klatschheftli.ch, BJ Hyatt

BJ Hyatt ist eine Kunstfigur. Was er im realen Leben macht, bleibt sein Geheimnis. klatschheftli.ch macht er mit der zweiten Kunstfigur Amber Steele, die ebenfalls anonym bleiben will. Beide betonen aber, dass sie keine Journalisten sind.
Was ist klatschheftli.ch?
klatschheftli.ch ist ein satirisches Promi-Magazin. Wir berichten als Kunstfiguren Amber Steele und BJ Hyatt täglich über die sogenannten Schweizer Cervelatpromis. Dabei lassen wir uns über diese Leute so aus, wie sich Freunde untereinander über sie unterhalten und eben auch lustig machen würden: Wir schreiben grundsätzlich für uns. klatschheftli.ch ist nichts anderes, als unser Hobby. Von der ganzen Promi-Szene haben wir eigentlich keine Ahnung. Und Journalisten sind wir auch keine.

Was bietet klatschheftli.ch mehr?
Die Boulevard-Medien in der Schweiz sind gegenüber den Promis oftmals unkritisch. Sie werden von ihnen instrumentalisiert und schreiben, was die wollen. Wir machen genau das Gegenteil: Bei uns wird geklatscht und getratscht. Kritisch und bissig kommentieren wir oder unsere Leser das Promi-Treiben mit Hilfe von Fotos und Videos. Denn gerade die kleinen Geheimnisse und Unzulänglichkeiten der sich selbst zelebrierenden Cervelat-Promis sind immer wieder für ein Schmunzeln gut. Wir sind zwar immer böse und zynisch, erzählen aber alles mit einem grossen Augenzwinkern.
Wie ist das Feedback?
Dass unser schräger sense of humour auf so viel Zuspruch stösst, haben wir nicht in den kühnsten Träumen erwartet. Wir sind von unserem Erfolg total überwältigt. Mittlerweile haben wir monatlich 200'000 Visits, Tendenz immer noch steigend. In der Medienlandschaft gelten wir als Instanz, obwohl wir von der Schweizer Glanz- und Glamour-Welt keinen blassen Dunst haben und uns auch keinen Deut darum scheren. (Lacht)
Schwierigkeiten hat klatschheftli.ch?
Keine. Heute verdienen wir sogar Geld mit klatschheftli.ch, obwohl das nie unser Ziel war und wir die Plattform noch nie aktiv vermarktet haben. Von den Einkünften können wir nicht leben, aber wenigstens sind so unsere Infrastrukturkosten gedeckt. Es ist erfreulich, dass immer wieder Brands bei uns Werbung schalten wollen.
Das Wertvollste aber nebst dem Spassfaktor ist der Lerneffekt. Als Kunstfiguren Amber Steele und BJ Hyatt können wir Dinge ausprobieren und im Reich der Social Media wildern, wie das als echte Person nie möglich wäre. Das erworbene Know-how können wir in die Projekte in unserem echten Leben einfliessen lassen.
Zudem konnten wir dank klatscheftli.ch viele interessante Kontakte knüpfen. Unsere Alter Egos dienen uns immer wieder als Türöffner, wenn es darum geht, reale Projekte aufzugleisen. Auf einen Nenner gebracht: Wir können eine für uns erfüllende Freizeitbeschäftigung mit unserer unternehmerischen Tätigkeit im Medienbereich verbinden. Glückliche Fügung?
Wie ist die Idee entstanden?
Just for fun! Es gibt keinen Plan, keine Ziele, keine bestimmten Absichten - rein gar nichts. Wir haben einfach Spass am Schreiben. Und wir amüsieren uns immer wieder über unsere Boulevard-Medien, weil sie den sogenannten Cervelat-Promis den Hof machen (müssen).
Seite3, Jürg Zentner

