15.02.2026

SRG

Millioneneinsparung dank günstigerer Software

Wegen steigender Lizenzpreise hat die SRG ihre Adobe-Software durch Alternativen ersetzt. Derweil hat Microsoft dem Unternehmen günstigere Konditionen gewährt. Auf diese Weise spart das Unternehmen ohne Abbau bei Programm und Personal.
SRG: Millioneneinsparung dank günstigerer Software
Affinity statt Adobe auf dem linken Bildschirm, Microsoft bleibt auf dem rechten Bildschirm. (Bild: KI-generiert mit Google/Nano Banana)

Seit Januar heisst es umlernen. Das Personal der SRG nutzt für Bild-, Video- und Audiobearbeitung künftig nicht mehr die Software von Adobe, sondern günstigere Alternativen. Um Kosten zu sparen, hat sich das Unternehmen entschieden, auf Programme wie Photoshop, Illustrator oder Premiere zu verzichten. Stattdessen kommen nun Produkte von Affinity und DaVinci Resolve zum Einsatz.

Trotz intensiver Verhandlungen habe man mit Adobe «keine akzeptable Lösung gefunden», schreiben die Verantwortlichen Ende Januar ins Intranet. «In der aktuellen finanziellen Situation sind wir deshalb gezwungen, wo immer möglich, auf kostengünstigere Alternativen umzusteigen.» Die SRG versuchte offenbar erfolglos, eine Preiserhöhung um 30 Prozent abzuwenden. Mit dem Wechsel weg von Adobe hin zu günstigerer Software kann die SRG nach eigenen Angaben ab 2027 pro Jahr rund eine Million Franken einsparen.

«Über Verhandlungen eine Kostenreduktion erreicht»

Anders als mit Adobe hat die SRG mit Microsoft eine Lösung gefunden. «Letztes Jahr ist es tatsächlich gelungen, über Verhandlungen eine Kostenreduktion zu erreichen», teilt die Medienstelle der SRG auf Anfrage von persoenlich.com mit. Das betrifft insbesondere die Lizenzen für Microsoft 365, die Cloud-basierte Produktivitätssuite.

Die Einigung ist insofern bemerkenswert, als dass Microsoft nicht eben im Ruf steht, seine Preise zu senken. Im Gegenteil: Seit Mitte Januar ermittelt das Sekretariat der Wettbewerbskommission gegen den US-Konzern wegen zahlreicher Preiserhöhungen.

Dass die SRG trotzdem von tieferen Lizenzkosten profitiert, liegt daran, dass Microsoft das Medienunternehmen neu als Non-Profit-Organisation (NPO) einstuft. Das schrieb SRG-Technologiechef Andreas Jenni im Intranet auf Nachfrage von Mitarbeitenden. Was das genau bedeutet, lässt die SRG unbeantwortet. «Über Dauer und Details einzelner Verträge können wir nicht genauer Auskunft geben», erklärt dazu die Medienstelle lediglich. Microsoft will nicht einmal die Gewährung des NPO-Status bestätigen, geschweige denn sonst irgendwelche Fragen beantworten.

Bis zu 75 Prozent Rabatt auf Listenpreis

Klar ist so viel: NPO-Kunden profitieren von massiven Rabatten. Microsoft gewährt ihnen einen Preisnachlass von bis zu 75 Prozent auf den Listenpreis. Gemäss Schätzungen basierend auf öffentlich zugänglichen Daten kann die SRG damit ihr Budget um rund 1,5 Millionen Franken pro Jahr entlasten und zahlt nur noch etwa die Hälfte der bisherigen rund 3 Millionen Franken. Ohne den NPO-Status hätte die SRG mit höheren Preisen für die Plattformen und Dienste von Microsoft rechnen müssen. Ende 2025 hat das Unternehmen seine Preisstruktur für Grosskunden gegen oben angepasst.

Dass die SRG als Gegenleistung für die Gewährung des preislich vorteilhaften NPO-Status eine längere Vertragsdauer akzeptiert hat, liegt zwar auf der Hand. Die Parteien bestätigen das aber nicht. Unabhängig davon profitieren beide Seiten: Microsoft kann einen Grosskunden halten, während andere abzuspringen drohen wegen Preiserhöhungen und datenschützerischen Bedenken. Und die SRG spart einen Millionenbetrag, ohne dafür Programm oder Personal abbauen zu müssen.


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KOMMENTARE

Jackie Jackson
16.02.2026 10:13 Uhr
@Bernie: Einzelne zentralisierte Abteilungen werden weiterhin mit Adobe Tools arbeiten, weil es schlicht an Alternativen fehlt. Aber die grosse Masse wird umstellen, was auch sinnvoll ist.
Bernhard Huber
16.02.2026 08:15 Uhr
Das klingt erst einmal mutig. Auch ich habe mich vor ein paar Monaten mit einem Umstieg beschäftigt. Aber ist das wirklich zu Ende gedacht? Ja, die Adobe Creative Cloud ist teuer. Und Affinity wirkt preislich attraktiv – zumindest solange man keine KI-gestützten Funktionen benötigt. Doch was ist mit dem Know-how, das man sich über Jahre oder gar Jahrzehnte aufgebaut hat? Dieser Erfahrungsschatz ist realer wirtschaftlicher Wert. Und die bestehenden Datenbestände? Templates, Presets, Automationen, Workflows – all das lässt sich nicht per Knopfdruck migrieren. Der Re-Setup-Aufwand summiert sich schnell auf Hunderte oder Tausende Stunden. Und schliesslich: Was ist mit Adobe After Effects? Ist Blackmagic Fusion im Broadcast-Umfeld tatsächlich eine gleichwertige Alternative? Ein Softwarewechsel ist nicht nur eine Lizenzfrage. Es ist eine betriebswirtschaftliche Entscheidung.
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