08.01.2017

Fake News

Medien gehen gegen falsche Informationen vor

Über 40 Medien und Web-Konzerne schliessen sich zu einem globalen Netzwerk namens «First Draft Coalition» zusammen. Wie eine Umfrage von persoenlich.com zeigt, sind Schweizer Medien nicht dabei. Auch das Bakom winkt ab. Es habe bei Fake News keine Handhabe.
Fake News: Medien gehen gegen falsche Informationen vor
Das Bündnis «First Draft Coalition» will Fakten schneller checken und Falschmeldungen enttarnen. (Bild: Facebook via AP)
von Claudia Maag

Medien organisieren sich im Kampf gegen falsche Informationen. In einem globalen Netzwerk namens «First Draft Coalition» schliessen sich über 40 Medien und Web-Konzerne zusammen, wie meedia.de weiss. Das Bündnis will Fakten schneller checken und Falschmeldungen enttarnen. 

Das Netzwerk von First Draft wurde im September 2016 gestartet. In den vergangenen Monaten verdoppelte sich die Anzahl Mitglieder. Mittlerweile sind beispielsweise Associated Press, ABC News, BBC News, Bloomberg, Dataminr, «The Guardian», NBC, NowThis und Sky News an Bord. Auch deutsche Medien sind dabei, zum Beispiel die dpa oder Zeit Online.

Doch in der Liste sucht man Schweizer Medien vergebens. Warum ist das so? persoenlich.com hat in den grossen Medienhäusern nachgefragt.

«Unsere Medien nehmen bisher nicht aktiv teil und uns wäre auch nicht bekannt, dass sich andere Schweizer Medien beteiligen», sagt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer. Ein offensiver, aber kritischer Umgang mit den immer wichtiger werdenden Quellen in sozialen Medien sei positiv und alle Initiativen die helfen, das Bewusstsein dafür zu schärfen, seien grundsätzlich zu begrüssen. Nachrichten zu verifizieren, Quellen zu prüfen und keine Falschmeldungen zu verbreiten, gehöre aber unabhängig davon zur Kernaufgabe jeder Redaktion.

Bei AZ Medien konnte man innert zwei Tagen keine Rückmeldung geben.

«Auch wenn aktuell kein Thema, schliessen wir den Beitritt grundsätzlich nicht aus, da wir alle Bemühungen gegen Fake News begrüssen», sagt SRF-Mediensprecher Stefan Wyss. Ihre Anstrengung gegen Fake News seien einerseits, wie bisher, die sorgfältige Quellenverifikation. «Dazu kommen neue Verifikations-Tools insbesondere im Social-Media-Bereich, wie zum Beispiel die Plattform Storyful, die wir gezielt einsetzen, um News zu verifizieren», so Wyss weiter.

Bei der NZZ sei man bei der «First Draft Coalition» nicht dabei, «weil wir gute interne Mechanismen und eine genügend grosse Redaktion haben, um Informationen kritisch zu prüfen», sagt Sprecherin Myriam Käser. Es sei auch nicht so, dass die NZZ einen rasanten Anstieg falscher Meldungen feststellen würde. Propaganda und interessengeleitete Informationen habe es schon immer gegeben. «Diesen nicht auf den Leim zu gehen, gehört seit jeher zum täglichen Handwerk unserer Redaktion», so Käser.

Zur UBI bei Fake News

Auch auf Stufe Bund sind «Fake-News» kein Thema, wie die «Schweiz am Sonntag» schreibt. Bakom-Sprecher Reto Hügli sagt gegenüber der Zeitung, man habe dafür keine rechtliche Handhabe. «Weder im Fernmeldegesetz noch im Radio- und Fernsehgesetz sind Bestimmungen zu finden, die uns eine Eingriffsmöglichkeit in solchen Fällen geben», sagt Hügli.

Er weist aber darauf hin, dass für den Fall, dass «Fake-News» über Radio und Fernsehen verbreitet würden, die Möglichkeit zur Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) bestehe. 



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