Jürg Zentner ist Chefredaktor von Seite3. Wie viele Journalisten für ihn schreiben, bleibt sein Geheimnis. Hauptberuflich ist Jürg Zentner Comedy-Autor und arbeitet unter anderem für Giacobbo/Müller. Der 38-jährige war vorher Chefredaktor von "Faces" und schrieb für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften.
Was ist Seite3?
Die Boulevard-Site Seite3. gibt es nun genau ein Jahr. Wir produzieren täglich (auch an Sonn- und Feiertagen) eine neue Seite mit ungefähr 15 Artikeln. Es ist uns wichtig, dass wir jeden Tag etwas Neues bieten. Nichts ist langweiliger, als wenn Geschichten zwei Tage alt sind. Unsere Hauptgeschichte in der Rubrik "Voll krass!" widmet sich Schattenregierungen, Geheimgesellschaften und anderen reisserischen Themen wie UFOs oder verbotener Archäologie. Ansonsten berichten wir immer über Aktuelles im Fussball und über People.

Was bietet Seite3 mehr?
Wir sind ein Alternativmedium zu den Konzernmedien. Unser Schwerpunkt liegt in der Auswahl der Geschichten, welche bei den Konzernmedien unter den Tisch fallen. Wir suchen dafür auch Videos, Spielfilme, Serien und Dokumentationen im Internet zusammen und binden sie auf unserer Seite ein. Es ist uns wichtig, Dinge neutral zu betrachten - auch was die Musik oder Filme angeht. Bei uns kann es vorkommen, dass ein indizierter Splatterfilm neben einer Kult-Kinderserie steht. Wir wollen vielfältiger sein, verspielter und überraschender. Unserer Meinung nach spitzen Massenmedien ihre Geschichten oft unnötig zu und erzeugen so Angst bei den Lesern. Bei der Schweinegrippe beruhigten wir beispielsweise, indem wir aufzeigten, dass es in der Schweiz zu keiner Pandemie kommen würde. Mit der einen Geschichte jeden Tag wollen wir ein bisschen den Vorhang lüften und zeigen, dass vieles nicht so ist, wie es beschrieben wird. Dann erzählen wir, wie Leute früher lebten: wir widmen uns jeden Tag einem Geburtstagskind und einem Verstorbenen. Wir zeigen Kulturklassiker in Serie, Dokumentationen, täglich einen ganzen Spielfilm und natürlich auch Konzert- und Hingehtipps.
Wie ist das Feedback?
Uns wird oft unterstellt, wir seien eine Verschwörungsseite. Da wir nur in der Rubrik Voll krass! über solche Themen schreiben, lassen wir diesen Vorwurf nicht gelten. Dass wir öfters den Nerv der Zeit treffen, zeigt sich in vielen Meldungen, die nach dem Erscheinen auf Seite3 zur Headline bei Konzernmedien werden. Zudem lösen viele der "Voll krass!"-Artikel heftige Kontroversen aus, die sich in unflätigen Mails und Drohungen manifestieren. Ansonsten haben wir grossen Erfolg. Seite3 hat im Monat weit über 100'000 Leser und es werden jeden Tag mehr. Pro Monat wachsen wir im Moment um 10'000 bis 15'000 Unique Clients. Auf Facebook haben wir 2'070 Freunde.
Welche Schwierigkeiten hat Seite3?
Eigentlich keine, ab und zu ein paar wütende Leser. Wir werden von Mediabox.ch professionell vermarktet. Die machen das sehr gut: wir waren bereits mehrmals über längere Zeit ausgebucht.
Wie ist die Idee entstanden?
Unserer Meinung nach ist auf den Konzernmedien überall das Gleiche zu lesen (bei blick.ch und 20min.ch sind über 60 % der Artikel identisch). Zudem finden wir, dass die Lifestyle-Magazine immer biederer werden. Sie wollen uns seit 20 Jahren belehren, wie wir zu leben haben. Darum suchten wir eine moderne Alternative zum altbackenen Boulevard, der sich mittlerweile ja nur noch um Ex-Missen dreht.
Text und Umfrage: Christine Schnyder und Christian Lüscher

