28.07.2025

Presseschau

Grosse Einigkeit nach dem Fussballfest

Die Frauen-EM der Frauen hat nicht nur sportlich begeistert, sondern auch gesellschaftlich neue Massstäbe gesetzt. Schweizer Medien feiern das Turnier als Meilenstein für den Frauenfussball und als Beispiel für fairen, friedlichen Sport.
Presseschau: Grosse Einigkeit nach dem Fussballfest
Einer von vielen Höhepunkten der Fussball-EM der Frauen in der Schweiz: Riola Xhemaili trifft zum 1:1 gegen Finnland und schiesst die Schweiz in den Viertelfinal. (Bild: Keystone/Alessandra Tarantino)

Die Uefa Women's Euro 2025 in der Schweiz wird von den heimischen Medien als durchschlagender Erfolg gewertet, der weit über den Sport hinausstrahlte. Mit rund 656’000 verkauften Tickets und ausverkauften Stadien in 29 von 31 Spielen bewies das Turnier eindrücklich das grosse Interesse am Frauenfussball. Besonders heben die Kommentare die friedliche, familienfreundliche Atmosphäre hervor ohne Gewalt oder Pyrotechnik. Das stelle ein erfrischender Kontrast zum oft problembehafteten Männerfussball. Die Vielfalt der Schweizer Nationalmannschaft mit Spielerinnen unterschiedlicher Herkunft und sexueller Orientierung wird als wichtiges Signal für die Repräsentation der modernen Gesellschaft gewürdigt. Nun gelte e zu beweisen, ob dieser Erfolg nachhaltig ist und der Frauenfussball auch über das Turnier hinaus die gewonnene Aufmerksamkeit behalten kann, so die etwas skeptischeren Stimmen.

Marcel Rohr, Basler Zeitung:
«Nach dem 2:0-Sieg im Viertelfinal gegen die Schweiz zelebrierten die Weltmeisterinnen aus Spanien besonderes Fair Play: Vor dem Spielertunnel standen sie den Schweizer Spielerinnen Spalier. (…) Die Bilder aus dem Berner Wankdorfstadion gingen um die Welt. Und Hunderttausende Zuschauer daheim am Bildschirm stellten irritiert fest: So ehrenhaft und untadelig kann also Fussball sein. Wir hatten es glatt vergessen.»

Marcel Rohner, Redaktion Tamedia:
«Mädchen entdeckten in diesen Wochen nicht einfach nur weibliche Vorbilder, sie entdeckten weibliche Vorbilder, die so aussehen oder heissen wie sie: Xhemaili, Sow, Crnogorcevic. Sie lernten auch Spielerinnen kennen, die nicht einer heterosexuellen Norm entsprechen. Ein Team, das ein Land abbildet. Vor allem aber einen Teil der Bevölkerung, der oft aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt wurde.»

Peter Morf, Nebelspalter:
«Die Schweiz hat mit diesem Turnier bewiesen, dass sie in der Lage ist, Grossanlässe auf sehr sympathische und zugleich effiziente Art und Weise durchzuführen, ohne auch nur im Ansatz in Gigantismus zu verfallen.»

Peter B. Birrer, NZZ:
«Keine Gewalt, keine gefährlichen Entladungen, kein oder nur wenig Gegröle, keine Pyrotechnik. Weniger Alkohol im Spiel. Weniger negative Begleiterscheinungen. Fast keine. Das einzige Problem: Wie bringt man das Kind, das sich auf Trophäenjagd begibt, spätabends aus dem Stadion?»

Melinda Hochegger, CH Media:
«Unweigerlich stellt sich also die Frage: War das wirklich der Beginn einer neuen Ära im Schweizer Fussball? Oder doch nur eine einmalige Sache? Ob die EM nachhaltig ein Erfolg ist, der Frauenfussball nun anders wahrgenommen wird, wird sich erst in den kommenden Monaten und Jahren zeigen. Dann, wenn sichtbar wird, ob die Aufmerksamkeit erhalten bleibt und die Fussballspiele der Frauen auch dann besucht werden, wenn sie nicht mehr im Rahmen eines internationalen Events stattfinden.»

Pascal Roganti, SRF Sport:
«Denn es ist nicht einfach ein Gefühl, es sind Zahlen, die das Spektakel und die Euphorie untermalen: 106 Tore – Höchstwert. Bezeugt von über 657'000 Fans in den Stadien – gab es an einer Frauen-EM noch nie. Turnier-Direktorin Doris Keller war mitunter belächelt worden, als sie es wagte, von einer ‹ausverkauften EM› zu träumen. Am Ende sind die Arenen in 29 von 31 Partien voll (nur Genf weist zweimal einige freie Plätze auf). 25'000 Fans absolvieren vor dem Schweizer Viertelfinal den Fanmarsch, auch das Bestwert.»

Joëlle Venetz, Walliser Bote:
«Die Zeiten mit 3000 Zuschauenden bei einem Spiel der Schweizer Nati sind hoffentlich vorbei. Der Frauenfussball in der Schweiz zeigte uns, dass er mehr wert ist. Die Nati berührte, kämpfte und versicherte, dass in der Zukunft noch einiges möglich ist. Junge Talente wie Beney oder die Barcelona-Legionärin Sydney Schertenleib garantieren eine spannende Zukunft. Es ist an der Gesellschaft, ihnen diese Möglichkeit zu geben.» (nil)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Ueli Custer
29.07.2025 12:23 Uhr
Bei aller Euphorie, die ich durchaus teile: Soviel ich weiss, sind die Auswüchse an einer EM oder WM der Männer ebenfalls eher gering. Die nationale Meisterschaft ist das Problem.
Kommentarfunktion wurde geschlossen