Der Verein investigativ.ch möchte den Spiess umdrehen und für einmal nicht besonders talentierte Kommunikatoren mit Preisen auszeichnen, sondern Informationsverhinderer: "Wer war für Journalistinnen und Journalisten in der Schweiz in den letzten 12 Monaten die unkooperativste Behörde, der widerspenstigste Pressesprecher, der Informationsverhinderer schlechthin?", heisst es in einem Aufruf auf investigativ.ch.
Das Recherche-Netzwerk sucht zum ersten Mal den grössten Informations-Blocker der Schweiz. "Inspiration war für uns die 'verschlossene Auster' der deutschen Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche. Mehrere Vorstandsmitglieder waren bei der letztjährigen Preisverleihung dabei. Uns hat gefallen, wie der Preis humorvoll eine Debatte darüber anstösst, wie Behörden und Firmen Berichterstattung verhindern. Wir alle haben uns schon über Informations-Blocker geärgert. Dieser Ärger bleibt aber meist im Verborgenen. Aktuell scheinen es einige Pressestellen geradezu als ihre Aufgabe zu sehen, Information zu verhindern. Das wollen wir aktiv thematisieren und für das Thema Informationsverweigerung sensibilisieren", erklärt Stefanie Hablützel, Co-Präsidentin des Vereins investigativ.ch, auf Anfrage von persoenlich.com.
Das Seco oder der Fall Carlos?
Der Verein nennt auf seiner Webseite bereits einige potenzielle Kandidaten: Das Seco, das den "Tages-Anzeiger" bei seinen Recherchen zu den mutmasslichen Korruptionsfällen abzuspeisen versuchte? Oder das Bundesamt für Landwirtschaft, das vom "Beobachter" für ein Einsichtsgesuch die absurde Gebühr von 275'000 Franken verlangte und einer unbequemen Journalistin mitteilte, es werde künftig nur noch via Rechtsdienst mit ihr verkehren?
"Gute Chancen haben alle Behörden, Unternehmen oder Pressesprecher, die Journalisten Steine in den Weg legen. Und Informationen absichtlich zurückhalten", fasst Hablützel zusammen. Sie freut sich, dass bereits Vorschläge eingegangen sind: "Das Seco scheint mit seiner Informationspolitik über die mutmasslichen Korruptionsfälle ein Favorit für den ersten 'Goldenen Bremsklotz' zu sein. Aber auch die Informationspolitik der Zürcher Justizdirektion im 'Fall Carlos' hat Berufskollegen massiv verärgert."
Abstimmung startet Anfang April
Nach einer Vorauswahl erhalten die Mitglieder von investigativ.ch die Möglichkeit, den ersten "Goldenen Bremsklotz" durch eine Online-Umfrage zu küren, die Anfang April publiziert wird.
Im Rahmen der Generalversammlung des Vereins am 16. Mai wird der Preisträger bekanntgegeben und mit einer Laudatio gewürdigt. "Wir werden eine offizielle Trophäe präsentieren. Selbstverständlich laden wir den Gewinner ein und freuen uns über eine Stellungnahme. Wir überbringen den Preis aber auch gerne persönlich", führt Hablützel aus.
Jedes Jahr neu
Zukünftig will das Recherche-Netzwerk mit dem "Goldenen Bremsklotz" jährlich den grössten Informationsverhinderer der Schweiz küren.
Bis zum 16. März können Vorschläge mit einer kurzen Begründung an die Adresse kontakt@investigativ.ch geschickt werden. Weitere Infos zum "Goldenen Bremsklotz" gibt es auf investigativ.ch. (set)

