105 Basel, 105 Bern und 105 Zürich - wie sieht das Konzept der drei geplanten Satelliten aus?
Geplant ist je eine eigene Redaktion mit je 15 Arbeitsplätzen. Diese werden wiederum unabhängig voneinander ein eigenes Programm auf die Beine stellen, das zwar lokal verankert, aber nach genau dem gleichen Konzept wie das bisherige 105 funktionieren soll. Lokale Nachrichten und Beiträge, lokale Veranstaltungskalender, lokale Konzertberichte sowie lokale Moderationen werden im Mittelpunkt stehen. Weitere Themen sind wie bei 105 Filmtipps, Workshops, Spiele oder auch Hörertalks. Unser Vorteil ist es, dass wir ein Popsender sind, der vor allem auf Musik und Unterhaltung setzt. So gesehen unterscheidet sich unsere Definition von zu erbringenden redaktionellen Leistungen von der der herkömmlichen Lokalradios. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, über jeden Unfall in unserem Sendegebiet zu berichten. Mit der Folge, dass wir auch keine so grosse Redaktion wie zum Beispiel Radio 24 benötigen. Wir bringen zielpublikumsrelevante News, und da ist die Länge der Nachrichtenblöcke nun einmal weniger entscheidend.
In wie weit würden Synergien mit dem Mutterhaus ausgeschöpft?
Geplant ist, das ganze Marketing sowie den Werbeverkauf zentral über die Radio 105 Network AG laufen zu lassen. Des weiteren werden wir für einen Teil der Musiksendungen auf das nationale 105 zurückgreifen. Was sinnvoll ist, denn schliesslich tönt Madonna in Zürich gleich wie in Bern (lacht).
Wie wollen Sie das Ganze finanzieren?
Die drei Lokalradios werden genauso finanziert, wie sich sonst die meisten Lokalradios finanzieren: über Werbung und Sponsoring. In einer Startphase wird die Finanzierung durch die Aktionäre der Radio 105 Network AG gesichert.
Haben Sie mit der Einreichung der drei lokalen Konzessionsgesuche gleichzeitig auch Ihren Traum von einer Frequenz für das schweizweite 105 begraben?
Nein, daran halte ich weiterhin fest. Realistisch gesehen sind aber die Zeichen, die das Bakom im Hinblick auf eine nationale Abdeckung respektive das neue RTVG zur Zeit gibt, nicht sehr ermutigend. Daher sehe ich zwei Möglichkeiten für Radio 105: Entweder wir begnügen uns mit der nationalen Kabelverbreitung. Oder aber ich versuche mich mit dem bestehenden Gesetz anzufreunden und ersuche um die Lokalkonzessionen.
So gesehen wollen Sie dem Bakom also ein Schnippchen schlagen...
(Lacht) Nun, es ist ja nicht so, dass wir das Lokalradio neu erfinden würden. Was wir aber neu erfinden zumindest in der Schweiz ist ein Lokalradio für Junge. Und wenn wir für das schweizweite 105 keine UKW-Frequenz erhalten, obwohl es ja noch einige freie gäbe, wie wir letzte Woche bewiesen haben, dann versuchen wir halt das Gleiche im Lokalbereich.
Radio 105 an sich wird aber weiterhin als schweizweiter Sender on air gehen?
Das Kabelradio bleibt auf jeden Fall bestehen, so wie es ist. Ich könnte mir langfristig aber auch ein Modell eines sprachregionalen Senders vorstellen, der mit lokalen Fenstern operiert. Im Ausland ist das schon lange gang und gäbe in der Schweiz hat sich das bis jetzt noch keiner getraut. Ausser vielleicht Radio Top, das versucht, kleine Präzendenzfälle zu schaffen.
105 versteht sich zwar nicht als Pendent zu den klassischen Lokalradios. Dennoch würden Sie, falls die Konzessionen bewilligt werden, die Konkurrenzsituation vor Ort jeweils stark anheizen.
Nein, das glaube ich überhaupt nicht. Das Zielpublikum der herkömmlichen Lokalradiosender bewegt sich zwischen 25 und 45 Jahren Radio 105 hingegen spricht die 15- bis 25-Jährigen an. So gesehen gibt es kaum Überschneidungen. Natürlich wollen auch wir einen Anteil am Werbekuchen. Aber wenn ich sehe, dass sich allein die Zürcher Sender ein Werbevolumen von 30 Millionen Franken teilen, dann wird auch nach unserem Markteintritt wohl kaum einer verhungern.
Wie realistisch sehen Sie Ihre Chance, dass das Bakom die Konzessionen bewilligen wird?
Es geht mir jetzt erst einmal darum, den Behörden weniger Möglichkeiten für weitere Ausreden zu geben. Mit den Konzessionsanträgen reihen wir uns rechtlich dort ein, wo bereits andere stehen. Bis vor zwei Wochen hatte das Bakom jeweils mit fehlenden Frequenzen argumentiert zur Zeit heisst das Hauptargument Elektrosmog (lacht). Von der rechtlichen Lage her rechne ich mir gute Chancen aus, wenn auch das Bakom versuchen wird, das Ganze so lange wie möglich herauszuzögern. Vor allem, nachdem Moritz Leuenberger kommuniziert hat, vor 2004 keine weiteren Frequenzen freizugeben. Von mir aus werde ich auch bis 2004 warten. Was ich aber jetzt will, ist eine offizielle Stellungnahme zu meinen Anträgen. Wenn wir wirklich in einer Demokratie leben, stehen die Chancen für eine Bewilligung der Konzessionen sehr gut. Die junge Bevölkerung wünscht sich 105 auf UKW.
Sie haben ja auch schon mit Petitionen versucht, eine Frequenz zu erzwingen...
Ich glaube, dass man Radio 105 als Jugendsender gesondert betrachten muss. Ich sehe es als gesellschaftliches Problem, dass es in der Schweiz kein Radio für die Jungen gibt. Und so gesehen sollte es doch möglich sein, dass das Bakom für einmal die Paragraphen links liegen lässt und zum Beispiel einen Testlauf mit uns starten würde. Man könnte uns eine Sonderkonzession für die drei Lokalsender geben, die zum Beispiel bis zur definitiven Einführung des neuen RTVGs laufen würde. "Wie wirkt sich 105 auf die bestehenden Lokalradios aus?" das wäre doch eine interessante Studie, die von mir aus auch von einer Universität begleitet werden könnte. Wobei ich mir wie gesagt sicher bin, dass wir eher eine Bereicherung als eine Konkurrenz in der Lokalradiolandschaft wären.
Wie schnell könnten Sie mit 105 Basel, Bern und Zürich on air gehen, wenn das Bakom grünes Licht gäbe?
Innerhalb von sechs Monaten.

