Was geht im Chef des Axel-Springer-Konzerns so vor? Was beschäftigt ihn? Und ist er, auf dessen Geheiss das gigantische Gemischtwarenladens im vergangenen Sommer ein Paket von Print-Titeln im Wert von 920 Millionen Euro abstiess, ein Verleger oder ein Manager? "Spiegel“-Autor Matthias Geyer hat den 51-Jährigen über einen längeren Zeitraum begleitet und hält seine Beobachtungen in der aktuellen Ausgabe des deutschen Nachrichten-Magazins unter dem Titel "Der Kassierer" ausführlich fest. So begleitete er den Springer-Boss unter anderem nach Barcelona, wo er sich, zurückgeworfen auf die nackten Zahlen, möglichen Investoren erklären musste.
Oder er beschreibt, wie Döpfner im Business Jet am Leitbild der Axel Springer AG bastelt, seinem Unternehmen die Sinn- und Wesensfrage stellt und betont, dass Schreiben ein "erotisches Erlebnis" sei. Kurz vor der Landung entweicht ihm dann der Satz: "Sinn und Seele des Unternehmens ist der Journalismus."
Der Text begleitet auch eine Besichtigungstour durch einige Start-ups, die Döpfner mit Verlegerwitwe Friede Springer unternimmt. Was ein Banner ist, weiss sie nicht. Ihr Büro: Belassen im Zustand vom 22. September 1985, dem letzten Arbeitstag ihres verstorbenen Mannes.
Natürlich habe sie eine Träne im Auge gehabt, als Döpfner den Verkauf von Titeln wie "Hörzu“, "Hamburger Abendblatt" und "Berliner Morgenpost" vorschlug. "Das ja DNA von Axel Springer." Doch Geyer konstatiert: "Sie hat ein wirtschaftliches Interesse an ihrem Unternehmen, kein journalistisches."
Und zum Vorstandsvorsitzenden Döpfner: "Der Wert von Journalismus ist für Döpfner eine Frage der Abwägung. Verkauft er seine Zeitungen, stösst er seine Belegschaft vor den Kopf und reizt das Feuilleton. Verkauft er sie nicht, verängstigt er die Aktionäre und bringt Friede Springer möglicherweise auf dumme Gedanken." Hätte er ein übergeordnetes Interesse an Zeitungen, würde er sich anders verhalten, meint Geyer.
Am Schluss des sechsseitigen Textes will Döpfner bei einem Zeitungsverkäufer zwei Blätter für 1,70 Euro kaufen. Der Kauf scheitert. Der Springer-Boss hat nur eine 200er Note dabei. (ads)
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