14.07.2019

SRG

In Bilanz um 26 Millionen Franken verrechnet

Ab 2011 wurden die Zahlungsausfälle von Personen, die keine Gebühren bezahlen, nicht mehr einkalkuliert. Ende 2018 sei bei der Billag noch ein Betrag von 39 Millionen offen gewesen. Diesen Betrag werde sie kaum noch eintreiben.

Die Bilanzen der Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) waren über Jahre hinweg falsch, wie Recherchen der «SonntagsZeitung» zeigen. Ab 2011 habe der Konzern nicht mehr einkalkuliert, dass nicht alle Personen ihre Radio- und TV-Gebühren bezahlen. Diese möglichen Zahlungsausfälle müssten aber in der Bilanz einkalkuliert sein, schreibt die SoZ weiter.

Der Fehler habe zur Folge, dass fortan «das Jahresergebnis und die Gewinnreserven zu gut dargestellt worden sind». Dies gesteht die SRG im aktuellen Jahresbericht ein. Nun habe der Konzern nachträglich und im Stillen die Bilanz von 2017 angepasst. Das Eigenkapital sei kurzerhand um 26 Millionen Franken gekürzt worden. «Es handelt sich um einen buchhalterischen Fehler auf unserer Seite», gibt SRG-Sprecher Edi Estermann gegenüber der «SonntagsZeitung» an.

Dass tatsächlich nicht alle Gebührengelder eingeholt werden könnten, habe sich 2018 so stark gezeigt wie nie. Die Billag habe rund 4,5 Millionen Rechnungen ausgestellt, wie bisher unveröffentlichte Zahlen zeigen würden. Gleichzeitig habe sie fast 1,5 Millionen Mahnungen verschicken und 63'000 Betreibungen müssen. Ende 2018 seien noch Forderungen von 39 Millionen Franken offen gewesen. Diese werde die Billag kaum noch eintreiben.

Laut «SonntagsZeitung» sei das Management nicht mehr im Amt, von einst 210 Angestellten würden nur noch 20 arbeiten. Nach dem Auftrag des Bundes drohe der Inkasso-Firma das Aus. «Die gegenwärtige Planung geht davon aus, die Billag ordentlich zu liquidieren», sagt ein Sprecher vom Mutterkonzern Swisscom gegenüber der SoZ.

Werbeeinnahmen sinken seit fünf Jahren

Auch bei den Werbeeinnahmen rechnete die SRG zu optimistisch, wie die «SonntagsZeitung» weiterschreibt. Laut SRG-Direktor Gilles Marchand könne das potenzielle Minus 20 Millionen Franken betragen. Die Einnahmen durch Werbung seien in den letzten fünf Jahren bereits zurückgegangen.

Laut der SoZ hätte die SRG anhand ihrer Erfahrung eine realistischere Planung budgetieren müssen. Ein SRG-Sprecher sagt gegenüber der Zeitung: «Die SRG hatte zusammen mit ihrem Vermarkter eine Stabilisierung der Situation angestrebt.» Dies habe sich jedoch als schwieriger dargestellt als die SRG eingeschätzt hatte.

«Falls sich die Situation auf dem Werbemarkt weiter zuspitzt, müssen wir nochmals über den Leistungsauftrag diskutieren. Oder über die Finanzierung», sagte Gilles Marchand Ende Mai. Wie die «SonntagsZeitung» schreibt, sei eine politische Diskussion zur Erhöhung der Serafe-Rechnung zu erwarten. (pd/log)



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