StyleFiles, Nadja Knup

Nadja Knup ist Chefredaktorin von StyleFiles. Neben ihr schreiben vier weitere Journalistinnen und Journalisten für das Online-Magazin. Nadja Knup war bis März 2008 stellvertretende Chefredaktorin des Lifestyle-Magazins Faces.
Was ist StyleFiles?
StyleFiles gibt es seit gut einem Jahr. Es ist ein digitales Magazin, das monatlich auf einer Website publiziert und per E-Mail gratis an Abonnenten verschickt wird. Das Magazin kann am Computer durchgeblättert werden. Es beinhaltet Artikel zu den Themen Fashion, Beauty, Reisen und Style im Luxusbereich, aber auch Videos und Sound. Zudem ist jedes Produkt direkt mit einer Onlineboutique oder ähnlichem verlinkt: Das heisst, zu allen Artikeln, jedem abgebildeten Stück, zu allen erwähnten Ausstellungen und vorgestellten Hotels kann per Klick die entsprechende Hompage angewählt werden der Leser kann sofort kaufen, buchen oder bestellen, was er will.

Was bietet StyleFiles mehr?
Als Print-Kind mag ich gepflegte Zeitungen und stylische Print-Magazine. Ich finde aber, dass die Medienhäuser das Internet verschlafen haben. Sie haben die Bedeutung unterschätzt und das Medium lange Zeit belächelt und ein bisschen als Abfallprodukt behandelt: Was zu schwach ist, um ins Heft/in die Zeitung zu kommen, packt man einfach unbearbeitet auf die Website.
Ich wollte von diesen überbordenden, schlecht selektionierten Webportalen wegkommen und das Beste aus beiden Welten vereinen. Deshalb verbindet StyleFiles die Ästhetik und Nutzerfreundlichkeit eines Magazins mit den technologischen Möglichkeiten des Internets. Heute herrscht ein Informationsüberfluss. Mitten in diesem Wirrwarr treffen wir für unsere Kundschaft eine Auswahl. Wir fassen ein Thema zusammen, zeigen aber auf, wo man mehr darüber erfahren kann. Weil sich unsere Leser nicht selbst durch die Themenvielfalt durchkämpfen müssen, sparen sie enorm viel Zeit.
Der Kern der Idee ist zudem die Vernetzung. Gerade im Konsumbereich sind die Marktgrenzen zwar offen, gesprengt werden sie aber nicht. In der Schweiz kann man beispielsweise viele Labels gar nicht kaufen, andere haben nur sehr limitierte Kollektionen. Im Internet gibt es alles - ohne Limits, ohne Öffnungszeiten etc. Oder nehmen wir das Beispiel Musik: In einem Printmagazin sehe ich ein CD-Cover und lese, wie das klingen könnte. Bei uns reicht ein Klick und ich höre die Musik, ein weiterer und sie ist in meinem iTunes.
Die hohe Qualität zeigt sich auch bei den Inseraten: Wir haben keine Onlinebanner, sondern unsere Inserenten können ganz normal ihre Printanzeige (ein- oder doppelseitig) schalten und sie zusätzlich mit Video oder Sound ergänzen. Das schafft eine ganz andere Aufmerksamkeit beim Kunden, sieht aber dennoch gut aus.
Wie ist das Feedback?
StyleFiles kommt bei den Nutzern sehr gut an - wir bekommen ein durchwegs positives Feedback, auch aus Deutschland und Österreich, und sogar aus Grossbritannien und den USA. Wir denken, dass wir längerfristig auch ein Heft in Englisch machen oder das Bestehende ins Englische übersetzen. Der Mix aus Ästhetik und stark selektioniertem Inhalt gefällt den Leuten. Mittlerweile haben wir rund 10'000 Abonnenten und zirka 5'000 zusätzliche Leserinnen oder Leser. Es sollen aber noch mehr werden: unser Ziel sind 30'000 Abonennten.
Welche Schwierigkeiten hat StyleFiles?
Unsere grösste Herausforderung ist es, StyleFiles zu erklären: Wir sind keine Website und kein Portal, sondern ein Magazin - einfach digitalisiert. Bis die Leute das verstehen, braucht es noch Zeit. Dazu kommt das Generationenproblem: für die Jungen ist Internet/Mobile eine Selbstverständlichkeit, älteren Generationen (natürlich ohne zu pauschalisieren) fehlt zwischendurch der Zugang zu den neuen Medien.
Das zweite Problem ist, dass die Schweiz in Sachen Internet hinterher hinkt. Was in den USA und in Grossbritannien läuft, erreicht jeweils viel später auch die Schweiz. Nehmen wir zum Beispiel das Onlineshopping: In den USA und in Grossbritannien ist das absolut an der Tagesordnung. Bei uns wird es noch sehr zaghaft betrieben. Drittens, und das ist unabhängig von unserem Medium, haben wir keinen riesigen Verlag im Rücken, der uns quersubventioniert und pusht. Und das bedeutet natürlich limitierte Mittel (auch z.B. werbetechnisch) und verlangt nach Durchhaltewillen.
Wie ist die Idee entstanden?
Ich war in der komfortablen Lage, die Finanzkrise und die daraus folgende schwerste Stunde der Medienkrise aus der Ferne zu erleben. 2008/2009 war ich für ein Sabbatical in der Karibik da hatte ich viel Zeit und Muse zum Nachdenken, Ideen schmieden und Planen. Das Projekt StyleFiles entstand also als Idee während meines Auslandaufenthalts.
Clack, Seraina Mohr

