21.05.2020

Presseschau

Medien gehen mit Lauber hart ins Gericht

Das Amtsenthebungsverfahren gegen Bundesanwalt Michael Lauber, das die Gerichtskommission von National- und Ständerat am Mittwoch eingeleitet hat, findet in den Medien zwar Anerkennung, greift jedoch aus Sicht der Kommentatoren zu kurz. Eine Freistellung sei längst überfällig.
Presseschau: Medien gehen mit Lauber hart ins Gericht
Für Bundesanwalt Michael Lauber wird die Luft dünner und dünner: Nachdem er im Herbst die Wiederwahl nur knapp geschafft hat, läuft nun ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn – wegen Verdachts auf schwere Amtspflichtverletzung. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Neue Zürcher Zeitung

Trotz schwerwiegender Vorwürfe könne Lauber nach wie vor schalten und walten, wie er wolle, schreibt die NZZ in einem Kommentar, der bereits vor dem Entscheid der Gerichtskommission verfasst worden ist. Eine Freistellung Laubers bei Lohnfortzahlung sei kein abschliessendes Verdikt. Aber sie würde zumindest gewährleisten, dass keine Akten verschwinden und keine Mitarbeiter beeinflusst würden. Die NZZ sieht nicht zuletzt in der Causa Lauber ein Kompetenzvakuum in Sachen Zuständigkeit. Solange Lauber niemand Einhalt gebiete, werde er die Behörden weiter vor sich her treiben und der Schweizer Justiz weiteren Schaden zufügen.



Radio SRF

Michael Lauber müsse nun entscheiden, ob ihm seine Person wichtiger sei als die Institutionen, kommentiert das Schweizer Radio SRF die jüngste Entwicklung in dieser Affäre. Nachdem die Fifa-Verfahren verjährt und das Ansehen der Schweizer Strafverfolgungsbehörden beschädigt sei, stelle sich die Frage, was dies für die Glaubwürdigkeit der Institutionen bedeute, wenn an der Spitze der Bundesanwaltschaft ein Mann stehe, gegen den ein Verfahren um Amtsenthebung laufe. Bei der Anhörung vor der Gerichtskommission habe sich Lauber laut Mitgliedern dieser Kommission uneinsichtig gezeigt. Er soll alle Vorwürfe der Aufsichtsbehörde zurückgewiesen haben. Radio SRF betont jedoch ebenfalls, dass Lauber wie jeder Angeschuldigte Recht auf ein faires Verfahren habe.



CH Media

Die Gerichtskommission habe es versäumt, wirklich durchzugreifen, schreibt der Kommentator des Medienverbundes CH Media. Dass die Kommission nicht die sofortige Beurlaubung von Lauber bis zum Abschluss des Amtsenthebungsverfahrens in die Wege leite, sei ein grober Fehler. Die Kommission lade den Amtsinhaber geradezu ein, in den nächsten Wochen und Monaten sein Erbe zu schönen und Spuren von Aktivitäten zu beseitigen, die ein unschönes Licht auf ihn werfen würden. Die Tatsache, dass Lauber nicht freigestellt worden sei, sei eine verpasste Chance, Ruhe in die Behörde zu bringen und wieder für geordnete Verhältnisse in der Strafverfolgung zu sorgen. (sda/cbe)



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