Frau Akra-Laurien, Sie haben mit "Noveaux" eine Zeitschrift für "vegan fashion & green lifestyle" ins Leben gerufen. Weil Sie ein Marktlücke gesehen haben oder aus Überzeugung?
Beides, aber in erster Linie aus Überzeugung. Ich möchte gern in der Modewelt etwas ändern. Denn Tiere sind nicht zum Anziehen da.
Wie würden Sie das Heft mit eigenen Worten umschreiben?
"Noveaux" ist innovativ, bunt, schön, witzig und natürlich komplett vegan.
Auf dem angelsächsischen Markt gibt es einige Vorreiter. Welche dienten "Noveaux" als Vorbild?
Ich kenne nur das "Laika"-Magazin, welches vielleicht vergleichbar wäre. Aber ein Vorbild gibt es nicht – "Noveaux" war so, wie es jetzt ist, in meinem Kopf.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte mit "Noveaux" ein Umdenken erwirken, sowohl bei Herstellern als auch bei den Kunden.
Sind Sie mit dem Heft auch auf einer Art "Missionierungsmission"?
Das ist natürlich ein wünschenswerter Effekt. Aber da soll nicht frontal passieren, sondern durch das unaufdringliche Unterbreiten von veganen Alternativen zum Mainstream.
Die Zeitschrift widmet sich dem grünen Lebensstil. Hat sie sich auch auf die Fahne geschrieben, das Greenwashing und den Etikettenschwindel vieler Unternehmen auf diesem Gebiet aufzudecken?
Aufzudecken nicht unbedingt, aber auf keinen Fall zu unterstützen.
Gibt es eigentlich grosse Unternehmungen, von denen Sie sagen: Ja, denen ist es ernst mit der Nachhaltigkeit und den grünen Bemühungen und die ziehen das auch konsequent durch?
Das behaupten ja zumindest sehr viele. Ich würde sagen, es gibt mehr, die darüber viel reden, aber es nicht konsequent durchziehen.
Wer schreibt für "Noveaux"? Klopfen Sie da vorher die Gesinnung ab?
Ein Grossteil der Redaktion lebt vegan, und das ist auch wünschenswert. Es ist allerdings keine Bedingung. Ich möchte niemanden ausschliessen (ausser Pelzträger), und hoffe die Menschen so an das Thema besser heranführen zu können.
Wie kommen Sie an die internationalen Stories – in der ersten Ausgabe etwa von einer Designerin, die in Bali Häuser aus Bambus baut?
Die Themenvorschläge kommen von mir oder den Redakteuren, wie in diesem Fall. Und dann macht man seine journalistische Arbeit: Anfragen und darüber schreiben.
Sollen auch Schweizer Themen ins Heft?
Wenn es da etwas Interessantes gibt, warum nicht!
Wie finanziert sich das Heft?
So wie sich jedes Print-Magazin finanziert: über Anzeigen und Heftverkäufe.
Wie ist das Heft auf dem Werbemarkt aufgenommen worden?
Das Feedback ist durchweg sehr positiv, es wird erkannt, dass "Noveaux" das perfekte Umfeld bietet für Firmen, die ähnliche Einstellungen hegen wie wir. Allerdings handelt es sich dabei um viele kleinere Firmen, die natürlich kein riesiges Mediabudget haben. Aber ohne Anzeigen kein "Noveaux".
Wer wirbt in "Noveaux"? Darf jeder werben?
Nein. Und das macht die Sache natürlich nicht einfacher. Ausgeschlossen sind in jedem Firmen, die Tierversuche durchführen oder in Auftrag geben, die Pelz verarbeiten und Firmen, die wegen Umweltausbeutung, Kinderarbeit oder sonstigen schlechten Bedingungen kritisiert werden.
Evelyn, 21, Studentin, sagt im Heft: "Veganer sind unheimlich anstrengend, weil jeder immer versucht, den anderen zu übertrumpfen." Stimmt das?
Solche Veganer gibt es natürlich, intern "Vegan-Polizei" genannt. Es wird immer noch veganere Veganer geben, die sich anderen überlegen fühlen (wollen). Aber die erreichen so niemanden.
Wie haben Sie sichergestellt, dass Druck und Distribution der Zeitschrift "grün" ablaufen?
Ich muss mich natürlich immer auf die Angaben der Dienstleister verlassen. Ich habe mir aber zum Beispiel gerade für den Druck jemanden gesucht, der ähnliche Wert in seiner Unternehmensphilosophie vertritt wie ich.
Was erwartet die Leser in der nächsten Ausgabe?
Es gibt wieder zwei tolle Shootings, Porträts, Produkttests, spannende Reiseberichte, Artikel zum Thema Verschwendung, ein No-Waste-Menü, und ganz neu: Seiten für Männer. Die Nachfrage diesbezüglich war enorm.
Ein Konzept habe ich noch immer nicht verstanden: Wenn man vegetarisch oder vegan lebt, entscheidet man sich ja ganz bewusst für ein anderes, fleischloses Leben. Wieso muss man dann unbedingt Dinge kreieren und essen, die versuchen Fleisch zu imitieren – und daran scheitern?
Nun, vielen Veganer haben Fleisch und Wurstprodukte geschmeckt, und sie haben sich aus rein ethischen Gründen dagegen entschieden. Warum also nicht diese Produkte in einer tierleidfreien Variante kreieren und konsumieren? Damit fällt tatsächlich vielen Leuten der Umstieg leichter, weil sich damit nicht das Gefühl haben, auf etwas verzichten zu müssen. Manche Produkte sind dann eben besser oder schlechter, "scheitern" würde ich das aber nicht nennen.
Nervt es Sie eigentlich, wenn Sie gefragt werden, warum Sie kein Fleisch essen?
Nein, werde ich auch gar nicht. Ist ja auch irgendwie logisch. Was mich nervt ist, dass jeder denkt er muss sich vor mir rechtfertigen, und das dabei dann das klassische Bullshitbingo rauskommt. Phrasen, die sich immer wiederholen und die kein Mensch glaubt: "Wir essen ja nur noch ganz wenig Fleisch, und wenn, dann nur Bio..." - Ja, klar. Deswegen kommen ja 98 Prozent der Fleischprodukte aus Massentierhaltung.
Und zuletzt: Ihr aktuelles veganes Fashion Highlight?
Das Hamburger Label Jan N June: Frisches, modernes Design, nachhaltig, vegan und sogar bezahlbar.
Interview: Adrian Schräder//Bilder: zVg, Noveaux - Porträt J. Akra-Laurien: Jules Villbrandt

