14.11.2006

Cablecom

Preisüberwacher nur halb zufrieden

Laisser-faire-Politik führt zu technologischem Duopol.

Der Preisüberwacher und Cablecom haben bei den TV-Abonnementspreisen keine einvernehmliche Regelung erzielt. Cablecom hätte gerne mehr herausgeholt. Die Preise für die Jahre 2007 bis 2009 werden Cablecom deshalb nun in Form eines Letters of Intent diktiert.

Bei deren Einhaltung verzichte die Preisüberwachung auf die Eröffnung eines formellen Verfahrens wegen Preismissbrauchs, sagte Preisüberwacher Rudolf Strahm am Dienstag vor den Medien in Bern. Cablecom hat sich inzwischen bereit erklärt, diese Toleranzgrenzen einzuhalten. Sie entsprechen den gleichentags von Cablecom bekanntgegebenen Preisen.

Strahm ist mit den neuen Cablecom-Preisen nur "halb zufrieden". Zufrieden sei er mit der Reduktion des Set-Top-Box-Preises, unzufrieden mit der Verteuerung im Analogbereich. Immerhin habe die Preisüberwachung für die Kunden einer Reihe von Umstellungsvorteilen herausgeholt: unentgeltliche Boxen-Installation in Wohnungen von Menschen über 65 und Behinderten, eine unentgeltliche Hotline für alle sowie klare Grenzen und Ankündigungsfristen für weitere Kanalabschaltungen im Analogbereich.

Strahm nutzte die Gelegenheit für einen "Warnruf an die Politik": Die Medien- und Wettbewerbspolitik habe den landesweiten Systemwechsel bisher zu wenig ernst genommen. Das Laisser-faire der Behörden führe bald zu einem technologischen Duopol (Cablecom und Swisscom Bluewin TV), das ein versorgungstechnisches Korsett über das Land lege.

Zum einen gehe es um die Verschlüsselung der Signale. Für den Empfang der Digitalkanäle via Cablecom könne der Kunde die nötige Box nur bei Cablecom beziehen. In anderen Ländern herrsche unter den Set-Top-Boxen offener Wettbewerb. Als besonders stossend empfindet es Strahm, dass Cablecom sogar die kostenlosen öffentlich-rechtlichen und privaten werbefinanzierten Programme im digitalen Grundangebot nur verschlüsselt sendet. (sda)

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