Seraina Mohr ist eine von zehn Journalistinnen und Journalisten, die für Clack schreiben. Sie ist als Dozentin für Online-Kommunikation an der Hochschule Luzern tätig. Früher schrieb sie für die Annabelle und war Projektleiterin für die Jobplattformen Alpha.ch und Jobwinner.ch.
Was ist Clack?
Clack gibt es seit September 2010. Es ist ein Online-Magazin für Frauen aus der Deutschschweiz. Es definiert sich weniger durch ein Themenspektrum als vielmehr durch den Themenzugang. Wir beleuchten das, was passiert, aus einem weiblichen Blickwinkel und fragen nach den Konsequenzen von gesellschaftlichen Tendenzen für unser weibliches Zielpublikum. Wir schreiben über die Bundesratswahl, geben Karriere-Tipps und zeigen die neusten Looks, die auf der New York Fashion Week zu sehen sind. Klassische Pflichtstoffe oder Ressortgrenzen kennen wir nicht. Thema ist, was die Community und die Redaktion interessiert.

Was bietet Clack mehr?
Es gibt zwar schon viele Online-Medien für die Deutschschweiz. Ein tagesaktuelles Online-Magazin, das einen feminineren Anspruch verfolgt, fehlt aber noch. Bei uns schafft eine kleine, unabhängige Gruppe ein Forum, auf dem sich Frauen und Männer austauschen können über gesellschaftspolitische Fragen, aber auch über Trends, Mode und Liebe. Clack hat auch eine eigene Community, die alle zum Mitbloggen einlädt. Die Beiträge aus der Community sind denn auch ein Teil der redaktionellen Arbeit.
Wie ist das Feedback?
Wir bekommen sehr positives Feedback. Die Leserinnen bestätigen uns, dass Clack bisher in der Schweiz noch fehlte. Sie sind zudem sehr aktiv, eine Userin kommentiert beispielsweise praktischen jeden zweiten Artikel. Über hundert Personen gehören bereits zur Community, auf Facebook zählt die Fangemeinde zirka 85 Leute. Heute lesen Clack bis zu Tausend Personen pro Tag. In einem Jahr sollen es bis zu 40'000 sein.
Welche Schwierigkeiten hat Clack?
Wir arbeiten dezentral, wir tun es (noch gratis) und vor allem nebenamtlich. Die Kosten müssen wir so tief wie möglich halten, da wir keinen grossen Verlag im Rücken haben. Wir leben von den klassischen Werbeformen, unser Vermarktungspartner ist Adlink Media. Da die Vermarktung schwierig ist, setzen wir vor allem auch auf Kooperationen zum Beispiel mit Frauennetzwerken. Zudem sind wir daran, einen Shop aufzubauen, indem die Leserinnen Produkte finden, die zu ihnen passen. An dem, was dann verkauft wird, sind wir prozentual beteiligt.
Wie ist die Idee entstanden?
Gegärt hat die Idee eines Online-Magazins schon länger. Irgendwann bei einigen Bieren wurde aber klar, dass es sich vielleicht lohnt, über die Bieridee etwas genauer nachzudenken. Das haben wir getan, viel diskutiert, über Zielgruppen gestritten, über Inhalte und Zugänge diskutiert, uns im Werbemarkt schlau gemacht und dann entschieden einen Versuch zu wagen.
Nicht zuletzt die Erfahrungen mit dem Mamablog von Nicole Althaus haben gezeigt, dass es ein Publikum gibt, dass sich für intelligente, politische und gesellschaftskritische Themen jenseits des klassischen Mutterfutters oder der vorwiegend lifestyle-thematischen Frauenmagazine interessiert, das sich in Online-Medien auskennt, die Auseinandersetzung nicht scheut, nicht mehr ganz jung ist, aber online aktiv und beruflich nicht selten höher positioniert. Ausserdem schreiben wir alle gerne, haben Geschichten im Kopf, die so noch nicht geschrieben wurden oder nicht ins Konzept der Printtitel passten.
Bonz, Christian Mäder

