13.01.2026

Mediapulse

Private profitieren weiter von SRF-Verlusten

Die jüngsten Zahlen bestätigen: Der UKW-Ausstieg der SRG kostet die öffentlichen Radiosender massiv Hörerinnen und Hörer. Allein SRF 1 verlor im zweiten Halbjahr 2025 im Vergleich zur Vorjahresperiode eine Viertelmillion Menschen. Die grossen Gewinner sind die Privaten – allen voran die Zentralschweizer Sender.
Mediapulse: Private profitieren weiter von SRF-Verlusten
Radio Central gehört zu den grossen Gewinnern des SRG-UKW-Ausstiegs. Im Bild: Das Studio im neuen Radio-Hub in Luzern, von wo aus auch Radio Pilatus sendet. (Bild: CH Media/Boris Bürgisser)

Gross war der Aufschrei vor einem Jahr, als erste Radiozahlen nach dem UKW-Ausstieg der SRG bekannt wurden. Nach einem halben Jahr lagen schliesslich die ersten belastbaren Zahlen vor. Diese belegten: Die SRG-Radiosender mussten einen markanten Verlust von rund einer halben Million Hörerinnen und Hörern schweizweit hinnehmen. Nachdem das Parlament entschied, eine Verlängerung der UKW-Verbreitung zu ermöglichen, will nun die SRG wieder zurück auf UKW (persoenlich.com berichtete). «Rückblickend war es ein Fehler, dass die SRG gesagt hat: Wir gehen beim UKW-Aus voran», sagte SRG-Generaldirektorin Susanne Wille dieses Wochenende in einem SonntagsBlick-Interview.

Dass es ein Fehler war, zeigen auch die am Montag von der Forschungsstelle Mediapulse publizierten Zahlen des zweiten Halbjahres 2025 (Juli bis Dezember). Alle SRG-Sender zusammen verloren schweizweit gegenüber der Vorjahresperiode 459'000 tägliche Hörerinnen und Hörer – sie erreichten neu gesamthaft 2,9 Millionen Personen (bei dieser Gesamtzahl sind Doppelhörer bereinigt). Im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2025 haben sich die Hörerzahlen im zweiten Semester stabilisiert.

Flaggschiff SRF 1 verlor allein in der Deutschschweiz gegenüber dem zweiten Halbjahr 2024 täglich rund eine Viertelmillion Hörerinnen und Hörer – rund 847'000 Personen schalteten täglich SRF 1 noch ein (alle Zahlen von Montag bis Sonntag, Deutschschweiz, ab 15 Jahren). Gross auch der Verlust bei SRF 3: 624'000 Personen hörten noch zu, 236'000 weniger als noch im Vorjahr. Einzig SRF Virus legte signifikant zu, wenngleich auf anderer Flughöhe: um knapp 7500 auf neu 41'000 Hörende.


Trotz SRG-Ausstieg bei UKW: «Die Radionutzung bleibt robust», stellt Mediapulse in einer Mitteilung fest. 93 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung haben im zweiten Halbjahr 2025 mindestens einmal pro Woche Radio gehört. 5,13 Millionen Menschen hörten täglich Radio – und dies jeden Tag im Schnitt während 110 Minuten. «Diese Stabilität ist insofern erwähnenswert, als die Teilabschaltung der UKW-Verbreitung der SRG-Sender ab Januar 2025 zwar die Nutzung einzelner Sender verändert hat, der Umfang der Radionutzung insgesamt davon aber bisher nicht beeinträchtigt wurde», heisst es weiter.

Zentralschweizer Sender verteidigt Spitzenplatz

Um die Doppelhörer bereinigt haben alle SRF-Sender zusammen allein in der Deutschschweiz 382'000 tägliche Hörerinnen und Hörer verloren. Profitiert haben – wie bereits im ersten Halbjahr 2025 – die privaten Radiosender. Diese gewannen im zweiten Semester gegenüber der Vorjahresperiode in der Deutschschweiz 223'000 Personen hinzu.

Weiterhin an der Spitze bleibt Radio Pilatus mit neu rund 241'000 Hörerinnen und Hörern – 28'000 mehr als in der Vergleichsperiode des Vorjahrs (auch hier alle Zahlen von Montag bis Sonntag, Deutschschweiz, ab 15 Jahren). Auf Platz zwei folgt Radio 24 mit 227'000 Hörerinnen und Hörern (+25'000). Ebenfalls auf dem Podest ist Radio Zürisee mit neu 203'000 Personen, die im zweiten Semester 2025 täglich einschalteten (+34'000). Der Sprung in die Top drei gelang dem Sender aus Rapperswil bereits im ersten Halbjahr.

