Für Kurt W. Zimmermann, Chefredaktor des «Schweizer Journalist» und Medienkritiker der «Weltwoche», ist klar: zentralisierte Zeitungsredaktionen, wie es die Tamedia plant, «fördern Qualität und Meinungsvielfalt». Kaum habe die Tamedia ihr neues Modell vorgestellt habe, so Zimmermann in der aktuellen «Weltwoche», sei das übliche Protestgeheul losgegangen. Die Medienpolitiker der Nation hätten einen üblen Zerfall der Meinungsvielfalt beklagt. Nun ist es seit je die Eigenart unserer Medienpolitiker, so der «Weltwoche»-Medienkritiker, dass sie von Medien keinen Schimmer hätten. Das sei auch diesmal so gewesen.
Gewaltige Mittel und enorme journalistische Feuerkraft
In Wirklichkeit stärke die Fusion der Tamedia-Redaktionen den kritischen Journalismus, folgert Zimmermann. Speziell der Recherchejournalismus profitiere, da anstelle von kleinen, zersplitterten Redaktionen, die auf diesem Feld oft erfolglos blieben, nun eine zentrale Kampftruppe aufträte, die über «gewaltige Mittel und enorme journalistische Feuerkraft» verfüge. Auch andere Medienhäuser hätten diese Erfahrungen gemacht. Zimmermann verweist dabei auf das Schweizer Fernsehen, Ringier mit seinem integrierten Newsroom und die NZZ-Gruppe, die die Redaktionen des «St. Galler Tagblatts» und der der «Luzerner Zeitung» verschmolzen hätten. Zimmermann glaubt zudem, dass diese Einheitsredaktionen für die Leser kein Problem seien, da sie statistisch gesehen ohnehin nur eine Zeitung läsen.
Politiker lesen gratis und meckern
Bereits am Wochenende äusserte sich Zimmermann in der «SonntagsZeitung» über geplanten Tamedia-Redaktionen (Artikel online nicht verfügbar). «Diese Zentralisierung ist zwingend. Verlage müssen journalistische Synergien finden, wenn sie überleben wollen», schreibt er in einem Gastkommentar. Überhaupt, nur Politiker würden mehr als eine Zeitung lesen, weil sie die Abos gratis erhalten würden. «Die Gratis-Abonnenten aus der Politik meckern dann, was die Verlagshäuser alles falsch machen», so Zimmermann weiter. (ma/cbe)
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01.09.2017 10:00 Uhr
31.08.2017 13:32 Uhr

