11.01.2023

Dreikönigstagung

Oberwallis setzt auf menschliche Intelligenz

Der Bot «ChatGPT» zeigt aktuell, zu was künstliche Intelligenz in der Lage ist. Auch der Journalismus könne von dieser Entwicklung profitieren, so das Fazit eines Panels am Neujahrstreffen. Über 200 Gäste verfolgten die Diskussion, die mitunter für einen Lacher sorgte.
Dreikönigstagung: Oberwallis setzt auf menschliche Intelligenz
Menschliche Intelligenz vs. künstliche Intelligenz: Christian Bärenfaller, CEO Pomona Media, und Ursula Nötzli, Chief Communications & Sustainability Officer TX Group, im Gespräch. (Bilder: Usgang.ch/Oliver Rüesch)

«Künstliche Intelligenz wird dieses Jahr richtig zum Durchbruch kommen. Da müssen wir uns gut darum bemühen, dass das für uns eine Chance wird», so Ladina Heimgartner, Head Global Media von Ringier und CEO der Blick-Gruppe. Sie antwortete damit an der Panel-Diskussion «Aktuelle Herausforderungen der Medienbranche» auf die Frage des Moderators Hugo Bigi, welches im laufenden Jahr die aktuellen Markttrends seien. Sie habe vor einigen Wochen die auf künstlicher Intelligenz basierende App «ChatGPT» heruntergeladen und damit experimentiert. «Das wird die Welt verändern, mehr und schneller als Metaverse, Web3 und alles, was letztes Jahr gehypt wurde», so Heimgartner an der 24. Dreikönigstagung vom Mittwoch im Zürcher Aura.

Man könne sich der künstlichen Intelligenz (KI) im Journalismus nicht verschliessen, sagte TX-Group-Kommunikationschefin Ursula Nötzli. Die KI müsse sehr gezielt eingesetzt werden. Erste Erfahrungen habe man bei Tamedia bereits sammeln können. Sie nannte als Beispiel die automatisierten Texte, die seit einigen Jahren an Abstimmungssonntagen von Roboter Tobi verfasst werden (persoenlich.com berichtete). «Dadurch, dass die Texte durch reine künstliche Intelligenz generiert werden, wird eine unheimliche Geschwindigkeit ermöglicht», so Nötzli. Gleichzeitig hätten die Journalisten freie Kapazitäten für das Gesamtbild und die Einordnung der Abstimmungen.

«Meine Hoffnung ist, dass man die künstliche Intelligenz in den Medienhäusern dort einsetzt, wo es wirklich Sinn macht – zum Beispiel, dass man journalistische Kapazitäten frei macht für die Dinge, wo es den Journalismus wirklich braucht», sagte Mark Eisenegger, Direktor des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög). Den Journalismus brauche es, «um in dicke Bretter zu bohren», für das Einordnen, Recherchen zu betreiben oder vor Ort zu sein. Routinetätigkeiten hingegen sollen über künstliche Intelligenz abgewickelt werden. «Ich hoffe einfach, dass künstliche Intelligenz nicht das Argument ist, um weiter Personal im Journalismus abzubauen. Das wäre absolut fatal, wenn man dies als Legitimationsargument nutzen würde», warnte Eisenegger.



Im Wallis scheint man ohnehin lieber auf Personal zu setzen. «Bei uns haben wir den Vorteil, dass vieles über das Kennen und das Wissen läuft, wer was macht», so Christian Bärenfaller, CEO von Pomona Media, der Herausgeberin des Walliser Boten. «Die Connections und die menschliche Intelligenz sind bei uns im Wallis höher als hier in Zürich.» Diese Aussage sorgte für grosse Erheiterung bei den über 200 Vertreterinnen und Vertretern aus Medien, Politik, Behörden und Wirtschaft.

«Ruf der Branche ist abschreckend»

Moderator Hugo Bigi kam im weiteren Verlauf der Diskussion auch auf den Fachkräftemangel zu sprechen und wollte wissen, inwiefern dieser im Journalismus spürbar sei. Ursula Nötzli von der TX Group lenkte mit ihrer Antwort eher in Richtung Nachwuchs: «Es ist auch für uns ein Problem, junge motivierte Personen für diesen Beruf zu begeistern.» Sie sei jedoch überzeugt, dass es nicht am Beruf an sich liege – die journalistische Tätigkeit sei ja etwas Spannendes. «Der Ruf der Branche, die Reputation und die Unsicherheit, wie es überhaupt weitergeht, ist vermutlich für viele junge Leute abschreckend. Wir müssen alle zusammen daran arbeiten, dem Journalismus wieder den Status zu geben, den er eigentlich verdient.»

Im Oberwallis gehe man ganz gezielt auf möglichen Nachwuchs zu und versuche, diesen für den Journalismus zu motivieren, sagte Christian Bärenfaller. «Dann sind sie bei uns, dann werden wir sie ausbilden – und dann gehen sie nach Zürich.» Fachkräfte würden vom Sog der Zentren erfasst.

Schutz vor internationalen Techplattformen im Fokus

Ein grosses Thema an der Dreikönigstagung war auch das Leistungsschutzrecht. Es sei das erste Jahresziel des Verbands Schweizer Medien (VSM), dem Leistungsschutzrecht zum Durchbruch zu verhelfen, sagte der neue Verlegerpräsident Andrea Masüger in seiner Neujahrsansprache.



Nur eine freie, unabhängige Medienlandschaft garantiere eine funktionierende Demokratie, sagte FDP-Parteipräsident Thierry Burkart, der als Hauptreferent geladen war. Es brauche Medien, die über relevante Themen informieren und diese auch pluralistisch einordnen würden. Für diese zentrale Aufgabe und Leistung der Journalistinnen und Journalisten müssten die Medien ihrerseits einen Gewinn erwirtschaften können, um auch langfristig in den Journalismus investieren zu können.

In diesem Zusammenhang ist es für Thierry Burkart klar, dass das geistige Eigentum der Medienschaffenden geschützt sein muss und journalistische Inhalte von Techplattformen nicht ohne Vergütung übernommen werden können. «Auch ein Warenhaus, das im Hintergrund Musik spielt, muss eine Abgabe für Nutzung der Musik zahlen», so Burkart. «Das Leistungsschutzrecht ist notwendig.»



Nach zwei Jahren, in denen die Dreikönigstagung virtuell durchgeführt wurde, schien sich die Medienbrache zu freuen, sich wieder real treffen zu können. Der vom Verlegerverband Schweizer Medien organisierte Anlass fand mit einem Networking-Lunch seinen Abschluss.


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