Seit Jahren kämpft die ehemalige Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin dagegen an, dass Medien die Vorkommnisse an der Zuger Landammannfeier 2014 als «Sex-Affäre» betiteln. Am Dienstag – als bekannt wurde, dass sowohl Spiess-Hegglin als auch Ringier ein Urteil an die nächste Instanz ziehen – verwendete die Nachrichtenagentur Keystone-SDA diese Formulierung. Prompt wurde der Begriff «Sex-Affäre» von diversen Zeitungen so übernommen. Nachdem Spiess-Hegglin via Twitter intervenierte, entschuldigten sich einige Medien für diese Passage – oder bedauerten es zumindest:
Wir entschuldigen uns, die Passage wurde bereits geändert. Sie wurde von der Agentur so angeliefert (das nicht als Entschuldigung oder Ausrede, lediglich als Erklärung).
— Tages-Anzeiger (@tagesanzeiger) 11. Juni 2019
Das ist eine SDA-Meldung, die bei uns automatisch reinfliesst. Die Formulierung entspricht tatsächlich nicht unserer sonstigen Berichterstattung, wie sich bspw. hier zeigt: https://t.co/mSKF4AhDIq
— Neue Zürcher Zeitung (@NZZ) 11. Juni 2019
Wir können das gerne korrigieren.
Wir entschuldigen uns für diese Agentur-Meldung. Das hätte nicht passieren dürfen. Artikel/Headline wurde online angepasst. Liebe Grüsse aus Biel.
— Bieler Tagblatt (@bielertagblatt) 12. Juni 2019
Danke für den Hinweis. Diese Formulierung ist nicht in Ordnung, und sie stammt in der Tat von der Agentur. Wir bedauern das und kümmern uns um eine andere Formulierung im Archiv, damit der Satz nicht reproduziert wird. (N.M.)
— Keystone-SDA news (@key_SDA_news) 11. Juni 2019
Keystone-SDA verschickte am Mittwoch an ihre Kunden eine Notiz zur Formulierung «Sex-Affäre». «Diese Formulierung ist in diesem Kontext nicht geeignet und hätte nicht verwendet werden dürfen», heisst es. Der Text sei im Archiv umformuliert worden, damit der Satz nicht reproduziert werde und nicht mehr in die künftige Berichterstattung zum Thema einfliesse.
Auf Anfrage von persoenlich.com sagt Spiess-Hegglin: «Ah, schön. Wenigstens das.» Sie sei am Dienstag auf Twitter deswegen ziemlich beschäftigt gewesen. «Ich dachte zwischendurch, dass die Medienschaffenden es verstanden haben, dass diese Formulierung sexistisch, stigmatisierend, aber vor allem auch falsch ist. Sex ist was Positives.» Was sie erlebt habe, sei das denkbar Gegenteilige. «Sowas muss niemand verniedlichen, skandalisieren oder falsch darstellen. Ausserdem wurde dieser Begriff ironischerweise in diesem Artikel, um welchen es nun vor Gericht geht, von ‹Blick› konstruiert», so Spiess-Hegglin weiter. Es sei ihr wichtig, dass die Medien aus diesem Fall lernen würden – deshalb halte sie ihnen auch immer wieder den Spiegel vor. (cbe)

