10.07.2025

Radio Zürisee

«Wir schauen nicht darauf, was die anderen tun»

Radio Zürisee verdrängt Energy Zürich vom Podest der Privatradios und landet auf Platz drei – mit einem Zuwachs von fast 42'000 Hörerinnen und Hörern. Der neue CEO Daniel Merkle erklärt im Interview, warum sich sein Sender manchmal wie David gegen Goliath fühlt und wer die echten Gegner sind.
Radio Zürisee: «Wir schauen nicht darauf, was die anderen tun»
«Kein anderes Medium ist so nah an den Menschen dran», so Daniel Merkle, CEO Radio Zürisee. (Bild: zVg)

Daniel Merkle, haben Sie den Champagner schon geöffnet? Radio Zürisee steht neu auf Platz drei der Privatradios.
Wir haben vorhin mit dem Team auf dieses grossartige Ergebnis angestossen – Erfolge sollte man schliesslich feiern. Platz drei unter den Privatradios fühlt sich grossartig an. Noch bedeutender ist aber: Platz eins im Sendegebiet – das gab’s so noch nie. Natürlich freut uns das riesig.

Sie sind seit Anfang Monat CEO und bekommen gleich solche Zahlen präsentiert. Die Erfolgszahlen decken aber bereits Ihre Zeit als Programmleiter ab. Wie gross ist Ihr Anteil an diesem Erfolg?
Der Erfolg gehört dem ganzen Team. Wir haben in den letzten Monaten viel optimiert, mutige Entscheidungen getroffen und haben gemeinsam neue Wege eingeschlagen.

«So bleiben wir uns selbst treu»

Radio Zürisee hat mit Energy Zürich und Radio Argovia gleich zwei etablierte Sender überholt. Was ist das Erfolgsgeheimnis?
Wir hinterfragen unser Tun und Handeln jeden Tag aufs Neue kritisch. Das ist sicherlich nicht immer bequem. Zeitgleich gehen wir unseren Weg und schauen nicht allzu sehr darauf, was die anderen tun. Wir haben eine klare Ausrichtung und ziehen diese über alle Kanäle konsequent durch. So bleiben wir uns selbst treu.

219'040 tägliche Hörende, ein Plus von fast 42'000 gegenüber dem Vorjahr (persoenlich.com berichtete). Welche programmatischen Entscheidungen haben Sie als Programmleiter dafür getroffen?
Wir haben unsere Ausrichtung geschärft und setzen sie konsequenter um – inhaltlich wie strategisch. Für uns stehen die Hörerschaft, unsere Kunden und Partner im Vordergrund. Wir richten unser Tun und Handeln danach aus, was der Markt sich wünscht. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass Radio ein emotionales Medium ist. Wir sind ein People-Business – das macht Radio aus und kann auch kein Streamingdienst ersetzen.

Die SRG-Sender haben durch das UKW-Aus Ende 2024 schweizweit 471'400 Hörende verloren. Hat Radio Zürisee überdurchschnittlich vom SRG-Hörer-Exodus profitiert?
Die Veränderung der Marktbedingungen betrifft grundsätzlich alle Sender. Natürlich gibt es in unserer Zielgruppe demografisch gesehen ein grösseres Potenzial, aber gleichzeitig auch mehr private Anbieter, die um Aufmerksamkeit konkurrieren. Entscheidend ist also nicht allein das Verschieben von Reichweiten, sondern wie gut man es schafft, mit einem klaren Profil und relevantem Inhalt die Menschen für sich zu gewinnen. Das ist uns offenbar gelungen.

Ihr Vorgänger Matthias Kost hat 22 Jahre bei Radio Zürisee gearbeitet, Sie sind seit letztem Jahr an Bord. Wie schaffen Sie Kontinuität und gleichzeitig frischen Wind?
Matthias Kost hat grossartige Vorarbeit geleistet. Er hat mit klarer Positionierung, Vision, Markenphilosophie und internen Strukturen den Boden bereitet – mir quasi den roten Teppich ausgerollt, um Veränderung überhaupt zu ermöglichen. Den Sender komplett auf den Kopf zu stellen, wäre falsch. Ziel ist es vielmehr, gesellschaftliche und technologische Entwicklungen aktiv aufzunehmen und die Marke in diesem Sinne weiterzuentwickeln.

«Wir sind sehr agil, können schnell entscheiden und umsetzen»

Als ehemaliger CH-Media-Mann kennen Sie die Konkurrenz von innen. Was macht Radio Zürisee anders als die grossen Gruppen?
Manchmal fühlt es sich ein bisschen an wie David gegen Goliath. Wir sind sehr agil, können schnell entscheiden und umsetzen. Aber: Ich sehe andere Sender nicht als direkte Konkurrenz – eher im Gegenteil: Wir sollten viel mehr zusammenspannen. Die echten Herausforderungen liegen ausserhalb der Branche, bei den grossen Plattformen wie Meta, Google & Co.

Sie haben einen Executive MBA in Digitaltransformation. War das digitale Know-how entscheidend für Radio Zürisees Erfolg gegen die Konkurrenz?
Das Know-how hilft mir täglich, keine Frage. Gleichzeitig haben wir im Team viele kluge Köpfe, die ebenfalls digital denken und handeln. Es macht grossen Spass, die Marke gemeinsam in diese Richtung weiterzuentwickeln. Wir haben noch einiges vor, gerade im digitalen Bereich. Dabei darf man trotzdem nicht vergessen, dass Radio nach TV immer noch das am häufigsten genutzte Medium in der Schweiz ist – vor Facebook, TikTok und Co. Kein anderes Medium ist so nah an den Menschen dran – und das täglich, zuverlässig und mit grosser Wirkung.

Ihr Vorgänger hat Radio Zürisee «zur umfassenden Unterhaltungsmarke» ausgebaut, hiess es bei seinem Abgang. Wohin wollen Sie den Sender als CEO führen?
Ich will diesen Weg nicht verlassen – im Gegenteil. Die Vision von Matthias Kost ist durchdacht und absolut stimmig. Mein Ziel ist es, Radio Zürisee als 360-Grad-Erlebnismarke weiterzuentwickeln und damit noch näher an unsere Hörerinnen und Hörer zu rücken.


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