28.03.2002

Jean Frey-Deal

Medienszene und Gewerkschaften reagieren kritisch

"So werden Journalisten zu Objekten".

Ob die neuen Besitzer der Jean Frey AG einen neuen Verlagskurs steuern, zeichnet sich frühestens in zwei Monaten ab, wenn der neue Verwaltungsrat gewählt wird. Vorerst reagieren die Medienszene und Gewerkschaften zurückhaltend bis kritisch. Für die Geschäftsführerin des Verbandes Schweizer Presse, Eva Keller, hat die Swissfirst ihren Auftrag, Investoren zu finden, zwar erfüllt. Aber transparent sei die Sache noch nicht. Bei unbekannten Aktionäre stelle sich schnell die Frage nach Hintermännern. Wichtig wäre zudem, so schnell wie möglich zu wissen, wer VR-Präsident und wer im Verwaltungsrat Einsitz nehmen wird.

"Wenn der Berner Verleger Charles von Graffenried richtungsweisend wäre für die neue Ausrichtung der Jean Frey AG, wäre ich beruhigt", sagte Medienwissenschaftler Roger Blum. Noch lasse sich aber aus dem bekannt gegebenen Aktionariat kein neuer Verlagskurs ableiten. Zwar seien viele Aktionäre trotz Bekanntgabe der Namen unbekannt. Immerhin wisse man nun aber, dass nicht der Vatikan oder der CIA die Jean Frey AG übernommen hätten, witzelte er. Da sich das neue Aktionariat vorwiegend aus Leuten ohne Medienerfahrung zusammensetze, stehe noch in den Sternen, ob es ihnen gelänge, den Verlag wieder in Fahrt zu bringen.

Scharfe Kritik kommt von seiten der Medienschaffenden. "Dies ist ein schwarzer Tag für uns", sagt Alberto Cotti, Co-Präsident des Schweizer Verbands der Journalistinnen und Journalisten (SVJ). Es seien Aktionäre aus dem Finanzbereich und nicht aus der Branche. Cotti befürchtet, dass die Unabhängigkeit der Jean Frey AG nicht gewährleistet ist. "So werden Journalisten zu Objekten". Es sei zwar gut, dass man endlich eine gewisse Transparenz schaffe, sagt SVJ-Zentralsekretär Alexander Sami. Doch die Situation für die Jean Frey AG bleibe weiterhin schwierig. Beim SVJ sorgt man sich um die Arbeitsplätze. "Nun muss der Fokus wieder auf die journalistische Arbeit gelenkt werden". Man müsse abwarten und schauen, welche Politik betrieben wird.

Da es sich auch um mehrere branchenfremde Aktionäre handelt, hofft Serge Gnos, Zentralsekretär Presse der comedia, dass die Investoren den Titeln Zeit geben, um sich erholen zu können. Gefährlich werde es, wenn die betroffenen Titel zu Objekten von Finanzspekulationen werden. "Im Verlagsgeschäft braucht es langfristige Investitionen, dessen müssen sich die neuen Aktionäre bewusst sein." Gnos findet es sehr bedauerlich und fragwürdig, dass 20 Prozent der Aktionäre nicht genannt werden wollen, Die Unabhängigkeit der betroffenen Titel müsse gewährleistet werden. Das habe Priorität.


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen