucht, wird irgendwann aus diesem Sturm herauskommen. Wer resigniert, wird bloss hinken.» An die jüngere Generation gerichtet sagte er: «Traut euch, packt's an.»
Sein Engagement bezeichnete Niedermaier als Generationenprojekt. Seine beiden Kinder, 28 und 31 Jahre alt, hätten Medien studiert und seien «weit vor ihm» im Geschäft gewesen. Die Gassmann Gruppe sei nach wie vor das einzige zweisprachige Medienhaus der Schweiz – das solle so bleiben und weiter ausgebaut werden.
Die Gassmann-Gruppe mit Sitz in Biel und Bern blickt auf eine 176-jährige Geschichte zurück. Zur Gruppe gehören unter anderem TeleBärn, TeleBielingue, das Portal ajour.ch, die Zeitungstitel Bieler Tagblatt und Biel/Bienne sowie die Radiosender Canal 3 und Radio Bern1.

