Am Donnerstag erschien die letzte Ausgabe der Obersee Nachrichten (ON). Dies vermeldet die Zeitung auf ihrer Titelseite. Die Herausgeber rechnen selbst mit keinem Wunder mehr, wie sie schreiben.
Als Gründe geben sie an, dass der Inserateverkauf aufgrund der Online- und Social-Media-Angebote seit mehreren Jahren rückläufig sei. Dies bei stetig steigenden Kosten für Produktion und Vertrieb. Aus diesen und weiteren Gründen verzeichne die ON seit Längerem sinkende Einnahmen – zusammen mit den finanziellen Altlasten ein «toxischer Mix». Selbst ein Relaunch im Tabloidformat habe trotz guter Resonanz nichts mehr gebracht.
Kampf gegen Polenmuseum und KESB und für die Fusion
Die Obersee Nachrichten wurden 1981 vom Rapperswiler Verleger Bruno Hug gegründet, der aus der Gratiszeitung ein pointiertes und vielbeachtetes Medienerzeugnis machte, das sich immer wieder aktiv in die Lokalpolitik einmischte und unter anderem gegen das Polenmuseum im Schloss Rapperswil, die KESB oder den damaligen Rapperswiler Stadtpräsidenten anschrieb. Hug setzte sich in seinem Blatt auch erfolgreich für die Fusion der beiden Ortsteile Rapperswil und Jona ein.
1999 verkaufte er die Zeitung an Somedia, blieb aber 20 Jahre lang deren Verleger, bis sich Somedia-Verleger Hanspeter Lebrument und Hug wegen der KESB-Berichterstattung und der anschliessenden Prozesse zerstritten. Vor drei Jahren veräusserten die Somedia das Blatt an Fridolin Druck und Medien, der sie seither veröffentlichte.
Die Zeitung versorgte die Regionen March-Höfe und See-Gaster einmal pro Woche kostenlos mit Neuigkeiten aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Sport und war mit einer Auflage von 43'000 Exemplaren die grösste Zeitung am Obersee.
Kein Interesse an ON
Hug selbst, der heute den Onlineverbund linth24.ch betreibt, hat kein Interesse, die ON weiterzuführen, wie er gegenüber persoenlich.com ausführte. Er selbst glaube nicht mehr an die Zukunft von gedruckten Medien.
Die Gratiszeitung Fridolin, die zum selben Verlag gehörte, wurde nach einigen Irrungen an die Somedia weiterverkauft (persoenlich.com berichtete). Dieses Geschäft wurde vor einigen Tagen vom Glarner Obergericht rechtskräftig erklärt. (ma)

