Der chinesische Internet-Riese Alibaba kauft die traditionsreiche Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" (SCMP). Das 112 Jahre alte Blatt gilt vielen als kritisches "Tor zu China", so dass die Übernahme durch einen chinesischen Konzern umgehend Sorgen über die Unabhängigkeit der renommierten Zeitung auslöste.
Der chinesische Internetkonzern Alibaba bezahlt 2,06 Milliarden Hongkong Dollar (261 Millionen Franken) für die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post". Bei der Verkündung der Übernahme am Freitagabend (Ortszeit) versprach der Vizechef von Alibaba, Joseph Tsai, die redaktionelle Unabhängigkeit wahren zu wollen. Er kritisierte zugleich aber die Mehrheit der westlichen Nachrichtenorganisationen dafür, "China durch eine sehr besondere Brille zu sehen".
Alibaba wolle die Redakteure selbst über die Richtung jeder Geschichte entscheiden lassen. "Das ist unser Grundsatz."
Mit der Übernahme macht die weltgrösste Handelsplattform einen grossen Schritt in die traditionelle Medienlandschaft. "Das ist wahrlich eine Mischung aus Alt und Neu", hiess es in einer Mitteilung von Alibaba an die Leser.
Keine Paywall mehr
In dem dramatischen Wandel der Medienlandschaft ergänzten sich beide Unternehmen sehr gut. "Unsere Vision ist es, die Leserschaft weltweit auszubauen."
Das Blatt soll die englischsprachige Welt über China informieren, heisst es weiter. Als eine der ersten Entscheidungen wird deswegen auch die Bezahlschranke im Internet eingerissen.
Die Pressefreiheit gilt den sieben Millionen Hongkongern als hohes Gut. Seit dem Souveränitätswechsel 1997 stehen die Medien in dem Finanz- und Wirtschaftszentrum unter wachsendem Druck durch die chinesische Seite, die ihren Einfluss in der Hafenmetropole ausweiten will.
Nach dem Einstieg bei der chinesischen Wirtschaftszeitung "China Business News" und der Übernahme von vier Fünfteln der grossen chinesischen Videoplattform Youku weitet Alibaba mit der "South China Morning Post" sein Engagement bei traditionellen Medien deutlich ausweiten. (sda)

