29.04.2024

RTS

Gérard Depardieu im Knast und am Schirm

Nach weiteren Übergriffsvorwürfen sitzt der Schauspieler in Paris in Polizeigewahrsam und wird sich vor Gericht verantworten müssen. Gleichentags zeigt das Westschweizer Fernsehen RTS nach einer vorübergehenden Verbannung wieder einen Film mit Depardieu. Der Sender erklärt seine Haltung.

Zum Jahresende 2023 verkündete RTS, vorerst keine Spielfilme mehr mit Beteiligung von Gérard Depardieu zu zeigen (persoenlich.com berichtete). Grund für den Schritt waren Klagen von Frauen gegen den 75-jährigen Schauspieler wegen anstössiger Bemerkungen und sexueller Gewalt. Es handle sich um eine «pragmatische Entscheidung», hiess es von RTS, die je nach Entwicklung der Situation überprüft werde.

Senderchef Pascal Crittin präzisierte die Massnahmen gegen die Depardieu-Filme mit der Aussage: «Depardieu steht nicht auf dem Index, er ist nicht verbannt.» Wann wieder Werke mit dem vorübergehend verbannten Darsteller zu sehen sein würden, erklärte Crittin Anfang Jahr so: «Wenn sich die Emotionen einmal gelegt haben, wenn die Diskussionen weniger hitzig sind, dann werden wir Gérard Depardieu wieder zeigen, weil er das Recht auf seinen Platz hat».

Am Montagabend war es so weit. Ab 21.00 Uhr lief auf RTS 2 «La Chèvre» (dt. Der Hornochse und sein Zugpferd). In dem Spielfilm von 1981 spielt Depardieu einen Privatdetektiv auf verrückter Mission in Mexiko.

Nun wollte es der Zufall, dass gleichentags Depardieu wieder für Schlagzeilen in bekannter Sache sorgte. Er sitzt seit Montagmorgen wegen mutmasslicher sexueller Übergriffe in Paris in Polizeigewahrsam. Zwei Frauen werfen dem Schauspieler Übergriffe während Dreharbeiten 2021 vor. Nun muss er sich vor Gericht verantworten. Depardieu bestreitet die Vorwürfe.

Bei RTS blieb derweil «La Chèvre» im Programm. Der Sender erklärt seine Haltung auf Anfrage von persoenlich.com so: Für die Verbannung der Depardieu-Filme vom Bildschirm im Dezember hätte nicht ein Gerichtsverfahren gegen den Schauspieler den Ausschlag gegeben, sondern die öffentliche Aufregung nach seinen Äusserungen in einer Reportage von France 2. «Wir haben immer gesagt, dass wir die Situation neu bewerten, wenn die Polemik nachlässt, was in den letzten Monaten der Fall war», erklärt ein RTS-Sprecher. Wegen dieser Entwicklung habe sich RTS entschieden – wie übrigens auch TF1 und France 3 – wieder Filme zu programmieren, in denen der Schauspieler eine Hauptrolle spielt.

Der seit drei Wochen bekannte Sendetermin von «La Chèvre» habe keine Reaktionen hervorgerufen, heisst es von RTS. Auch sonst stelle man keine neue Aufregung rund um das Thema fest, die RTS dazu veranlassen würde, das Programm anzupassen. Und: «Wir respektieren die Unschuldsvermutung, die auch für Depardieu gilt».


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