Für SRF 2 Kultur, SRF 4 News oder SRF 1 liegen dieses Mal keine separat ausgewiesenen Hörerzahlen vor. Wenn das Forschungsunternehmen Mediapulse am 3. Februar die Radio-Hörerzahlen publiziert, werden alle SRF-Sender zusammengenommen als Sendergruppe ausgewiesen. Für die Privatradios ist die Situation anders: Sie erhalten separat ausgewiesene Zahlen.
Das Problem liegt im Simulcasting-Phänomen, welches die bisherige Messmethode nicht korrekt berücksichtigen konnte (persoenlich.com berichtete). Wie der Tages Anzeiger am Dienstag berichtete, sind jedoch nicht wie bisher angenommen nur die Privaten von diesem Problem betroffen, sondern auch die Öffentlich-Rechtlichen. Laut Tagi waren die bisherigen Hörerzahlen der SRF-Sender zu hoch – «um bis zu 50 Prozent». Besonders betroffen seien Virus und SRF 4 News. «Das stimmt nicht», sagt dagegen Mediapulse-Kommunikationschef Nico Gurtner gegenüber persoenlich.com:

Herr Gurtner, Sie sagen, Sie hätten das Simulcasting-Problem gelöst. Trotzdem können Sie für das 2. Semester 2014 die SRF-Sender nicht einzeln, sondern nur als Gruppe ausweisen. Wo liegt das Problem?
Die technische Lösung für den Umgang mit synchronen Ausstrahlungen wurde in den letzten Monaten entwickelt. Gleichzeitig haben wir in dieser Zeit jeden Tag Daten geliefert. Die fertig produzierten Daten dieser sechs Monate konnten wir nun mit dieser Lösung rückwirkend bereinigen. Dabei standen uns nicht genau die gleichen Möglichkeiten zur Verfügung wie für die fortlaufende Datenproduktion ab 2015.
Was heisst das?
Die rückwirkende Bereinigung wurde deshalb für Energy und BNJ angewendet, da diese Sender ausgedehnte synchrone Ausstrahlungen aufweisen. Auch SRF-Sender sind davon betroffen. Da die SRF-Sender aber komplexer vernetzt sind, konnten die Reichweiten der Einzelsender nicht bereinigt werden.
Darum gibt es keine Zahlen für SRF 1 oder Virus, sondern nur für alle SRF-Sender zusammengenommen als Ganzes.
Ja. Synchrones Ausstrahlen kann nur zu Verschiebungen innerhalb einer Gruppe führen. Die Gesamtsumme der Gruppe bleibt immer gleich.
Bleibt das nun so?
Die Ausweisung der SRF-Sender als Gruppe ist nur eine vorübergehende Lösung für das 2. Semester 2014. Alle Energy-Sender werden bereits jetzt wieder einzeln ausgewiesen, für die SRF-Sender wird dies in Zukunft auch wieder der Fall sein. Also: Für die nächsten Semesterdaten zum 1. Semester 2015 werden diese Sender wieder wie bisher einzeln ausgewiesen.
Die jetzigen Gruppenwerte sind alles andere als zeitgemäss. Über moderne, datenbasierte Analysetechniken lassen sich Zielgruppen immer konkreter charakterisieren und Produkte zielgruppenspezifischer vermarkten.
Da die Technik die rückwirkende Korrektur für diese Sender nicht erlaubt hat, ist die Ausweisung als Gruppe die korrekte Lösung, damit keine unbereinigten Daten im Markt sind. Alle publizierten Daten sind damit bezüglich der Auswirkungen von synchronenAusstrahlungen bereinigt und korrekt. Da die SRF-Sender ausser Sponsoring keine Werbung verkaufen, ist diese Lösung für das 2. Semester 2014 für alle Seiten tragbar.
Welche Zusatzaufwände waren nötig um das Simulcasting-Problem zu lösen?
Die Kosten dafür werden aus dem Budget für Investitionen und Weiterentwicklungen mit Mediapulse Radiopanel gedeckt.
Offenbar haben gewisse SRF-Sender bis zu 50 Prozent Hörer verloren. Handelt es sich um Virus und SRF 4 News, wie der Tagi schreibt?
Da die Summe innerhalb der Sendergruppe immer die gleiche bleibt, führt die Korrektur der synchronen Ausstrahlungen zu keinem Verlust der Hörer, sondern höchstens zu einer Umverteilung innerhalb der Gruppe. Die Aussagen im Tages-Anzeiger sind deshalb falsch.
Wie stellen Sie sicher, dass kein Radiosender oder eine Sendergruppe Druck auf Mediapulse ausübt, sodass das Forschungsunternehmen unabhängig bleibt?
Dadurch dass Mediapulse alle Kundengruppen in den verschiedenen Gremien einbezieht (Stiftungsrat, Verwaltungsrat, Forschungskommission, User Commission), kann kein Kunde einseitig Druck ausüben. Es sind folglich nur Lösungen umsetzbar, die von allen Marktteilnehmern mitgetragen werden. So wie auch die Lösung für den Umgang mit synchronen Ausstrahlungen vom gesamten Markt getragen wird. Selbstverständlich fühlen wir uns auch der im Gesetz festgeschriebenen Unabhängigkeit verpflichtet.
Fragen: Edith Hollenstein
Bild: Helene Fischer im Interview mit Reto Scherrer auf SRF1 (srf.ch)

