01.09.2026

Radio Zmorgä

«Ist Radio noch Radio, wenn es kein Rundfunk mehr ist?»

Am ersten «Radio Zmorgä» der SRG hielt Nick Lüthi ein Referat zur technologischen Zukunft des Radios. Im persoenlich.com-Podcast ordnen Lüthi und Verleger Matthias Ackeret die zentralen Thesen ein: Was verliert das Radio, wenn es dereinst nur noch über Internet läuft?
Radio Zmorgä: «Ist Radio noch Radio, wenn es kein Rundfunk mehr ist?»
Sven Epiney moderiert das erste «Radio Zmorgä» von SRG SSR Sponsoring. (Bild: Gian Vaitl)

Erstmals hat SRG-Sponsoring zu einem «Radio Zmorgä» eingeladen. Anlass dazu war die Buchungseröffnung für das Radiosponsoring. Sven Epiney moderierte durch den Morgen; dazwischen gab es eine Führung durch die «Radio Hall» im Leutschenbach, in der SRF 1, SRF 3, Radio Virus und die Musikwelle produziert werden. Mittendrin waren Ackeret und Lüthi: Ersterer im Publikum, Letzterer als Referent auf der Bühne. In diesem Rahmen hielt Lüthi sein Referat zur Frage: Was kommt nach UKW und DAB+?

Die einfache Antwort darauf lautet: Radio nur noch als App und Stream. Lüthi zeigt im Gespräch aber auf, was dabei verloren ginge – allen voran die Kostenkontrolle: «Ob 10'000 oder 300'000 Leute zuhören, die Verbreitung kostet immer gleich viel», sagt er zum klassischen Rundfunk. Bei reiner Internetverbreitung werde man dagegen «Opfer seines eigenen Erfolgs», weil jeder zusätzliche Hörer die Kosten treibt. Auch die Anonymität der Hörerschaft stehe auf dem Spiel: «Wenn ich UKW höre, weiss niemand, was ich höre», so Lüthi – ein Stream dagegen hinterlasse genau dokumentierte Spuren in den Server-Logs.

Ackeret hakt nach, was Radiosendern mit dem Wechsel zu reiner Internetverbreitung sonst noch abhandenkäme. Für Lüthi ist die Antwort klar: die Kanalhoheit. Heute sichere das staatlich garantierte Rundfunkprivileg – in der Schweiz über Konzessionen geregelt – den Radios einen diskriminierungsfreien Zugang zur Antenne. Im Internet gebe es dieses Privileg nicht: «Dort ist ein Radiosender ein App-Anbieter unter vielen», sagt Lüthi. Ohne eigene Verbreitungstechnologie verliere Radio damit seine Rolle als souveränes Massenmedium und werde zu einem Angebot unter vielen auf den Plattformen globaler Techkonzerne.

Als mögliche Nachfolgelösung wird oft 5G Broadcast gehandelt, eine Rundfunktechnologie auf Basis des Mobilfunkstandards. Lüthi bleibt skeptisch, ob die sich je durchsetzt, verweist aber auf die Grundsatzfrage dahinter: Will man die Radioverbreitung «globalen Konzernen übergeben, die nach rein kommerzieller Logik funktionieren», oder lieber auf eine Infrastruktur setzen, die noch mehrheitlich in öffentlicher Hand liegt? «Mir ist es grundsätzlich wohler, wenn eine staatliche oder öffentliche Kontrolle über die Infrastruktur vorhanden ist», sagt Lüthi.

Die neueste Podcastfolge wurde am Dienstag in den Redaktionsräumen der persönlich Verlags AG in Zürich-Wiedikon aufgezeichnet. Der persoenlich.com-Podcast erscheint immer am Dienstag und ist auf unserer Website sowie auf allen gängigen Podcastplattformen – wie Spotify oder Apple Podcasts – verfügbar. In Zweierkonstellation diskutiert die Redaktion über aktuelle Themen und Ereignisse, die in der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche für Schlagzeilen gesorgt haben. (nil)

Korrigendum: Die Aussage von Nick Lüthi im Podcast, das SRG-Sponsoring werde an Goldbach Audio ausgelagert, stimmt nicht. Tatsache ist: Die SRG prüft aktuell externe Partnerschaften für nicht-exklusive Vermittlung und Vermarktung. Entschieden ist noch nichts.


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE