08.10.2010

Italien

Justiz ermittelt gegen Berlusconi-Zeitung

Chefredaktor wegen Drohungen im Visier.

Die Mailänder Tageszeitung "Il Giornale" im Besitz der Familie von Regierungschef Silvio Berlusconi ist ins Visier der Justiz geraten und ihre Redaktion von der Polizei durchsucht worden. Gegen Chefredaktor Alessandro Sallusti und seinen Stellvertreter Nicola Porro leitete die Staatsanwaltschaft von Neapel Ermittlungen wegen Drohungen in die Wege. Ihre Wohnungen wurden durchsucht. Die beiden Journalisten werden beschuldigt, geheime Informationen über die Industriellenpräsidentin Emma Marcegaglia gesammelt zu haben, nachdem diese das Blatt wegen dessen aggressiver Kampagne gegen Gianfranco Fini kritisiert hatte.

Die beiden Journalisten sollen in einigen Telefongesprächen mit Marcegaglias Sekretär, Rinaldo Arpisella, in aggressivem Ton versucht haben, die Haltung der Unternehmenschefin zu ändern, die sich zuletzt auch über die Regierung Berlusconi kritisch geäussert hatte. Sie hatten ihr gedroht, Informationen zu drucken, die ihrem Ansehen hätten schaden können. Sallusti reagierte empört auf die Untersuchung und beauftragte seinen Rechtsanwalt, den neapolitanischen Staatsanwalt Giandomenico Lepore wegen Rufschädigung zu klagen.

Berlusconis Tageszeitung führt seit Wochen eine scharfe Kampagne gegen Fini. Seine Fraktion beschuldigt "Il Giornale", mit Hilfe der Geheimdienste verleumderische Informationen über Fini zu sammeln und zu verbreiten. Fini ist wegen einer Wohnung in Monte Carlo unter Beschuss geraten, die eine Anhängerin der inzwischen aufgelösten Alleanza Nazionale seiner Partei vererbt hatte. Die Wohnung sei über Umwege in die Hände des Bruders von Finis Lebensgefährtin Elisabetta Tulliani geraten. Giancarlo Tulliani bestritt jedoch, der neue Eigentümer der Wohnung zu sein. Er habe die Wohnung lediglich gemietet. (sda)


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