14.07.2025

Tamedia

Proteste gegen neue Textlängenvorgaben

Rund 180 Mitarbeitende haben laut Republik ein Protestschreiben gegen verschärfte Textlängenregeln unterzeichnet. Die Redaktionen befürchten eine «20-Minutisierung» ihrer Titel. Tamedia spricht von einem «bewährten Mittel» zur Effizienzsteigerung.
Tamedia: Proteste gegen neue Textlängenvorgaben
Müssen sich exakt an Textlängenvorgaben halten: Journalistinnen und Journalisten von Tamedia. (Bild: Keystone/Gaëtan Bally)

Laut einem Bericht der Republik sind bei Tamedia neue Textlängenvorgaben auf Widerstand gestossen. Grund sind neue Regeln, die der publizistische Leiter Simon Bärtschi Ende Juni per E-Mail angekündigt hatte. Rund 180 Mitarbeitende sollen ein Protestschreiben gegen die Massnahmen unterzeichnet haben.

Die neuen Regeln sehen vor, dass Journalistinnen und Journalisten ihre Texte in vorgegebene Kategorien von XS (1500 Zeichen) bis XL (8000 Zeichen) einteilen müssen. Eingeführt wurde laut Republik eine Toleranzgrenze: Neu dürfen Texte maximal 150 Zeichen über oder unter der vorgegebenen Länge liegen.

«20-Minutisierung» befürchtet

In ihrem Protestschreiben kritisieren die Mitarbeitenden laut Republik die kurze Ankündigungsfrist von nur vier Arbeitstagen und sprechen von einer «Geschäftsleitung im Panikmodus». Sie befürchten eine «20-Minutisierung» der Titel und beklagen, dass «Klicks alles» seien. Die starren Vorgaben stünden im Widerspruch zu dem, was das Unternehmen jahrelang gepredigt habe: «Digitales Storytelling, Online First, keine Gedanken an den Print».

Bärtschi hatte die Anpassungen mit der «geplanten Automatisierung der Print-Produktion» begründet.

«Textlängenmodelle sind in vielen Medienhäusern ein bewährtes Mittel, um redaktionelle Prozesse effizienter zu gestalten», so Tamedia-Sprecherin Franziska Lurk auf Anfrage von persoenlich.com. Ziel sei es, «Planung und Produktion über alle Titel hinweg besser zu strukturieren» und «Ressourcen gezielter einzusetzen». Die «höchste inhaltliche Qualität ist und bleibt unser Anspruch – auch mit neuen Prozessen».

Auf die konkrete Frage, ob die Automatisierung der Print-Produktion zu weiterem Stellenabbau führe, geht Tamedia nicht ein.

Widersprüchliche Reichweitenangaben

«Wir schätzen den offenen Dialog mit unseren Teams sehr», betont Lurk. «Rückmeldungen aus der Redaktion, etwa über die Personalkommission, nehmen wir ernst und beziehen sie auch aktiv in die Weiterentwicklung unserer Prozesse ein.» Die Zahlen würden den Kurs bestätigen: Die Reichweite der «Kernmarken» sei im ersten Halbjahr um fünf Prozent gestiegen, während der Gesamtmarkt über zwei Prozent verloren habe.

Die Fachzeitschrift Schweizer Journalist:in hatte kürzlich von einem Reichweiteneinbruch um 30 Prozent berichtet und dies als Folge der «Zero-Klick-Economy» bezeichnet. Dabei handelt es sich um KI-getriebene Plattformen, die Inhalte aufsaugen, ohne die Quelle zu würdigen. Tamedia widerspricht diesen Angaben. (cbe)


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KOMMENTARE

Max Röthlisberger
15.07.2025 10:42 Uhr
Also mir wäre es lieber, wenn der Titel etwas mit dem Artikel zu tun hätte.
Victor Brunner
15.07.2025 08:32 Uhr
Ironie pur, in der Führungsebene des Tages-Anzeiger sitzen ein/e Journalistin/Journalist die nun ihren Kolleginnen und Kollegen das schreiben schwer machen. Der propagierte "Qualitätsjournalismus" an der Werdstrasse wird mit KI und Schreibrestriktionen zum "20 Minuten-Journalismus".
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