Der Anspruch, brillanten Journalismus zu kultivieren, sei der Schlüssel für den Erfolg der digitalisierten Medienkultur. So lautet das Fazit des Printgipfels an den Medientagen in München. Die Verlage müssten weiterhin den Mut haben, in das zu investieren, was sie gross, reich und wichtig gemacht habe - nämlich guten Journalismus, sagte Focus-Chefredakteur Wolfgang Weimer in einer Podiumsrunde. "Focus wird vom Nachrichten- zum Orientierungs-Magazin", meinte Weimer. Und weiter: "Der Inhalt ist stärker als jede funktionale Struktur. Journalismus ist und bleibt die prägende Macht im kulturellen Gefüge."
Auch WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus hob hervor, dass die Leistung der Zeitungsjournalisten wichtiger denn je sei. "Wir leben in einem Informations-Overkill, da braucht die Gesellschaft hochprofessionelle Journalisten die selektieren und strukturieren." Nienhaus warnte davor, das Papier als Verteilkanal zu unterschätzen oder gar abzuschreiben. "Papier ist hochmodern und in vielen Nutzungsphasen allen anderen Displays überlegen." Andererseits biete das iPad den Verlagen die grosse Chance, Erlöse zu generieren, die so mit dem stationären Internet nicht mehr möglich seien.
Über solche Erfolge mit Bezahlinhalten im Internet berichtete der Geschäftsführer der in Wien erscheinenden Wirtschaftszeitung "Wirtschaftsblatt", Hans Gasser. 30 Prozent des Webangebots habe man für den Gratisverkehr geschlossen, trotzdem seien die Nutzerzahlen weiter gestiegen. "Die Entwicklung des Internet ist das Beste, was der Zeitungsbranche passieren konnte", artikulierte Gasser, der zugleich Vorsitzender des österrischen Zeitungsverlegerverbandes ist.
Marc Walder, CEO Ringier Schweiz und Deutschland, glaubt nicht an eine Paid Content-Schranke im stationären Internet. Ringier verfolge eine "total audience"-Strategie. Es gehe darum, viele Zielgruppen und hohe Reichweiten zu erzielen und diese zu vermarkten. Das erwarte auch der Werbemarkt. Den Werbeagenturen warf Walder vor, die neuen Möglichkeiten des Internets verschlafen zu haben. Bisher gebe es keine innovativen und kreativen Lösungen von den Agenturen, die deshalb stark unter Druck stünden.
Neben der Digitalisierung sei die Diversifizierung die zweite grosse Herausforderung für jeden Verlag. Ringier setze dabei unter anderem auf E-Commerce und Entertainment wie das Ticketgeschäft, um neue Erlösströme zu erschliessen. "Weil Ringier so diversifiziert ist und die Erlösströme somit ausgeglichener sind, schlafe ich wohl etwas ruhiger, als viele meiner Kollegen", meinte Walder. Die derzeitige App-Economy erachtet er als "Übergangsphänomen". "Die vollautomatische Aufbereitung des Content auf jeglich-möglichen Device ist bloss noch eine Frage der Zeit", so Marc Walder.
Etwas exotisch in der Gipfelrunde wirkte XING-Gründer und CEO Cinco Capitol, Lars Hinrichs, der sich auf Nachfrage von Moderator Frank Thomsen (Chefredakteur stern.de) klar dazu bekannte, dass er bis auf die Zeit, die er im Flugzeug verbringe, keine auf Papier gedruckten Medien mehr nutze. Allerdings ermunterte er die Verlage, ihre digitalen Inhalte nicht länger zu verschenken, sondern zu verkaufen.

