09.01.2024

Dreikönigstagung

«Jahresanfang war und ist das ideale Zeitfenster»

Karl Lüönd hat vor 25 Jahren die erste Dreikönigstagung für den Verlegerverband Schweizer Medien auf die Beine gestellt. Im Interview sagt der Publizist, wie die Idee entstanden ist und welche Ausgabe ihm besonders in Erinnerung geblieben ist.
Dreikönigstagung: «Jahresanfang war und ist das ideale Zeitfenster»
Von 1999 bis 2005 leitete er im Mandatsverhältnis das Medieninstitut des Verbandes Schweizer Medien: Karl Lüönd. (Bild: zVg)
von Matthias Ackeret

Herr Lüönd, wie ist vor 25 Jahren die Idee für die Dreikönigstagung entstanden?
Im Hinterkopf hatte ich die Dreikönigstagung der deutschen FDP, die immer im Fernsehen kam. Der Jahresanfang war und ist das ideale Zeitfenster, um Inhalte in die Öffentlichkeit zu tragen, die im Normalbetrieb wohl ausgesiebt würden. Darum gibt es ja auch jedes Jahr dieses «Tier des Jahres» von Pro Natura. Nach dem Ende der «Züri Woche» hatte ich mehrere Angebote, war mir aber selbst noch nicht im Klaren, wie es weitergehen sollte. Da rief mich Peter Hartmeier an, damals Geschäftsführer des Verlegerverbandes. Er bot mir die Leitung des Medieninstituts an, der Aus- und Weiterbildungszweig des Verbandes.

Sie sagten zu.
Ja, als Autodidakt wusste ich immer den Wert der persönlichen Weiterbildung zu schätzen. Ich selber habe ja auch unter anderem bei Prof. Malik in St. Gallen wochenlang Unternehmensführung oder Rechnungswesen gebüffelt. Jetzt musste aber alles schnell gehen. Mein hochverdienter Vorgänger Ueli Custer war aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend ausser Gefecht. Ich nahm diesen 50-Prozent-Job an, aber nur im täglich kündbaren Mandatsverhältnis.

Präsident des Verlegerverbandes war damals Hans Heinrich Coninx, Ihr jahrelanger Hauptkonkurrent auf dem Platz Zürich. Wie passte das zusammen?
Ganz entspannt. Wir trafen uns zu dritt in seinem Privatbüro. Für mich war er noch der «Herr Doktor» und selbstverständlich per Sie. Hans Heiri wischte alle Schranken souverän beiseite und öffnete eine gute Flasche Weisswein. Ich höre ihn noch genau: «Lass uns die Vergangenheit vergessen und über die Zukunft reden.» Darauf stiessen wir an.

Wie sah das Urkonzept aus?
Ich hatte die Unterlagen studiert und sagte offen: Das Medieninstitut hat ein strukturelles Defizit von über 100'000 Franken, weil es einfach zu wenig zahlende Kursteilnehmer und zu hohe Fixkosten hat. Darauf antwortete Hans Heiri mit präsidialer Noblesse: «Da müssen Sie sich jetzt halt etwas einfallen lassen.» Ich habe solche klaren Anweisungen immer geliebt. Dann brachte ich die Idee mit der Dreikönigstagung vor. Coninx und Hartmeier leisteten jede erdenkliche Unterstützung.

Wer hat die Finanzierung dieser doch recht aufwendigen Veranstaltung übernommen?
Der Verband trug das Risiko, wer denn sonst? Aber es funktionierte schon zum ersten Mal. Meine simple Idee war: Im ersten Halbjahr gibt es null Branchenanlässe. Also machen wir an einem der ersten Arbeitstage im neuen Jahr eine Besammlungsübung, bei der eigentlich alle dabei sein müssen, die in diesem Geschäft eine Rolle spielen wollen. Führungskräfte, die wichtige Posten übernommen haben, stellen sich vor. Und als Keynote Speaker holen wir uns einen Prominenten. Einer der ersten war der Onlinechef des Wall Street Journal, der es für ein Flugticket und eine schöne Uhr machte. Wir verlangten unverschämte 250 Franken Teilnahmegebühr pro Nase und hatten mit 250 Leuten den Saal voll.

Wo wurde die Veranstaltung damals durchgeführt?
Die erste Dreikönigstagung fand in der Aula der damaligen Bankgesellschaft an der Nüschelerstrasse statt, weil es gratis war, inklusive Verpflegung. Die Heuler im ersten aller Programme waren Charles Fraenkl von der Swisscom, der den versammelten Zeitungsleuten die Internetzukunft schilderte, und mein Freund Wolfgang Mecklenburg, einer der Erfinder der Mediaagenturen, der zuvor überhaupt noch nie als Referent aufgetreten war. Das Schlusswort kam von Thomas Held: «Das Internet ist die Chance, die Kultur des Lesens zu retten.»

Der Verlegerverband hat im Sommer jeweils seine opulenten Tagungen in Luxushotels durchgeführt. Hat man da nicht eine zusätzliche Konkurrenz aufgebaut?
Im Gegenteil! Wir haben grosse Themen zur Sprache gebracht und dann in Interlaken oder St. Moritz vertieft. Aber das Wichtigste war: Die Dreikönigstagung hat dem Verband jedes Jahr sechsstellige Gewinne abgeliefert, auch weil wir grosszügige Sponsoren hatten wie Publicitas oder IWC.

Welches war Ihre eindrücklichste Dreikönigstagung?
Das war wohl, als Martin Kall, damals Unternehmensleiter der Tamedia, in aller Offenheit vor etwa 500 Leuten erklärte, dass der Tages-Anzeiger ohne Stellenanzeigen schon in den frühen 1990er-Jahren in der Verlustzone gewesen wäre. In der gedruckten Fassung des Referats kam diese Passage dann aber nicht mehr vor.

Nehmen Sie an der diesjährigen Jubiläumsveranstaltung teil?
Nein, ich werde schon lange nicht mehr eingeladen.

Karl Lüönd (79) arbeitet nach einer Karriere als Reporter, Chefredaktor und Verleger heute als Publizist und Buchautor. Er hat seit 1999 über 70 Sachbücher publiziert (Firmen- und Personenbiografien, Arbeiten zur Wirtschafts- und Mediengeschichte). Von 1999 bis 2005 leitete er im Mandatsverhältnis das Medieninstitut des Verbandes Schweizer Medien.



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