09.11.2025

Tamedia

KI erfindet Liebesleben einer Journalistin

Seit über einem Jahr verbreiten automatisierte Websites die Falschmeldung, eine Redaktorin des Tages-Anzeiger sei mit dem Rapper Kontra K liiert. Rechtlich ist sie machtlos, wie die SonntagsZeitung berichtet. Der Fall zeigt, wie KI-generierte Inhalte Chatbots überwältigen.
Tamedia: KI erfindet Liebesleben einer Journalistin
Celina Euchner berichtet in der SonntagsZeitung über KI-generierte Fake News, die sie zur Partnerin des Rappers Kontra K machen. (Bild: persoenlich.com/cbe)

KI-generierte News-Websites verbreiten seit über einem Jahr die Falschmeldung, Celina Euchner, Journalistin beim Tages-Anzeiger, sei die Partnerin des Rappers Kontra K, wie die SonntagsZeitung berichtet. Die Journalistin erscheint auf Dutzenden Websites mit erfundenen Geschichten über gemeinsame Kinder, angebliche Hochzeiten und ein komplettes Privatleben, das nie stattgefunden hat.

Der Ursprung liegt in einer Fehlinterpretation: 2019 interviewte Euchner den Rapper für den Blick. Eine KI-Website zog aus der Bildlegende «Rapper Kontra K mit People-Redaktorin Celina Euchner» den Schluss, dass sie ein Paar seien. Ein Betreiber solcher KI-Websites erklärte der SonntagsZeitung, er nehme zu Trendthemen die drei obersten Google-Treffer und füttere sie in seine «Maschine» – die Beiträge erschienen teils komplett automatisiert. Über Monate verbreitete sich die Falschmeldung selbstständig über Dutzende KI-News-Websites, bis Google und die KI-Chatbots dies als Zeichen von Glaubwürdigkeit werteten.

Für die Betroffene hat das Auswirkungen. Freunde und Familie fragen nach, ob die Geschichten stimmen. «Ich fühle mich blossgestellt, irgendwie beschmutzt», schreibt Euchner in einem Erfahrungsbericht. Rechtlich ist sie weitgehend machtlos: Zwar handelt es sich um klare Persönlichkeitsverletzungen, doch die Durchsetzung ist aufwendig und teuer, wie ein Rechtsexperte gegenüber erklärt.

45 Prozent fehlerhafte News-Antworten

Das Internet wird derzeit von KI-generierten News-Seiten geflutet, schreibt die SonntagsZeitung. Eine Studie habe ergeben, dass bereits mehr als die Hälfte aller Artikel im Internet von KI verfasst wurde.

Die Flut an KI-generierten Inhalten überwältigt Suchmaschinen und Chatbots. Eine Studie der European Broadcasting Union mit 22 Service-public-Medien aus 18 Ländern – darunter SRF – kam zum Ergebnis, dass 45 Prozent aller KI-Antworten auf Nachrichtenfragen mindestens einen schwerwiegenden Fehler aufweisen (persoenlich.com berichtete). Laut einer Reuters-Studie nutzen 7 Prozent der Surfer KI-Chatbots für News, bei den unter 25-Jährigen sind es 15 Prozent.

Das Problem der KI-generierten Inhalte zeigt sich in der Schweiz in unterschiedlichen Ausprägungen. Einige Websites schreiben teils wörtlich aus Artikeln etablierter Redaktionen ab. Etwa 20 Minuten deckte im September auf, dass ein KI-Portal sich an seinen Inhalten bediente. Im Oktober betraf es das Basler Newsportal Prime News: Eine dubiose Plattform übernahm sogar den Artikel, in dem Prime News selbst über den Inhaltsklau berichtete. (cbe) 


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