23.04.2013

Roman Maria Koidl

"Glauben Sie, die Schweizer leben hinter den Bergen?"

Seit gut einem Monat hat die Schweizer Boulevardzeitung "Blick" einen neuen Kolumnisten: Roman Maria Koidl, Unternehmer, Sachbuchautor, Beziehungsexperte, Kunstsammler, Galerist, wohnhaft in Küsnacht. Um mehr zu erfahren - zum Beispiel auch, wie sich sein täglicher "Brief" von Helmut Maria Gloggers "Mails" im "Blick am Abend" unterscheidet -, haben wir mit ihm gemailt. Und herausgefunden: Der Österreicher, der eine deutsche Schokoladenfabrik besitzt und seit sechs Jahren im Kanton Zürich wohnt, glaubt zu wissen, wie die Schweizer ticken.
Roman Maria Koidl: "Glauben Sie, die Schweizer leben hinter den Bergen?"

Herr Koidl, tun wir Roger Schawinski den Gefallen - es fusst ja sowieso alles auf seinen Ideen: Wer sind Sie?

Roman Maria Koidl: Im Schweizer Medienzirkus ist immer alles Schawinskis Idee, wahrscheinlich sogar meine Antworten.

Kann man sagen, dass in Ihnen zwei Herzen schlagen, der Autor und der Unternehmer?

Es ist nie die Menge, sondern der rechte Fleck, der zählt.

Und dann war da noch die Sache mit Peer Steinbrück. Sie wurden als Online-Kampagnenleiter vorgestellt und haben sich dann gleich wieder zurückgezogen. Was war da genau los?

Wie zu erwarten, ist das eine längere Geschichte. Erzähle ich mal bei zwei Glas Pinot Grigio.

Seit gut einem Monat schreiben Sie täglich eine kurze Kolumne für den "Blick": "Brief von Roman Koidl". Wie sind Sie zu dem Job gekommen?

Man hat mich angeschrieben.

Daneben schreiben Sie Sachbücher und führen ein kleines Firmenimperium. Woher nehmen Sie die Zeit?

Die Betonung liegt auf "klein".

Sie pflegen einen ziemlich eigenen Schreibstil. Der Inhalt erschliesst sich einem nicht immer sofort, die Wortwahl wirkt oft etwas hochgestochen. Denken Sie nicht zu sehr um die Ecke für das Boulevard-Publikum?

Vielleicht unterschätzen Sie einfach den "Blick"-Leser. Eine Hybris die ich eben gerade nicht teile.

Dann wieder operieren Sie unter der Gürtellinie: Aus van der Vaart wird "von der Furz" und Sprüngli-CEO Ernst Tanner mag’s "braun und crèmig". Wo ist Ihre Linie?

Dort, wo die Grenze ist. Satirisch, aber nicht verletzend. Pointiert, doch nicht herablassend oder belehrend. Ich würde übrigens auch keine Zitate irreführend aus dem Kontext reissen.

Überhaupt: Wie fühlt sich das tägliche Schreiben an und was haben Sie bislang für Reaktionen erhalten?

Ich warte immer noch darauf, dass Schawinski anruft.

Gab es eigentlich Vorgaben von Seiten Ringier?

Buchstaben, nacheinander angeordnet, Reihenfolge beliebig.

Glogger mailt, Sie schreiben Briefe: Kommt man sich da nie in die Quere?

Wer?

Mit welcher Ihrer Kolumnen haben Sie ins Herz der Leserschaft getroffen?

Meine Leserschaft konsumiert "Doppelherz", das erhöht die Trefferquote.

Am Montag ging es um den Vornamenwechsel des Schweizer TV-Moderators Dieter Moor, der seit Jahren nur noch bei der ARD aktiv ist (Sie empfahlen ihm den Vornamen Roger - Roger Moor). Denken Sie, das war für alle Leser nachvollziehbar?

Die entsprechende Nachricht über den neuen Namen des Schweizers Dieter Moor war in allen Schweizer Medien zu lesen, bei grossen Blättern teilweise sogar auf dem Titelblatt. Glauben Sie, die Schweizer leben hinter den Bergen?

Mit Michael Ringier verbindet Sie die Vorliebe für Kunst. Kunst als Geldanlage oder als Horizonterweiterung, als Fenster zur Welt?

Das ist ungefähr so, als würde der Besitzer eines Fiat500 sagen: "Mit Sebastian Vettel verbindet mich die Freude am Fahren."

Wenn der Karren nicht läuft, fällt bei Ringier schnell das Fallbeil: Wie lange dauert Ihre Probezeit?

Wer nicht mehr zum "Ami du Peuple" taugt, den trifft im publizistischen Sinne der Tod Marats. Das ist bei Ringier genauso, wie in weniger historisch verankerten Medienhäusern.

Sie leben bereits seit sechs Jahren in Zürich. Können Sie Ihr Schweiz-Bild kurz umreissen? Haben Sie sich den Aussenblick bewahren können?

Der Blick in Küsnacht ist so, dass man bleiben mag.


Interview per Mail: Adrian Schräder



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