23 Jahre lang war Roland Steffen bei der Publicitas tätig, zuletzt als Leiter der Filiale Aarau. Doch Ende 2005 kam es zum Bruch. Noch vor der Neuausrichtung der PubliGroupe kehrte er seinem Arbeitgeber enttäuscht den Rücken, da er - anders als ihm zunächst in Aussicht gestellt - die Filiale in Basel nicht übernehmen durfte. Als er kurz danach mit dem früheren BZM-CEO Beat Meyer in Kontakt kam, erkannte dieser Steffens Potenzial und holte ihn zur BZM. Ein lautes Krachen im BZM-Gebälk war allerdings die Folge, denn Steffen wurde dem langjährigen BaZ-Verlagsleiter Daniel Sommer direkt vor die Nase gesetzt, worauf letzterer den Hut nahm.
30 Millionen für die BZM
Steffens Antritt bei der BZM legte auch den Grundstein für das Zerwürfnis zwischen BZM und P, denn mit ihm wechselte eine ganze Reihe weiterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der P Aarau ebenfalls nach Basel. Was der P aber noch mehr weh tat: Steffen nahm mehrere grosse Werbekunden (darunter Ottos) mit, die sich aufgrund eines persönlichen Vertrauensverhältnisses ausschliesslich von ihm und seinem Team betreuen lassen wollten. Das führte dazu, dass Steffen bei der BZM nicht nur als Verlagsleiter für BaZ und Gratiszeitung Baslerstab zuständig wurde, sondern auch seine bisherige Tätigkeit Inseratevermittlung und Mediaplanung unter dem Dach der BZM weiter führte und heute noch führt. Und zwar im Rahmen der Key Media AG, einer 100prozentigen BZM-Tochter. «Mit Key Media haben wir für Herrn Steffens Kundschaft ein juristisches Gefäss geschaffen», erklärte der frühere BZM-Verleger Matthias Hagemann einst. In ihrem ersten vollen Geschäftsjahr (2005/06) generierte Key Media bereits Einnahmen von 13,5 Millionen Franken und warf auch Gewinn ab. Im Geschäftsjahr 2008/09 brachte sie es dann auf rund 30 Millionen Franken Umsatz.
Archithekt der BaZ-Eigenregie
Als 2007 die Beziehung zur PubliGroupe (zu der auch persoenlich.com gehört) vollends zerbrach und die BZM den eben erneuerten Pachtvertrag nach nur einem Jahr wieder aufkündigte, leitete Roland Steffen tatkräftig den Aufbau der BZM-Eigenregie in die Wege. Auch das ging nicht ohne Nebengeräusche ab, denn die PubliGroupe tat sich schwer mit dem Verlust ihrer wichtigsten Einnahmequelle in der zweitwichtigsten Wirtschaftsregion der Schweiz. Schliesslich aber war es soweit: Die BZM startete 2008 in die Eigenvermarktung - und auch ins grosse Krisenjahr. Doch obwohl die BZM ihr Geschäftsjahr 2008/09 tiefrot abschloss, war Steffens Eigenregie-Projekt dennoch ein Erfolg. Verleger Hagemann sagte es im Juni 2009 so: «Die Eigenregie hat sich mit 100prozentiger Sicherheit gelohnt, vor allem wegen unserer intensiven Marktbearbeitung. Wenn Sie die BaZ heute durchblättern, sehen Sie sowohl lokale als auch nationale Kunden, die wir früher nie hatten. Ohne Eigenregie wäre unser Resultat somit bedeutend schlechter ausgefallen.» Hagemann sprach damit Steffen ein kräftiges Lob aus. Und dieses wird nun mit Steffens Ernennung zum CEO auch vom neuen BZM-Verwaltungsrat deutlich bestätigt.
Neuer Kapitän, aber weiterhin unbekanntes Ziel
Doch auch mit Steffen auf dem Chefposten bleibt weiterhin unklar, wohin das Unternehmen BZM künftig steuert und welche neuen Ertragsquellen ihm eröffnet werden sollen und können. Letztere wären dringend nötig. Denn die Eigenregie brachte noch keine Trendumkehr. Vielmehr verliert das Flaggschiff BaZ seit 2008 konstant Inserate. Auch in den ersten neun Monaten 2010 lag sie zwei Prozent unter Vorjahr. Kommt dazu, dass die Zeitung selbst an Boden verliert. So verlor das Blatt trotz oder wegen des Besitzerwechsels erneut an Auflage: Gemäss Wemf-Statistik ging die Zahl der vollbezahlten Abos gegenüber Vorjahr sogar deutlich zurück. Bloss bei den billig abgegebenen Probeabonnements konnte die BaZ zulegen.
(Text: Markus Knöpfli)

