18.08.2016

Schweizer Radio und Fernsehen

Liegestuhl statt Leutschenbach

Sieben Wochen keine «Rundschau», keine «Arena», kein «Eco», keinen «Kassensturz» und kein «Schawinski». Dass Sandro Brotz, Roger Schawinski und Co. Sommerpause machen, sorgt für Kritik – gerade jetzt mit Nizza, dem Putschversuch in der Türkei, dem Brexit und mit Trump, Clinton und Aleppo.
Schweizer Radio und Fernsehen: Liegestuhl statt Leutschenbach
Am Strand statt im Studio: Sandro Brotz und Roger Schawinski (Bild: SRF)

Aberwitzig, peinlich, anachronistisch: Kurt W. Zimmermann greift in die Kiste mit den saftigen Adjektiven wenn er in seiner neusten «Weltwoche»-Kolumne die alljährliche Sommerpause im Leutschenbach beschreibt. 

«Wo waren die Journalisten unseres Service public?», fragt der Medienjournalist. Dass die SRF-Infosendungen («Rundschau», «Arena», «Eco», «Kassensturz» und «Schawinski») auch in diesem Jahr pausieren, ist für ihn unverständlich – ja sogar «peinlich wie nie zuvor».

De Weck hätte eingreifen sollen

In den letzten Wochen mit Terror in Nizza, Putsch in der Türkei, Brexit, mit Anschlägen in Bayern, mit Putin, Trump, Clinton und Aleppo, hätte es Analysen und Erklärungen gebraucht, auch – oder gerade – vom öffentlich-rechtlichen Sender meint Zimmermann. In einer globalisierten Welt gebe es keine Ruhepausen mehr.

Generaldirektor Roger de Weck hätte seine Leute «vom Strand ins Studio zurückrufen» sollen. «Die Sommerpause ist vorbei. Alle zurück an die Arbeit. Ab morgen wird wieder gesendet», solche Worte hätte Zimmi erwartet.

«Tagesschau» ordnet ein

Im Leutschenbach sieht man das anders. Man komme dem Informationsauftrag auch im Sommer nach, sagt TV-Chef Tristan Brenn (vgl. Bild unten) auf Anfrage von persoenlich.com. Die Tagesaktualität werde in «Tagesschau», «10vor10» und «Schweiz aktuell» abgebildet, eingeordnet und analysiert. Im «Club» würden Themen vertieft, so in den vergangenen Wochen der Putschversuch in der Türkei oder der islamische Terror. 

Tristan Brenn

«Unabhängig davon, ob Sommerprogramm oder nicht, müssen und wollen wir bei unvorhergesehenen Ereignissen so rasch als möglich reagieren – sei es in bestehenden Formaten oder in Sondersendungen. Das haben wir im nachrichtenintensiven Sommer 2016 laufend gemacht, beispielsweise mit Sondersendungen zum Putschversuch in der Türkei, zum Terroranschlag in Nizza oder zur Schiesserei in München», führt Brenn weiter aus. Das Publikum habe also «jederzeit, wie von SRF erwartet werden darf, sehr guten und schnellen Journalismus erhalten».

Die Frage, wie unantastbar diese Pause ist und auch nächstes Jahr wieder gilt, wollte SRF nicht beantworten. Sprecherin Andrea Wenger dazu: «Zum Sommerprogramm 2017 können wir noch nichts sagen, dafür ist es einfach zu früh. Zunächst folgt jetzt mal die Analyse über das Sommerprogramm 2016».


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KOMMENTARE

Peter Eberhard
19.08.2016 09:42 Uhr
Ist das ein Thema, wenn sowieso alles von Euro und Olympiade verstopft war/ist und der Rest der Zeit mit alten Kamellen gefüllt wird? Bin gespannt, wie dann die kommende Billag-Abstimmung ausgehen wird.
Marianne Wernli
18.08.2016 21:28 Uhr
Wenn ich ehrlich bin, und Ihr Bild verdeutlicht es gerade: Das Gesicht von Herrn Brotz und Herrn Schawinski mal ein paar Wochen nicht im Fernsehen sehen zu müssen, ist Erholung pur! Das ist Sommer! Sonne und gute Laune! Deshalb Tipp an den Herrn TV-Direktor des Schweizer Fernsehens: Macht auch nächstes Jahr weiter so!!! :) Macht Sommerpause, die beste Zeit von SRF.
Patrik Kuenzler
18.08.2016 21:24 Uhr
Aber sorry, das ist nun nicht wirklich ein Primeur! Dass das Studio Leutschenbach während den Sommerferien nichts Gescheites zeigt (sondern nur Jass-Sendungen und dergleichen bringt) - diese Diskussion fand schon vor 10, oder 15 oder sogar 20 Jahren statt. Die Kritik kommt immer wieder, seit ich mich erinnern mag. Fazit: es ändert sich nichts, und es wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Solange alle Bürger jedes Jahr ihre Gebühren zahlen müssen (und dieses Prinzip wird sich ändern), solange wird sich auch SRF nicht wirklich ändern.
Nico Herger
18.08.2016 16:37 Uhr
Im Sommer gibts allerlei angesagte Film-, Musik- und sonstige Festivals. Die will man sich doch nicht durch Arbeit vermiesen lassen. Und erholen sollte man sich auch noch irgendwann von der strengen 4-Tage-Woche. Bestimmt fällt noch sehr viel Überzeit an, v.a. übers Jahresende. Fazit: 10 Monate arbeiten ist genug, 13 Monatslöhne zu wenig.
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