01.02.2022

NZZ am Sonntag

Michael Furger geht zum Uvek

Der 48-jährige Hintergrund-Chef hat nach 18 Jahren im Haus NZZ gekündigt. «Man sollte es sich auf seinem Posten nicht zu bequem einrichten», sagt er auf Anfrage dazu. Ab Mai wird er Kommunikationschef des Bundesamts für Raumentwicklung.
NZZ am Sonntag: Michael Furger geht zum Uvek
«Das Hintergrund-Ressort der NZZ am Sonntag ist für mich einer der besten Orte im Schweizer Journalismus, und dieses Ressort zu leiten, war ein Privileg», sagt Michael Furger. (Bild: Claudia Furger)
von Tim Frei

Nach fast sechs Jahren als Leiter des Hintergrund-Ressorts, insgesamt 14 Jahren bei der NZZ am Sonntag und deren 18 im Hause NZZ, hat Michael Furger per Ende April gekündigt: «Es ist ein fantastischer Beruf und die NZZ am Sonntag eine grossartige Zeitung. Aber ich bin auch ein neugieriger Mensch, der sich weiterentwickeln möchte», sagt Furger auf Anfrage von persoenlich.com.

Der Wunsch, seine Erfahrung und Ideen in einem anderen Feld der Medien- und Kommunikationsbranche auszuspielen, sei immer stärker geworden. «Ich werde in ein paar Wochen 49 Jahre alt und habe jetzt eine tolle Möglichkeit bekommen. Ich sagte mir: Wenn ich noch mal etwas Neues machen will, dann ist das jetzt der richtige Zeitpunkt.»

Wechsel in Chefredaktion spielten keine Rolle

Sowohl der Abgang von Peter Hossli im Hintergrund-Ressort als auch die Berufung in die NZZaS-Chefredaktion von Anja Burri und Gordana Mijuk haben laut Furger «gar keine Rolle» für den Entscheid gespielt. «Mein Entschluss, die NZZ am Sonntag zu verlassen und etwas Neues zu machen, ist bereits lange vorher festgestanden. Das Bewerbungsverfahren für meine neue Stelle war zum Zeitpunkt der Ernennung von Anja Burri und Gordana Mijuk auch bereits abgeschlossen.»

Er betont, dass er sich sehr für Anja und Gordana freue: «Es sind zwei hervorragende Journalistinnen, die ich beide schon sehr lange kenne und schätze. Ihre Ernennung ist absolut verdient. Und Peter ist für die Journalistenschule einen Traumbesetzung.» 

Noch 16 Berufsjahre vor sich

Überhaupt findet er über das Hintergrund-Ressort der NZZ am Sonntag nur lobende Worte: «Es ist für mich einer der besten Orte im Schweizer Journalismus, und dieses Ressort zu leiten, war ein Privileg. Erstens wegen des Teams von herausragenden Journalistinnen und Journalisten, zweitens wegen der einmaligen Möglichkeiten und Freiheiten, die dort vorhanden sind.»

«Aber», so Furger weiter, «man sollte es sich auf einem derartigen Posten auch nicht zu bequem einrichten». Er habe noch 16 Berufsjahre vor sich. «Mir war schon lange klar, dass ich nicht als Hintergrundchef in Pension gehen werde», sagt der Journalist.

Von seiner langjährigen Zeit bei der NZZ am Sonntag, die in ein paar Wochen 20-jährig wird, nimmt Furger insbesondere den «Teamspirit» und die «Anpacker-Mentalität» mit. «Die Chefredaktoren Felix E. Müller, Luzi Bernet und Jonas Projer haben es verstanden, diese Redaktion mit neuen Projekten immer unter Spannung zu halten. Das ist anspruchsvoll, aber letztlich ein wichtiger Teil des Erfolges», sagt Furger.

«Beim ARE ist man offen für kreative Ansätze»

Per 1. Mai wird Furger Kommunikationsleiter im Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) beim Departement Uvek. Auf die Frage, was ihn an dieser neuen Herausforderung reizt, sagt er: «Das ARE beschäftigt sich mit zentralen Zukunftsfragen dieses Landes: Wie sieht unsere Mobilität von morgen aus? Wie und wo wohnen wir in Zukunft? Wie leben wir nachhaltig? Wie schützen wir das Klima? Im ARE werden dafür die Grundlagen und Instrumente erarbeitet. Diese Informationen in die Öffentlichkeit zu tragen und in gute Geschichten zu verpacken, ist eine total spannende Aufgabe.»

Er habe im Bundesamt für Raumentwicklung die Möglichkeit, die Kommunikation in allen Bereichen weiterzuentwickeln und zu erneuern. «Man ist dort offen für kreative Ansätze, und ich kann meine Ideen und Erfahrungen auf einem ganz neuen Feld ausspielen.» Darauf freue er sich sehr.

Michael Furger lancierte seine journalistische Laufbahn als Inlandredaktor bei der Schweizerischen Depeschenagentur SDA (2000 bis 2004). Die nächsten vier Jahre war er für die NZZ als Redaktor im Ressort Zürich und Region tätig. 2008 folgte der hausinterne Wechsel zur NZZ am Sonntag als Redaktor ins Hintergrundressort, 2016 stieg er zum Ressortleiter auf. Furger, seit 2007 Lehrbeauftragter an der Universität Zürich in Medienwissenschaften und seit 2021 Mitglied des Presserats, studierte Germanistik und Geschichte in Zürich und Salzburg.



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Kommentare

  • Rudolf Bolli, 07.02.2022 12:28 Uhr
    Michael Furger outete sich in der "NZZ am Sonntag" vom 14. Juli 2019 als überzeugter Wahl- und Abstimmungsabstinent mit folgender Begründung: "Regierung, Parlament, Parteien und das Stimmvolk bilden in der Schweiz ein System der politischen Entscheidungsfindung," Journalisten seien Informationsvermittler in diesem System. Sie agierten zwischen den politischen Akteuren und könnten nicht gleichzeitig Vermittler und Akteure des Systems sein. Nun wechselt er also seine Rolle im System. Wird er sich jetzt wieder das Wahl- und Simmrecht erteilen? Wie auch immer: Es sei ihm Glück gewünscht.
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