Seit Januar heisst es umlernen. Das Personal der SRG nutzt für Bild-, Video- und Audiobearbeitung künftig nicht mehr die Software von Adobe, sondern günstigere Alternativen. Um Kosten zu sparen, hat sich das Unternehmen entschieden, auf Programme wie Photoshop, Illustrator oder Premiere zu verzichten. Stattdessen kommen nun Produkte von Affinity und DaVinci Resolve zum Einsatz.
Trotz intensiver Verhandlungen habe man mit Adobe «keine akzeptable Lösung gefunden», schreiben die Verantwortlichen Ende Januar ins Intranet. «In der aktuellen finanziellen Situation sind wir deshalb gezwungen, wo immer möglich, auf kostengünstigere Alternativen umzusteigen.» Die SRG versuchte offenbar erfolglos, eine Preiserhöhung um 30 Prozent abzuwenden. Mit dem Wechsel weg von Adobe hin zu günstigerer Software kann die SRG nach eigenen Angaben ab 2027 pro Jahr rund eine Million Franken einsparen.
«Über Verhandlungen eine Kostenreduktion erreicht»
Anders als mit Adobe hat die SRG mit Microsoft eine Lösung gefunden. «Letztes Jahr ist es tatsächlich gelungen, über Verhandlungen eine Kostenreduktion zu erreichen», teilt die Medienstelle der SRG auf Anfrage von persoenlich.com mit. Das betrifft insbesondere die Lizenzen für Microsoft 365, die Cloud-basierte Produktivitätssuite.
Die Einigung ist insofern bemerkenswert, als dass Microsoft nicht eben im Ruf steht, seine Preise zu senken. Im Gegenteil: Seit Mitte Januar ermittelt das Sekretariat der Wettbewerbskommission gegen den US-Konzern wegen zahlreicher Preiserhöhungen.
Dass die SRG trotzdem von tieferen Lizenzkosten profitiert, liegt daran, dass Microsoft das Medienunternehmen neu als Non-Profit-Organisation (NPO) einstuft. Das schrieb SRG-Technologiechef Andreas Jenni im Intranet auf Nachfrage von Mitarbeitenden. Was das genau bedeutet, lässt die SRG unbeantwortet. «Über Dauer und Details einzelner Verträge können wir nicht genauer Auskunft geben», erklärt dazu die Medienstelle lediglich. Microsoft will nicht einmal die Gewährung des NPO-Status bestätigen, geschweige denn sonst irgendwelche Fragen beantworten.
Bis zu 75 Prozent Rabatt auf Listenpreis
Klar ist so viel: NPO-Kunden profitieren von massiven Rabatten. Microsoft gewährt ihnen einen Preisnachlass von bis zu 75 Prozent auf den Listenpreis. Gemäss Schätzungen basierend auf öffentlich zugänglichen Daten kann die SRG damit ihr Budget um rund 1,5 Millionen Franken pro Jahr entlasten und zahlt nur noch etwa die Hälfte der bisherigen rund 3 Millionen Franken. Ohne den NPO-Status hätte die SRG mit höheren Preisen für die Plattformen und Dienste von Microsoft rechnen müssen. Ende 2025 hat das Unternehmen seine Preisstruktur für Grosskunden gegen oben angepasst.
Dass die SRG als Gegenleistung für die Gewährung des preislich vorteilhaften NPO-Status eine längere Vertragsdauer akzeptiert hat, liegt zwar auf der Hand. Die Parteien bestätigen das aber nicht. Unabhängig davon profitieren beide Seiten: Microsoft kann einen Grosskunden halten, während andere abzuspringen drohen wegen Preiserhöhungen und datenschützerischen Bedenken. Und die SRG spart einen Millionenbetrag, ohne dafür Programm oder Personal abbauen zu müssen.
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16.02.2026 10:13 Uhr
16.02.2026 08:15 Uhr