Früher arbeitete Christian Mäder beim Schweizer Fernsehen. Dort war er als Informatiker tätig und half mit, die iPhones (inkl. Mailsynchronisation) einzuführen. Heute arbeitet er 80 Prozent für Stailamedia, wo er das Swiss Video Network betreibt. Christian Mäder hat barolino.ch gegründet und bloggt nun auf Bonz.
Was ist Bonz?
Bonz wurde im Januar 2009 als unabhängiges Kulturmagazin gegründet. Als Blogger Bonz betreibe ich so etwas wie eine Kultur- und Kuriositäten-Tagesschau. Neben bekannten VBS.TV-Dokumentationen sind auch allerhand provokante Videos aus den vielschichtigen Welten der Digitalkultur konsumierbar. Die Inhalte des Blogs sind nicht eindeutig definierbar. Häufig werden Kuriositäten und Fundstücke verlinkt und je nachdem minimal kommentiert. Meine Webvideothek soll für inspirierende Zerstreuung sorgen.

Was bietet Bonz mehr?
Bonz ist das einzige Online-Kulturmagazin in der Schweiz. In Zukunft möchte ich die Videobeiträge selber produzieren und weiter ausbauen. Ich bin erst in den Startlöchern.
Wie ist das Feedback?
Bonz gehört zu den zehn meist gelesenen Blogs in der Schweiz. Mittlerweile wird das Kulturmagazin von einer breiten Leserschaft wahrgenommen - bis zu 3'000 Besucher täglich. Ich konnte mir einige Netzwerke in Social Media Portalen wie Facebook (8'000 Fans) und Twitter (1'000 Anhänger) aufbauen. Zudem habe ich im Laufe der Zeit einige Blogger persönlich kennen gelernt. Hin und wieder kommt es sogar vor, dass ich auf der Strasse, also nicht virtuell, von fremden Personen auf meine Blogartikel angesprochen werde. Dies macht Freude und es ist sehr interessant, wie andere Leute Themen anders wahrnehmen als ich.
Manchmal werde ich auch belächelt, gewisse Youtube-Clips hätten nichts mit "Kultur" am Hut. Klar blogge ich solche Videos ihres viralen Potentials wegen - dank diesen Videos wird Bonz bekannt und gewinnt neue Leser - aber andererseits muss man anerkennen, dass ein Youtube-Clip, wenn er mehrere Millionen "Hits" verzeichnet, nun wirklich Teil unserer (Web-)Kultur ist. Da kann der Clip noch so "doof" oder "vulgär" sein.
Welche Schwierigkeiten hat Bonz?
Bonz könnte noch viel häufiger und qualitativ bessere Artikel schreiben. Dazu fehlt jedoch das Geld. Ich suche immer noch jemanden, der in das originelle Kulturmagazin investieren will, mir dabei aber nicht zu grosse Auflagen macht. Denn ich will und muss schnell und unabhängig arbeiten können. Bis heute habe ich alles selber berappt und jede Arbeitsstunde persönlich geleistet.
Wie ist die Idee entstanden?
Ich blogge seit dem 1. Januar 2009. Zuerst wollte ich einen Blog über Retro-Games und Animationsfilme aufziehen. Mittlerweile sind die Themen aber viel breiter gefächert. Ich habe damit angefangen, weil es ein Hobby von mir ist.
Umfrage und Text: Christine Schnyder und Christian Lüscher
Dieser Text ist der Auftakt einer Serie. In den nächsten Wochen wird "persoenlich.com" innovative und kreative Schweizer Medienprojekte vorstellen.