Neue Nummer vier aller Privatradios in der Deutschschweiz ist Radio Central. Der Zentralschweizer Sender aus dem Hause CH Media ist von Platz sieben knapp hinter das Podest emporgeschossen. 200'000 Menschen hörten täglich zu, 33'000 mehr als noch im Vorjahr. Bis auf Radio Eviva konnten sämtliche Sender aus dem CH-Media-Portfolio meist signifikant zulegen. «Dass wir sowohl in den verschiedenen Regionen als auch mit unseren nationalen Spartensendern stark zulegen konnten, ist Beleg für die Verankerung und Relevanz unserer Radiosender – und freut uns ganz besonders», lässt sich Nicola Bomio, Leiter Radio bei CH Media, in einer Mitteilung zitieren.

Weiter abgerutscht ist hingegen Energy Zürich. Neu auf Platz sechs, hinter Radio Argovia, erreichte der Stadtzürcher Sender täglich rund 189'000 Hörerinnen und Hörer, etwas weniger als in der Vergleichsperiode des Vorjahrs. Dafür konnte ein weiteres Stadtzürcher Radio zulegen: Radio 1 hörten neu täglich 109'000 Personen (+34'000). Radio-1-Chef Roger Schawinski führt die Entwicklung laut Mitteilung «klar auf die Programmstrategie und die technische Verbreitung zurück» – also die Verbreitung via UKW.

Ein Blick auf die Top 20 der Privatradios:


Ein Blick zum nördlichen Nachbarn zeigt, dass die Reichweitengewinne dort überschaubar sind. Radio Seefunk aus Konstanz wurde im zweiten Halbjahr 2025 von 24'000 in der Deutschschweiz wohnhaften Personen gehört (+6800), Radio 7 wählten 23'000 Hörende (im Vorjahr nicht erfasst) und Klassik Radio 17'000 Personen (+4300).

SRF Musikwelle läuft über zwei Stunden

In Sachen Hördauer hat die SRF Musikwelle die Nase vorn. Während 130 Minuten pro Tag beschallte der Sender die Stuben und Autos der Deutschschweiz. Radio SRF 1 wurde durchschnittlich während 119 Minuten gehört. Bei den Privaten hat Radio Eviva mit 83 Minuten die Nase vorn, dies vor Radio Central (74 Minuten) und Radio 32 (66 Minuten).

Aus der Kombination von Reichweite und Hördauer ergeben sich die Marktanteile. Sieger ist hier SRF 1 mit 23,39 Prozent Marktanteil vor SRF 3 mit 11,15 Prozent. Bei den Privaten liegt Pilatus (3,65 Prozent) vor Central (3,46 Prozent) und Radio 24 (2,81 Prozent).

Erfasst wird von der unabhängigen Branchenorganisation Mediapulse jeweils die lineare Nutzung von Radioprogrammen über sämtliche analogen und digitalen Verbreitungsvektoren. Aus «forschungsökonomischen Gründen» unberücksichtigt bleibt dabei jene lineare Radionutzung, die über Kopfhörer erfolgt.


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KOMMENTARE

Isabelle Waser
13.01.2026 09:03 Uhr
Danke für diese Frage! Wir vergleichen jeweils mit der Vorjahresperiode, weil die Radionutzung – ähnlich wie beim TV – stark saisonal geprägt ist. Ein Semestervergleich würde diese saisonalen Schwankungen nicht berücksichtigen. Der Bezugspunkt ist also bei unserer Publikation das 2. Semester 2024, als die SRG-Programme noch auf UKW liefen. Der Vergleich zum Vorsemester (1. Sem 2025) zeigt, dass sich die Effekte der Teilabschaltung stabilisieren
Marco Moli
12.01.2026 20:45 Uhr
Wieso werden die Zahlen mit der Vorjahresperiode verglichen und nicht mit dem letzten Semester? Ich musste den Artikel zwei Mal lesen und die Datensätze von Mediapulse konsultierten um zu verstehen, dass Radio SRF 1 nicht *nochmals* eine Viertelmillion gegenüber dem ersten Non-UKW-Semester verloren hat. Sondern *nur* 2k. Oder ist das jetzt säb Clickbait?
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