26.10.2007

Digitales TV

Immer noch erhebliche Schwächen

Experten debattieren an den Bieler Kommunikationstagen.

Kurz vor der Einführung des Fernsehens der nächsten Generation (HDTV) kämpft das herkömmliche digitale TV nach Ansicht von Experten immer noch mit erheblichen Problemen. Für Ärger sorgen etwa die Stabilität der Empfangsgeräte oder die Hotlines.

"Alle Digital-TV-Angebote haben noch Schwächen", sagte der Chef des Internetvergleichsdienstes Comparis, Richard Eisler, am Donnerstag an den 6. Bieler Kommunikationstagen vor Vertretern der Telekom- und Medienbranche. Eines der ganz grossen Ärgernisse bei Bluewin TV und Cablecom seien die Empfangsgeräte, die sogenannten Settop-Boxen. Beim Aufspielen einer neuen Softwareversion durch die Cablecom könne es durchaus passieren, dass die Sender nicht mehr an ihrem gewohnten Platz seien und alle Programmierungen gelöscht seien.

Digitales TV kämpft noch mit Kinderkrankheiten

Bei Swisscoms Bluewin TV sei die Bildqualität nicht immer über jeden Zweifel erhaben, sagte Eisler: "Es nehmen nicht alle so locker wie ich, wenn ein Fussballspiel aus Streifen besteht." Bei Cablecom sorge insbesondere der elektronische Programmführer auf der Box (EPG) immer wieder für Ärger. Die Daten seien häufig nicht aktuell. Zudem sei die Aufnahme von Serien nicht zuverlässig.

Beiden gemeinsam sei, dass man die aufgenommenen Sendungen nicht direkt auf einer DVD archivieren könne, sagte der Verantwortliche der Internetseite allo.ch, Didier Divorne weiter. Zudem seien die verwendeten Settop-Boxen "wirklich schlecht", sagte Eisler. Die Schwächen erstaunten, weil im Falle von Cablecom die im Kabelnetz verwendete Technologie bereits seit über 10 Jahren im Einsatz sei, sagte Eisler. Cablecom hatte Mitte Jahr 181'000 Kunden fürs digitale TV. Man erhalte pro Monat rund 10'000 Neubestellungen, sagte Cablecom-Chef Ruedi Fischer.

HDTV-Einführung als Chance

Der grössten Fernsehanbieterin der Schweiz ist seit einem Jahr Konkurrenz durch Swisscoms Bluewin TV erwachsen, das bis Ende Juni rund 50'000 Kunden gewonnen hat. Swisscom-Privatkundenverantwortlicher Christian Petit gestand Kinderkrankheiten bei Bluewin TV ein. Man habe es anfänglich auch an Kunden geliefert, die wegen ihrer Entfernung von der Telefonzentrale zuwenig Leitungskapazität haben und deshalb Qualitätsprobleme bekamen. Dies habe die Swisscom mittlerweile geändert, sagte Petit.

Vor der Türe steht nun Einführung der HDTV-Technologie. Cablecom will im November HDTV lancieren, noch vor dem Start des hochaufgelösten SRG-Kanals "HD Suisse", der im Dezember auf Sendung gehe, sagte Fischer der Nachrichtenagentur SDA. Bluewin TV seinerseits will ebenfalls noch in diesem Jahr HDTV auf den Markt bringen. (sda)


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