11.01.2016

Ghostwriting

"NZZ Campus" kritisiert "Rundschau"-Beitrag

So schlimm, wie im Fernsehbeitrag gezeigt, sei die Lage bezüglich Ghostwriting gar nicht, relativiert das Studierendenmagazin.
Ghostwriting: "NZZ Campus" kritisiert "Rundschau"-Beitrag

"Gekaufte Doktoren" – der unter diesem Titel erschienene Beitrag der "Rundschau" von letzter Woche widmete sich dem Thema Ghostwriting. Immer mehr Studenten würden für fremde Hilfe bezahlen, bis zu 4'000 Franken für Abschlussarbeiten. 2015 seien 200 Aufträge von Studierenden aus der Schweiz gekommen, berichtet eine Ghostwriting-Agentur. Bildung als Geschäftsmodell? Der SRF-Beitrag schlägt hohe Wellen – Medien wie "Blick", "20 Minuten“ oder die "Neue Zürcher Zeitung“ nehmen das Thema auf.

Kein Massenphänomen

Auch das Studierendenmagazin "NZZ Campus" berichtet, relativiert jedoch: Ghostwriting existiert, aber nicht als Massenphänomen. Wenn tatsächlich 200 Fälle vorzuweisen seien, wären das alleine in der Universität Zürich ein Anteil von 0,8 Prozent. Diese Zahl unterscheidet sich von stark den 10 bzw. 50 Prozent, die sich laut Plagiats-Expertin Michelle Bergadaa "helfen lassen“ – "wobei offen bleibt, was mit 'helfen lassen’ gemeint ist“, wie "NZZ Campus" schreibt.

Strafrechtliche Verfolgung

Weiter entstehe laut dem Heft das Bild, dass sich die Universitäten aus der Verantwortung ziehen würden. Im Film verweist die "Rundschau" auf einen Brief, in welchem sich ein Student mit einem Fall von Ghostwriting an die HSG wendet. Die vom Fernsehen zitierte Antwort des Rektors lautet: "Wir rufen Sie auf, Ihnen bekannte Vergehen den zuständigen Strafverfolgungsbehörden direkt zu melden". Dieses Zitat als Beleg dafür, dass die Unis wenig unternehmen, reicht NZZCampus nicht. Autor Robin Schwarzenbach weist darauf hin, dass im gesamten Schreiben das Verantwortungsbewusstsein der Uni durchaus deutlich werde.

Nur die wenigsten würden bezahlen, Ghostwriting sei zwar leider die harte Realität, heisst es im Beitrag weiter. "Doch von den Dimensionen, die dem Fernsehpublikum am Mittwochabend vorgeführt wurden, sind die Schweizer Hochschulen – und mit ihnen ihre Studierenden – zum Glück weit entfernt“, schlussfolgert das Studierendenmagazin. Denn: Nur für die wenigsten Studierenden komme ein Abschlusskauf in Frage.

Ob Einzelfälle oder Massenphänomen: Die Rundschau-Recherche führte dazu, dass die Universität St.Gallen Strafanzeige gegen die Agentur "Acad Write" einreichte. Dies wurde im Beitrag der "Rundschau" thematisiert. Und einige Tage später war in den Medien auch über die Einreichung einer Strafanzeige der Universität Bern zu lesen. (sg)
 

Bild: Screenshot "Rundschau"

 

 

 
 
 

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